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Pferdehaltung und Training:

Fit durch den Winter

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür. Zuhause ist nun wieder Heizungswärme und Stoßlüften angesagt – das Gegenteil des Klimas, das im Stall herrschen sollte! Tierärztin Dr. Bernadette Unkrüer und Hufschmied Uwe Lukas geben Tipps, wie die Pferde gesund und fit durch den Winter kommen.

„Wenn es etwas gibt, was Pferde im Winter krank macht, ist das schlechte Luft im Stall“, betont Dr. Bernadette Unkrüer von der Pferdeklinik Telgte. Die FEI-Tierärztin, die unter anderem auch die Pferde der deutschen Para-Reiter betreut, sagt: „Wichtig ist vor allem, dass im Winter nicht alle Fenster geschlossen werden. Ammoniak, Staub, hohe Luftfeuchtigkeit und geringe Luftzirkulation führen zu chronischen Lungenerkrankungen.“ Bedauerlicherweise werden jedoch in der kalten Jahreszeit oft alle Schotten dicht gemacht, weiß Dr. Unkrüer. Dahinter steckt häufig die Sorge, dass die Tränken sonst einfrieren. Es gilt jedoch: Lieber aus Eimern tränken, als womöglich einen Dauerhuster oder gar ein dämpfiges Pferd im Stall stehen zu haben. Aber Achtung: Das Wasser aus dem Eimer darf nicht zu kalt sein! Das schlägt auf den Magen und außerdem trinken die Pferde dann weniger, dabei brauchen sie auch im Winter ausreichend Flüssigkeit. Auch ständig wechselnde klimatische Bedingungen überfordern den Organismus des Pferdes, warnt die Tierärztin. Grundsätzlich rät Dr. Bernadette Unkrüer, dass das Klima im Stall den Außentemperaturen folgen sollte: „Lassen Sie die Fenster geöffnet, aber vermeiden Sie Zugluft!“

Hautpilzerkrankungen vorbeugen

Dr. Bernadette Unkrüer warnt: „Gerade eingedeckte Pferde sind anfällig für Hautpilzerkrankungen. Insbesondere, wenn die Decke aufgelegt wird, obwohl das Fell noch nicht trocken ist. Eine warme, feuchte, dunkle Umgebung und eine Haut, die nicht richtig atmen kann, das sind die perfekten Bedingungen für Hautpilze.“ Daher der Rat: Die Pferde sollten immer trocken sein, ehe sie ihre Stalldecke aufgelegt bekommen. Auch sollten sämtliche Textilien, also neben den Stall- und Weidedecken auch Abschwitzdecken, Schabracken, Bandagen und Unterlagen regelmäßig gewaschen werden. Auch das Putzzeug und vor allem Schermaschinen sollten gereinigt und desinfiziert werden, da sie ideale Überträger von Pilzerkrankungen sind. Übrigens hilft auch das tägliche Putzen, Hautpilz vorzubeugen. Darum brauchen auch optisch blitzsaubere geschorene Pferde ihre tägliche Pflegeeinheit, um Haut und Fell gesund zu erhalten.

Problem Staub

Um Ammoniak- und Staubbelastung so gering wie möglich zu halten, sollten Stallarbeiten dann durchgeführt werden, wenn keine Pferde im Stall sind. „Und dass die Stallgasse vor dem Fegen angefeuchtet wird, sollte selbstverständlich sein!“, so Dr. Unkrüer. Staub ist nicht nur in den Wintermonaten ein großes Thema in der Pferdehaltung, aber jetzt besonders. Denn in der Praxis ist es leider immer noch häufig so, dass Pferde in der kalten Jahreszeit mehr Zeit im Stall verbringen als sonst. Umso wichtiger, dass Heu und Stroh dann möglichst staubarm sind. Das allerdings kann zum Problem werden, wenn die Ernte derart schlecht ausgefallen ist, wie dieses Jahr. Dr. Unkrüer rät: „Wenn kein gutes Raufutter zu bekommen ist, kann man das Heu auch anfeuchten oder bedampfen, um den Staub zu binden. Für die Einstreu bieten sich Späne oder Leinstroh als Ersatz für Stroh an. Allerding muss den Pferden dann unbedingt umso mehr Heu zur Verfügung gestellt werden, damit sie ihren Raufutterbedarf decken und ihr Kaubedürfnis befriedigen können.“

Wenn die Pferde mehrere Stunden auf dem Paddock sind, muss ihnen Heu zur Verfügung stehen, um ihr Kaubedürfnis zu be­friedigen und den Magen-Darm-Trakt zu beschäftigen. Alle Fotos: Frank Sorge

Das Temperatur­regelungssystem gesunder Pferde ist so ausgeklügelt, dass sie – sofern sie nicht geschoren sind – auch im Winter keine Decke be­nötigen.

Auf jeden Fall: raus

Apropos Raufutter – das gilt natürlich auch für die Zeit, die die Pferde im Freien verbringen. Wenn die Pferde überhaupt noch im Winter auf die Weide dürfen, finden sie da in der Regel kaum noch etwas zu fressen. Also sollte sowohl auf der Weide als auch auf dem Paddock Raufutter gereicht werden. Das klappt am besten mit einer Gruppenraufe. Auf diese Art und Weise wird das gute Futter nicht zertrampelt und die Pferde nehmen weniger Sand und Schmutz vom Boden auf. Es ist gar nicht so selten, dass Pensionsställe im Winter zwar Paddocks anbieten, aber am Raufutter sparen. Das kann gefährlich werden, denn nach spätestens vier Stunden ohne Nahrungsaufnahme ist der Magen leer und die Magensäure beginnt, die Schleimhäute anzugreifen. Die Folge: Magengeschwüre. Übrigens ist Heu auf dem Paddock gerade im Winter auch deshalb so wichtig, weil die Pferde die ständige Energiezufuhr benötigen, um sich warm zu halten.

Außerdem sollten die Pferde auch im Winter grundsätzlich ständigen Zugang zu frischem, eisfreien Wasser haben. In Ausnahmefällen, etwa wenn die Leitungen eingefroren sind, muss den Pferden mindestens drei Mal am Tag bis zur Sättigung Wasser angeboten werden. Hilfreich ist es, Tränke, Futterstelle und Unterstand getrennt voneinander anzuordnen, so dass die Pferde animiert werden, sich immer wieder zu bewegen.

Auf alle Fälle sollten die Pferde auch im Winter die Möglichkeit zu Auslauf im Freien haben. Ein Unterstand bietet Schutz vor Regen und Wind. Wichtig ist, dass die Böden glattgezogen werden, ehe es friert, denn tiefe Matschlöcher können zu einer Stolperfalle mit hohem Verletzungsrisiko werden, sobald sie hart gefroren sind. Perfekt sind im Winter befestigte Paddocks mit nur einer dünnen Sandschicht auf z.B. mit Lochmatten versehenem Untergrund. Das ist weitgehend rutschfest und zudem pflegeleicht – tägliches Absammeln der Pferdeäpfel sollte selbstverständlich sein.

Ein zu drei Seiten geschlossener Unterstand bietet den Pferden auf der Weide gegebenenfalls ausreichend Schutz vor Wind und Wetter.

Matsch und Mauke

Nicht jeder Stall kann im Winter einen befestigten Paddock anbieten. Wenn der Winter dann eher matschig-grün statt frostig-weiß ist, kann das zur Herausforderung für Haut und Hufe werden. Ein Problem ist dann z.B. Mauke. Dr. Bernadette Unkrüer rät: „Der sicherste Schutz vor Mauke ist es, die Fesselbeugen der Pferde zu reinigen und zu trocknen, wenn sie wieder im Stall stehen.“ (Lesen Sie hierzu auch PM-Forum, Ausgabe 9-2017, Artikel Pferdepflege).

Ein hartnäckiges Gerücht ist, dass Pferde auf einem matschigen Paddock Strahlfäule bekommen. Hufschmied Uwe Lukas erklärt jedoch: „Strahlfäule entsteht durch Bakterien, die vor allem in nasser, schmutziger Einstreu vorkommen. Bei einem Paddock, der abgeäppelt wird, gibt es im Regelfall keine Probleme.“ Das sei eher der Fall, wenn die Pferde im Winter viel Zeit im Stall verbringen und die Boxenhygiene nicht stimmt. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Pferde bei Matratzenhaltung eher zu Strahlfäule neigen. Meiner Erfahrung nach, ist es das Beste, täglich zu misten und so gut einzustreuen, dass die Flüssigkeit nach unten ablaufen kann, und die Pferde auf einer sauberen, trockenen Schicht Einstreu stehen.“

So nicht! Ein Hufgrip verhindert, dass sich der Schnee unter den Hufeisen aufstollt.

Kräuter, Mash & Co. 

Bestimmte Kräutermischungen – teilweise als Sirup erhältlich – sollen helfen, Atemwegserkrankungen zu vermeiden bzw. zu heilen. „Unterstützend kann das eine sinnvolle Maßnahme sein“, bestätigt Dr. Bernadette Unkrüer. Allerdings warnt sie auch: „Das A und O um Atemwegserkrankungen gar nicht erst entstehen zu lassen bzw. im Falle des Falles zu bekämpfen, ist ein gesundes Stallklima!“ Außerdem weist die FEI-Veterinärin darauf hin, dass viele Kräuter Substanzen enthalten, die gemäß ADMR (Anti-Doping und Medikamentenkontroll-Regeln) auf dem Turnier verboten sind. Auskunft über die Karenzzeit der eingesetzten Kräuter, also die empfohlene Zeitspanne von der Gabe der Substanz bis zum Turniereinsatz, gibt die Liste mit verbotenen Substanzen der FN (www.pferd-aktuell.de/fairersport).

Im Winter eine warme Mahlzeit – was uns Menschen freut, macht doch sicher auch das Pferd glücklich, oder? Sicher, kaum ein Pferd sagt Nein zu einer Portion Mash. Im Gegenteil, die meisten lieben es. Aber das gilt sommers wie winters. Ernährungsphysiologisch ist die Mashfütterung nur dann sinnvoll, wenn das Pferd einen angegriffenen Verdauungsapparat hat.

Hufpflege im Winter

Hufschmied Uwe Lukas, der neben Sportstars auch die Patienten in der Tierklinik Telgte betreut, sagt: „Wann immer die Situation es zulässt, würde ich im Winter die Eisen abnehmen. Auch auf die Gefahr hin, dass die Pferde anfangs etwas fühlig gehen.“ Wenn nicht alle vier Hufeisen abgenommen werden können, gilt: Zwei sind besser als keins. Und zwar egal, ob vorne oder hinten. Es kann zwei bis drei Wochen dauern, bis die Pferde sich auch ohne Eisen frei bewegen. Darauf sollte man Rücksicht nehmen. Trotzdem lohnt es sich für die Hufgesundheit. Uwe Lukas: „So hat man die Möglichkeit, Fäulnisprozesse zwischen Hufeisen und Horn zu behandeln.“ Gleichzeitig räumt er mit einem Klischee auf: „Der Hufmechanismus ist nicht der Grund, weshalb ich dazu rate, die Pferde im Winter barhuf laufen zu lassen. Bei einem korrekt beschlagenen Pferd arbeitet der Huf auch mit Eisen einwandfrei. Das wichtigste für den Hufmechanismus und damit das Hornwachstum ist ausreichend Bewegung. Denn nur die regt die Durchblutung an.“

Keine Absatzschuhe!

Bei Pferden ohne Eisen braucht man sich im Winter zudem keine Gedanken über das Aufstollen des Schnees zu machen. Wenn das passiert, laufen die Pferde gewissermaßen auf Pumps – Gift für Sehnen, Bänder und Gelenke. Ohne Eisen kommt es gar nicht erst dazu. Sind Eisen unverzichtbar, sollte der Schmied einen sogenannten Hufgrip zwischen Eisen und Hufwand anbringen. Das verhindert das Festpappen des Schnees unter der Sohle.

Was die Pflege angeht, sagt Uwe Lukas: „Ich bin kein großer Freund von Huffett und -öl. Dort, wo die Substanzen aufgetragen werden, befindet sich nur totes Horn. Entscheidend ist der Kronrand. Hier wird das Horn gebildet. Massiert man hier pflegende Substanzen ein, kann dies das Hornwachstum verdoppeln. Dafür muss man allerdings schon fünf Minuten pro Huf rechnen, am besten zweimal am Tag.“ Bekannt ist als pflegende Substanz beispielsweise Lorbeeröl. Das wirkt leicht reizend und regt dadurch die Durchblutung an. Gute Erfahrungen hat Uwe Lukas auch mit Ballistolöl gemacht, das einerseits Feuchtigkeit spendet und andererseits desinfiziert.

Schadet Frostschutz?

Um den Hallenboden vor dem Gefrieren zu schützen, wird Magnesiumchlorid eingebracht. Das kann mitunter die Haut in den Fesselbeugen reizen. Aber den Hufen mache das nichts aus, betont Uwe Lukas. Etwas anderes ist deutlich schlimmer: „Wenn der Boden oberflächlich angetaut, aber darunter noch gefroren ist und die Pferde dann aus dem Stall direkt auf die Koppel gelassen werden, brechen die Seitenwände der Hufe weg. Ich habe schon Fälle gesehen, bei denen Blut kam.“ Darum: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Dann ist der größte Übermut verflogen und die Gefahr ist weniger groß – übrigens natürlich auch für den Rest des Bewegungsapparats.

 

Das Training im Winter

Als Faustregel gilt: Vor der Lösungsarbeit schon mal 10 bis 15 Minuten den Bewegungsapparat im Schritt anwärmen und vorbereiten auf das, was kommt. Das ist im Winter noch wichtiger als im Sommer. Wer seine Pferde im Offenstall hält, ist hier im Vorteil, weil die Pferde hier ohnehin ständig in Bewegung sind. Geschorene Pferde sollten fürs Schritt reiten unbedingt eine Decke über dem Rücken tragen, sagt Dr. Bernadette Unkrüer. „Bei empfindlichen Pferden kann die auch im Trab noch gute Dienste leisten“, so die Expertin.

Wenn die Pferde auch im Winter regelmäßig gearbeitet werden, sollten sie geschoren werden – weniger, um Zeit zu sparen, sondern vielmehr, weil die Pferde sich schnell erkälten, wenn sie beim Training stark schwitzen und dann nass mit der Kälte konfrontiert werden. Sollte es einen Grund geben, der gegen das Scheren spricht, ist es wichtig, das verschwitzte Pferd wirklich so lange in Bewegung zu halten, bis es trocken ist und die Haut unter dem Fell sich warm anfühlt. Das kann dauern. Aber auch geschorene Pferde müssen nach dem Training ausreichend Schritt gehen. Das hilft dem Körper, Stoffwechselprodukte wie z.B. Laktat abzubauen. Sonst gibt es Muskelkater.

Fütterung im Winter

Für das Immunsystem der Pferde ist es vor allem wichtig, dass ausgewogen gefüttert wird und die Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen gewährleistet ist. Doch Vorsicht: Eine Überversorgung bestimmter Stoffe kann massive Schäden anrichten und in Extremfällen sogar tödlich sein. Viel hilft viel ist hier also der falsche Weg! Dr. Unkrüer rät zu einer Blutuntersuchung, die Aufschluss über den Versorgungsstatus gibt.

Gerade im Winter sollten die Pferde mindestens 15 Minuten Schritt gehen, ehe man mit der lösenden Arbeit beginnt.

Ehe man im Falle eines Mangels dann zu allen möglichen Ergänzungsmitteln greift, sollte man erst einmal das Grundfutter auf seinen Gehalt überprüfen lassen, also eine Heuprobe ins Labor geben. Die Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten (LUFA), die es im ganzen Land gibt, übernehmen das. So kann man sehen, welche Mineralien und Spurenelemente im Grundfutter fehlen und was bereits satt vorhanden ist. Sollte Ergänzungsfutter nötig sein, kann dieses dann entsprechend dosiert werden.

Dominique Wehrmann

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