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Premieren in Dagobertshausen und Langenhagen waren ein voller Erfolg

DAM – eine neue Erfolgsformel

Auf diese Chance haben viele lange gewartet: Erstmals gab es in diesem Jahr Deutsche Meisterschaften auch für Top-Amateure im Pferdesport. Die Dressur- und Springreiter trafen sich auf der Reitsportanlage Dagobertshausen bei Marburg, die Vielseitigkeitsreiter machten den Titel in Langenhagen bei Hannover unter sich aus. 

Eine traumschöne Anlage: Hofgut Dagobertshausen am Rande von Marburg. Fotos (4): Harbord Design

Wunderschönes Ambiente, entspannte Atmosphäre und hochmotivierte Amateure: Das waren die Zutaten für die gelungene Premiere der Deutschen Amateur-Meisterschaften in Dagobertshausen. Drei Tage verbrachten die ersten DAM-Teilnehmer auf der Reitsportanlage der Marburger Familie Pohl, bestritten Prüfungen auf S-Niveau und kamen beim kulinarischen Rahmenprogramm und im Stallzelt miteinander ins Gespräch. „Es ist alles sehr entspannt hier, ein bisschen wie Urlaub“, sagte Petra Rüder. Die Hotelbetriebswirtin von der Insel Fehmarn war die einzige der insgesamt 41 Titelbewerber, der an diesem Wochenende kein einziger Springfehler unterlief. In der Siegerrunde war sie mit ihrem Latigo allerdings einen Wimpernschlag langsamer als Jakob Kock-Evers, der damit als erster Deutscher Amateur-Meister Pferdesportgeschichte schrieb.

Im wahren Leben Schornsteinfeger, betreibt der ehemals als Ponyreiter erfolgreiche Hamburger den Pferdesport heute als Hobby. Sein Pferd Cadeau du Ciel, das er als Fohlen nahezu geschenkt bekam, erwies sich also tatsächlich als Geschenk des Himmels. Die Bronzemedaille ging an die Erzieherin Alexandra Eckhoff aus Hannover mit Balou’s Bazouka. Vor fünf Jahren hatte sie einen schweren Unfall, der sie beinahe ein Bein gekostet hätte. „Es war unklar, ob ich überhaupt wieder reiten können würde. Ich bin super stolz, dass ich überhaupt und auch auf diesem Niveau wieder aktiv bin und das mit einem selbst gezogenen Pferd“, sagte sie.

Direkt vor der imposanten Reithalle gingen die Springreiter an den Start. Der neu angelegte Rasenplatz war trotz der Regentage im Vorfeld gut zu bereiten. Dr. Sven Bischoff mit Donnersberger aus Rheinland-Pfalz.

Mit schöner Dekoration und viel Liebe zum Detail präsentierte sich das Turniergelände den Teilnehmern.

16 Qualifikationen im Land

Die erste Deutsche Amateur-Meisterschaft, für die sich die Teilnehmer bei insgesamt 16 Qualifikationsturnieren in ganz Deutschland empfehlen konnten, offenbarte die ganze Bandbreite derjenigen, die in ihrer Freizeit auf schwerem Niveau reiten. Von der Hausfrau Britta Mayer, die das eigentlich für die Tochter bestimmte Pony bis Klasse S in der Dressur ausgebildet hat, bis zur Biologie- und Chemie-Lehrerin Verena Oberscheidt, von dem zu DDR-Zeiten hocherfolgreichen Springreiter Ralf Deutschmann, der nach der Wende einen Containerbetrieb aufbaute, bis zum Diplom-Immobilienkaufmann Malte Laub, der nach seiner Arbeit bis spät abends im Sattel sitzt. Für sie alle sind Pferde und Reiten vor allem eines: eine absolute Lieblingsbeschäftigung, die mit Ehrgeiz betrieben wird.

Als erste Deutsche Amateur-Meisterin in der Dressur darf sich Felicitas Lackas vom Landesverband Hannover freuen. Die Lebensgefährtin von Ex-Nationaltorwart Frank Rost setzte sich mit Londonbeat sowohl in der Qualifikationsprüfung als auch im Kürfinale durch. „Mit so was darf man nicht rechnen, das muss man annehmen, wenn es passiert“, sagte die Premierensiegerin auf dem Viereck noch etwas fassungslos über ihren Erfolg. Gleich zwei Mal wurde in Dagobertshausen der Titel der Vizemeisterin vergeben: an die ehemals im Jugendsport hocherfolgreiche Baden-Württembergerin Miriam Maurer mit Solist sowie an Katrin Berning mit San-Siro, die erst 37-jährig erstmals an einer E-Dressur teilnahm und mit ihren 53 Jahren zu den ältesten Teilnehmern der Meisterschaft zählte. Insgesamt bewarben sich 39 Paare um den Premieren-Titel.

Liebenswerte Gastgeber

„Es war so eine tolle Stimmung“, freute sich der Leiter der Reitsportanlage Dagobertshausen, Konrad Kugler, der zusammen mit seiner Frau Sigrun das Turnier organisierte. Nahezu unermüdlich waren die beiden um die Zufriedenheit aller Beteiligten besorgt. Zusammen mit dem Helferteam gaben sie allen das Gefühl, willkommen zu sein. „Man merkte von Anfang an, dass sie sich freuten, uns hier zu haben“, brachte Petra Rüder es auf den Punkt.

Die Medaillenträger der ersten DAM: Jakob Kock-Evers, Petra Rüder (re.) und Alexandra Eckhoff.

Ein Damen-Trio machte die Dressur-Meisterschaft unter sich aus: Siegerin Felicitas Lackas und die beiden Silber­medaillengewinnerinnen Katrin Berning (M.) und Miriam Maurer. Fotos (4): B. Schnell

Felicitas Lackas, Schülerin von Jonny Hilberath, führte den Hannoveraner Londonbeat souverän zum Sieg im Prix St. Georges.

Schornsteinfeger Jakob Kock-Evers hatte den Holsteiner Cadeau du Ciel als Fohlen geschenkt bekommen.

Bemängelt wurde, wenn überhaupt, dass die Deutschen Amateur-Meisterschaften im Vorfeld zu wenig bekannt waren. Viele der Dressur- und Springreiter waren erst bei Ausschreibung der Qualifikationsprüfungen auf die neue Meisterschaft gestoßen. Ähnlich war es in der Vielseitigkeit, in der die Amateur-Meister als Sonderwertung des CIC2* Langenhagen ermittelt wurden. „Wir wären sowieso nach Langenhagen gefahren, weil es ein so schönes Turnier ist, aber durch die Meisterschaft war der Anreiz nochmal höher. Gerade in der Vielseitigkeit haben wir es ja auch in den Ein- und Zwei-Stern-Turnieren immer mehr mit Profis zu tun“, sagte Maria Hayessen. Die studierte Apothekerin gehörte 1992 zum deutschen Team bei den Junioren-Europameisterschaften. Nun, 25 Jahre später, trat sie zusammen mit 16 weiteren Paaren an selber Stelle bei den Amateur-Meisterschaften an, konnte ihre gute Dressur am Ende aber nicht in eine Medaille verwandeln. Zur ersten Deutschen Amateur-Meisterin avancierte Franca Lüdeke mit Cero Song. Auch sie war als Nachwuchsreiterin in der Vielseitigkeit erfolgreich und reitet bis heute neben ihrem BWL-Studium immer ein oder zwei Pferde im internationalen Sport. Auf dem Silberrang landete der 52-jährige Landwirt Karsten Jaspers aus Westerstede mit seinem Oldenburger Hengst Duke’s Delight vor der 26-jährigen Industriekauffrau Simone Boie aus Hünxe, die mit dem zehnjährigen Oldenburger Scotch auch auf Erfolge in Springprüfungen bis zur Klasse S und in der Dressur bis zur Klasse M blicken kann.

Interview mit Fritz Otto-Erley, Leiter Turniersport der FN

PM Forum: Sind sie zufrieden mit den DAM-Premieren? 

Fritz Otto-Erley: Sehr zufrieden. Die Resonanz war durchweg sehr gut. Ich glaube, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind. Natürlich braucht es eine Weile, bis sich das überall in der Szene herumgesprochen hat. Aber nach den erfolgreichen Premiere-Veranstaltungen bin ich sicher, dass die Nachfrage im nächsten Jahr noch steigen wird.

PM Forum: Es geht also weiter? 

Fritz Otto-Erley: Ja, das ist geplant. Und es steht erfreulicherweise schon fest, dass Dagobertshausen und Langenhagen auch im kommenden Jahr wieder Ausrichter der DAM sind.

PM Forum: Gibt es Änderungen? 

Fritz Otto-Erley: Ja, wahrscheinlich. Insbesondere, was die Qualifikation und Ausschreibung betrifft. In ihrem Feedback haben uns die Dressur- und Springreiter signalisiert, dass sie sich mehr Qualifikationsmöglichkeiten wünschen. In diesem Jahr hatten sie ja alle nur eine Chance, gelegentlich sogar landesverbands-übergreifend. Dabei sind wir als FN allerdings nicht entscheidend, das liegt in der Verantwortung der einzelnen Landesverbände. Baden-Württemberg hat es in diesem Jahr vorgemacht und bereits eine Landesmeisterschaft für Amateure ausgeschrieben, inklusive mehrerer Qualifikationsprüfungen. Auch so ein Modell ist denkbar. In Kürze tagt eine Arbeitsgruppe, die die Weichen für 2018 stellen wird.“

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