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Gesundheitvorsorge: Richtige Pferdefütterung Teil II

Von Maßen und Massen

Wie viel braucht mein Pferd wovon, damit es optimal versorgt ist? Simple Frage, viele Antworten. Ein Einblick in Inhalte und Wirkstoffe der Pferdefütterung gibt der zweite Teil unseres Beitrags über richtige Pferdefütterung.

Thema Ernährung von Hochleistungspferden: Distanz-, Renn- und Vielseitigkeitspferde – wie hier Peter Thomsens Horseware’s Barny – haben einen Mehrbedarf an Nährstoffen. Foto: Arnd Bronkhorst

Noch bis vor wenigen Jahren haben die meisten Pferdebesitzer sich darauf verlassen, dass der Stallbesitzer schon wissen wird, was er ihrem Liebling in die Krippe schüttet. Heute ist das anders. Dr. Hans Peter Karp von der Firma Derby Pferdefutter berichtet: „Das Kaufverhalten hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Viele Pferdehalter informieren sich intensiv über Fragen zur Fütterung. Der Trend geht zu individuellen Lösungen. Dabei bestimmen Kriterien wie Aminosäurequalität, geringe Stärkegehalte, höhere Ölgehalte und eine ausgewogene Versorgung mit Mineralien und Vitaminen die Auswahl.“ Wer ein Zusatzfuttermittel kauft, erkennt am Beipackzettel, was drin ist im Futter. Bei Heu, Hafer und Stroh, also den Grundnahrungsmitteln, ist das anders. Man kennt die grundsätzliche Zusammensetzung, aber gerade bei Heu und Hafer variieren die Anteile stark, abhängig von der Bodenbeschaffenheit für die Pflanze, den Ernte- und Lagerungsbedingungen. Da hilft nur eine Analyse, die man in der nächstgelegenen LUFA (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt) vornehmen lassen kann. Und sollte. Denn einfach auf Verdacht hier ein Pülverchen, da ein Müsli zu reichen, kann zu Überversorgung führen, die am Ende mindestens ebenso schädlich ist wie eine Mangelsituation. Darum gilt: Wissen, was das Pferd benötigt, prüfen, was mit dem Grundfutter abgedeckt ist und dann gezielt nur das ergänzen, was fehlt.

Hauptsache Heu

Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett, Wasser, Mineralien, Spurenelemente und Vitamine sind die lebenswichtigen Nährstoffe, die das Pferd braucht. Wirklich hochwertiges Heu enthält ausreichend viele davon, so dass ein Pferd bei Erhaltungsbedarf und auch noch bei leichter Arbeit problemlos alleine von qualitativ gutem Heu in ausreichender Menge leben kann. Auch die GfE empfiehlt, wenigstens den Erhaltungsbedarf an Energie über das Heu bzw. gutes Futterstroh (bei Pferden, die normal bewegt werden und Stroh kennen, bis zu ein Kilogramm pro 100 Kilogramm Pferdegewicht) zu decken. Und zwar unabhängig von der Nutzung der Pferde. Fütterungsexperte Otfried Lengwenat betreut unter anderem den Stall Beerbaum und berichtet, dass selbst die Hochleistungsspringpferde dort vor allem Heu bekommen. „Heu ad libitum“, wie der Fachmann sagt, also so viel, wie die Pferde fressen wollen. Bei einem 600 Kilogramm schweren Warmblut können das 15 Kilogramm pro Tag sein. Das Gute ist: In der heutigen Zeit, in der es immer schwieriger wird, an nährstoffreiches Raufutter zu kommen, nehmen die Pferde bei dieser Fütterungsmethode schon aufgrund der schieren Menge in der Regel genügend Nährstoffe zu sich. Kraftfutter wird im Stall Beerbaum aber auch gegeben, ca. ein bis drei Kilogramm täglich pro Pferd.

Woran es heutzutage im Futter am meisten mangelt, sind die hochwertigen Aminosäuren, berichtet Lengwenat. Das liege meist an zu spät geschnittenem Heu. Dieses ist strukturreicher, enthält also mehr langstielige Halme, dafür aber weniger Eiweiß. Die kleinsten Bestandteile des Eiweiß (oder auch Protein) sind eben jene Aminosäuren. Sie stellen die Grundlage allen Lebens dar, weil sie die Basis für den Bau der Körperzellen darstellen. Pflanzen können Aminosäuren selbst bilden. Tiere, wie auch wir Menschen, müssen die essenziellen Aminosäuren über die Nahrung zu sich nehmen. Hochwertiges Eiweiß enthält viele der essenziellen, also lebenswichtigen Aminosäuren. Äußerlich erkennt man einen Mangel an essenziellen Aminosäuren an der Muskulatur, verrät Otfried Lengwenat. Ist diese bei gleich gebliebenem Trainingsumfang schlaff statt straff und fest, liegt der Verdacht nahe. Um sicherzugehen, sollte man eine Analyse des Heus vornehmen lassen. Bestätigt sich der Verdacht, hat man verschiedene Möglichkeiten, Ausgleich zu schaffen. Otfried Lengwenat rät zu Heucobs, Grün- oder Luzernemehlen. Im Vergleich zum Kraftfutter auf Getreidebasis sind diese Futtermittel besser verdaulich. Sie puffern ab, während das übliche Krippenfutter durch seinen hohen Stärkeanteil Säure bildet (siehe dazu auch Teil 1). Beim Einsatz von Kraftfutter gilt als Obergrenze maximal ein Gramm Stärke pro Mahlzeit und Kilogramm Pferdegewicht. Einen Teil der Energie aus dem Kraftfutter kann man durch Öl ersetzen. Hier werden ein Gramm pro Tag und Kilogramm Pferd als Limit betrachtet.

Energie aus dem Heu

Ein Kilogramm Heu aus früher Ernte enthält bis zu 9 MJ Energie (das entspricht rund 0,8 Kilogramm Hafer). Spät geerntetes Heu enthält hingegen nur bis zu 6 MJ pro Kilogramm (entspricht ca. 0,5 Kilogramm Hafer).

Tragende Stuten müssen zusätzlich die Frucht in ihrem Leib ernähren und brauchen deshalb mehr Mineralien, vor allem an Kalzium, Phosphor, Magnesium und Natrium. Ist das Fohlen erst einmal auf der Welt, benötigt die Stute Energie wie ein Rennpferd, um die Milch für das Pferdekind produzieren zu können. Foto: Arnd Bronkhorst/Frank Sorge

Energiebedarf des Pferdes

Der Bedarf an Energie wird in Megajoule (MJ) pro Tag angegeben. Bei einem 600 Kilogramm schweren Warmblüter in Boxenhaltung rechnet man laut GfE mit einem Energiebedarf von ca. 63 MJ. Dieser steigt bei großer Hitze oder Kälte und in Offenstallhaltung um bis zu zehn Prozent, bei Weidehaltung in der Herde, womöglich auf Hangkoppeln um bis zu 50 Prozent. Grundsätzlich gilt allerdings, dass keine Tabelle das Auge des Pferdebesitzers ersetzt. Der Energiebedarf tragender Stuten steigt stark an, im elften und letzten Trächtigkeitsmonat auf 90 MJ. Säugende Stuten verbrauchen im ersten Lebensmonat des Fohlens ca. 126 MJ und im vierten ca. 112 MJ. Insbesondere steigt auch der Bedarf an Rohproteinen und Aminosäuren, kurz Eiweiß, im ersten Lebensmonat des Fohlens stark an und flacht dann wieder ab, je älter das Fohlen wird. Ein Warmblutfohlen, das einmal ca. 600 Kilogramm wiegen wird, benötigt ab dem ersten Lebensmonat ca. 32 MJ. Der Bedarf steigt dann bis auf 74 MJ bei Zwei- und Dreijährigen. Auch hier gilt: Dies sind Empfehlungen, die gegebenenfalls anzupassen sind.

Im dritten und letzten Teil unserer Fütterungsserie geht es um die Versorgung des Pferdes mit Vitaminen und Mineralstoffen sowie um Zusatzfuttermittel, deren Nutzen und Risiken.

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