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Springausbildung für Reiter und Pferd, Teil 2

Stangen, Cavaletti und Bodenricks

Nachdem im ersten Teil unserer Serie „Springausbildung für Reiter und Pferd – Der Weg zum erfolgreichen Parcoursreiten“ die Bedeutung des korrekten Sitzes und der dressurmäßigen Vorbereitung erläutert wurden, geht es im zweiten Teil nun um die Arbeit über Bodenricks und Cavaletti und ihren Wert für die Ausbildung von Reiter und Pferd.

Das Reiten über Cavaletti fördert Kraft und Beweglichkeit, Takt und Losgelassenheit sowie das dynamische Abfußen des Pferdes. Ingrid Klimke auf unserem Foto „schwört“ auf Cavaletti. Foto: Jacques Toffi

Die besondere Bedeutung von Bodenricks und Cavaletti liegt darin begründet, dass bei korrekter Ausführung ohne große Anstrengung für das Pferd alle Kriterien des Reitens über Hindernisse geschult und gefestigt werden können. Die Pferde gewinnen an Kraft und Beweglichkeit, Takt und Losgelassenheit werden durch das dynamische Abfußen gefördert. Nicht zuletzt steigert die Abwechslung im Training die Motivation von Reiter und Pferd.

Grundsätzlich profitieren alle Pferde und Reiter von regelmäßiger Gymnastizierung über Stangen, aber vor allem in der Vorbereitung auf das Reiten von modernen Springparcours ist der Wert immens, da nahezu alle technischen Anforderungen geübt werden können, ohne das Pferd mit zu vielen hohen Sprüngen unnötig zu belasten. Der Reiter wird durch die systematische Arbeit mit Cavaletti und Bodenricks an Routine gewinnen und somit zunehmend in der Lage sein, das Pferd so zu beeinflussen, dass es die gestellte Aufgabe auf dem vorgegebenen Weg, im angemessenen Tempo rhythmisch und losgelassen absolviert. Das Gefühl für die richtige Absprungdistanz wird ebenso verbessert wie die Fähigkeit, geschmeidig in die Bewegungen des Pferdes einzugehen.

Ein Cavaletti besteht aus einer rund drei Meter langen Stange, die aufgrund ihrer Konstruktion in der Höhe verstellbar ist. Je nach Drehung können Höhen von etwa 15, 25 und 35 Zentimeter eingestellt werden, wobei die höchste Einstellung ausschließlich für den Galopp, die mittlere für Trab und Galopp und die untere für alle Gangarten geeignet ist. Am Boden liegende Stangen sollten durch kleine Blöcke fixiert werden, um ein Wegrollen und damit die Verletzungsgefahr für das Pferd zu verhindern.
Als erste Übung werden einzelne Cavaletti auf unterschiedlichen geraden Linien überritten, sodass der Reiter das korrekte Durchreiten von Wendungen und das Einhalten vorgegebener Linien erlernt. Ganze Parcours können auf diese Weise simuliert werden, wobei ein Wechsel zwischen leichtem Sitz und Springsitz zusätzlich die Beweglichkeit und Geschmeidigkeit fördert.

Viele Reiter traben über die am Boden liegenden Stangen (li.), aber sicherer ist es, die Stangen durch kleine Blöcke am Wegrollen zu hindern (re.). Fotos: S. Lafrentz (li.), Inge Vogel, pferdia tv, Langwedel (re.)

Und so geht‘s

  • Das Anreiten erfolgt stets in der Mitte des Cavaletti.
  • Grundtempo und Rhythmus bleiben vor, über und nach dem Cavaletti erhalten.
  • Über den Bodenricks geht die Hand in Richtung Pferdemaul leicht mit, soweit die Vorwärts-Abwärts Dehnung des Pferdehalses es erfordert (ohne die Verbindung aufzugeben).
  • Der Blick des Reiters ist nach vorne auf den zu reitenden Weg gerichtet.
  • Die ausgeprägteren Bewegungen des Pferdes fängt der Reiter mit federnden Fuß-, Knie- und Hüftgelenken ab.

Gelingt das Überreiten von einzelnen Cavaletti, können mehrere hintereinander gestellt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Abstände dem jeweiligen Bewegungsablauf des Pferdes angepasst sind (Schritt 80–90cm, Trab 1,20–1,40m, Galopp 3m, für Ponys entsprechend weniger), damit das Pferd die gestellte Aufgabe auch gut lösen kann. Werden zwei Cavaletti auf gerader Linie an der langen Seite im Abstand von ca. 22,5 m aufgestellt, kann der Reiter hier nicht nur das rhythmische Galoppieren vor, zwischen und nach den Stangen üben, sondern mit zunehmender Routine auch die Länge der Galoppsprünge variieren, also statt sechs auch mal sieben verkürzte oder fünf verlängerte Galoppsprünge zu reiten.

Wie sinnvoll die Arbeit mit Cavaletti ist, demon­strierte Ingrid Klimke kürzlich mit einer Schülerin bei ihrem Ausbildungsseminar in Münster. Foto: Jacques Toffi

Foto: Inge Vogel, pferdia tv, Langwedel

Cavaletti auf gebogener Linie sind für die Gymnastizierung von besonders hohem Wert, weil hierbei auch die Längsbiegung und die Aktivität des inneren Hinterbeins verbessert werden. Der Reiter lernt, das Pferd sicher an seinen Hilfen und „vor sich“ zu haben, Gleichmaß und Tempo durch die Wendung zu erhalten und korrekte Linien zu reiten. Durch das höhere Abfußen über den Stangen wird das Pferd zu mehr Rückentätigkeit angeregt, das dynamische An- und Abspannen der Muskulatur fördert die Losgelassenheit, Gleichgewicht und Taktsicherheit werden verbessert.

Und schließlich können aus Cavaletti und Bodenricks auch Gymnastik- Reihen und komplette Übungsparcours aufgebaut werden, um zum Beispiel den Handwechsel vor, über oder nach einem Sprung zu üben oder um auf das Reiten von Distanzen und Hindernisfolgen vorzubereiten. Dieses Thema wird dann in der nächsten Folge ausführlich behandelt.

Springausbildung für Reiter und Pferd

Der Weg zum erfolgreichen Parcoursreiten
Hrsg.: Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (FN)
ISBN: 978-3-88542-855-8
Sprache: deutsch

Die Autoren des Lehrfilms und dieser Ausbildungsserie: (v.l.) Georg-­Christoph Bödicker, Heinrich-Wilhelm Johannsmann und Fritz Lutter. Foto: Inge Vogel, pferdia tv, Langwedel

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