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Young PM: Nachlese Equitana 2017

Wer macht was auf dem Turnier (Teil 1)

Der Parcourschef

Turnierreiten ist spannend. Man muss trainieren, sein Pferd hübsch machen, zum Turnier fahren, sich vorbereiten und in der Prüfung die Nerven behalten. Aber habt ihr in der ganzen Aufregung schon mal darüber nachgedacht, wer alles dazu beiträgt, dass ihr auf dem Turnier nur noch loszu­reiten braucht? Es braucht jede Menge Fachleute und Helfer, um ein Turnier auf die Beine zu stellen. Einer davon ist der Parcourschef. Seine Aufgabe ist es, Reiter und Pferde im Parcours vor lösbare und faire Aufgaben zu stellen.

Jeder Springparcours trägt die persönliche „Handschrift“ des Parcourchefs. Foto: J. Stroscher

Aufbauen für den Springlehrgang: Wer dem Parcourschef beim Aufbau hilft, kann sich als Reiter eine Menge Tipps holen. Foto: J. Stroscher

Gute Parcourschefs sind nicht nur weltweit auf großen Championaten gefragt, sondern auch auf kleineren, ländlichen Turnieren. Denn egal ob nun Europameisterschaft oder A-Springen, ein Springparcours sollte immer harmonische Ritte ermöglichen, die aber auch eine Auslese zulassen. Die erlaubte Zeit spielt dabei eine Rolle, aber auch wie technisch anspruchsvoll die Prüfung zu reiten ist. Und spannend ist es immer, da die Pferde ganz nach vorne kommen,  die das „Gesamtpaket“ an Eigenschaften eines guten Springpferdes mitbringen. Und dazu gehören Durchlässigkeit und Gehorsam – sprich ihre Rittigkeit, das Springvermögen, rhythmisches Galoppieren, Kondition, Konzentration und die Geschicklichkeit der Vierbeiner. Dazu kommen natürlich noch die Erfahrung und das Können des Reiters und seine Reaktionsfähigkeit. Das alles zusammen wird in einem guten Parcours abgefragt, der auch das Selbstvertrauen bei Pferden und Reitern fördern sollte. Wenn Paare noch nicht so weit sind, bestimmte Parcours zu bewältigen, liegt es meistens daran, dass sie an den oben genannten Voraussetzungen noch weiter arbeiten müssen. Der Parcourschef orientiert sich beim Aufbau an der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO), die Höhe und Weite sowie Anzahl der Hindernisse in der ausgeschriebenen Klasse vorgibt, und an den örtlichen Gegebenheiten.

Wie erlebt der Parcourschef den Turniertag?

„Schon vor Beginn der Veranstaltung informiere ich mich vor Ort über den Springplatz – Größe, Lage, Bodenbeschaffenheit und eventuelle Besonderheiten wie Ein- und Ausritt, Standort des Richterturms, Verpflegungszelt und Lichtverhältnisse – und das vorhandene Hindernismaterial. Natürlich muss ich die Ausschreibung sorgfältig lesen, denn ein L-Stilspringen für LK 5 und 4 erfordert einen anderen Kurs als ein L-Springen für LK 1,2,3 und 4. Wenn ich die Zeiteinteilung vorliegen habe, plane ich die einzelnen Prüfungen. Hierbei ist es wichtig, für jede Prüfung einen angemessenen Parcours zu entwerfen, aber den Umbau möglichst schnell und unkompliziert zu halten, da es sonst schnell zu Zeitverzug kommen kann. In meine Planung muss ich die Gegebenheiten vor Ort zu jeder Zeit einfließen lassen, also genau überlegen, ob ich die Kombination in Richtung Ausgang (leichter) oder vom Ausgang weg springen lasse (schwerer). Ist der Parcours erstellt, gebe ich diesen nach Rücksprache mit den Richtern für die Teilnehmer zur Besichtigung frei. Die Besichtigung sollte immer in korrekter Turnierkleidung erfolgen“, berichtet Parcourschef Martin Otto über seine Erfahrungen. Auch Farben, Formen, Dekorationen und Raumaufteilung spielen eine wichtige Rolle im Parcoursbau. Eine künstlerische Ader für die Gestaltung sollte ein guter Parcourschef also ebenfalls mitbringen. Die Voraussetzungen für alle, die Parcourschef werden möchten, werden übrigens durch die Ausbildungsprüfungsordnung (APO) geregelt. Nach der Grundprüfung können sich Parcourschefs auch noch höher qualifizieren. Wer zur Prüfung zugelassen wird, entscheidet dann die jeweilige Landeskommission (LK) der Landespferdesportverbände (LV). Die höchste Qualifikation, die erreicht werden kann, ist der Offizielle Internationale Parcourschef.

Und wie sieht eigentlich ein guter Parcours für die Reiter aus? Dazu Marcus Ehning: „Ein guter Parcours ist ein fairer Parcours. Er darf schwer sein, sollte Distanzen, Kombinationen und anspruchsvolles Hindernismaterial haben. Die Stangen sollten fair in den Auflagen liegen. Es kann nicht sein, dass eine Stange schon fliegt, wenn man sie anpustet. Die ganz guten Parcoursbauer schaffen es, dass alle Reiter und Pferde sicher ins Ziel kommen, aber am Ende diejenigen mit der größten reiterlichen Finesse und der besten Abstimmung mit ihrem Pferd vorne dabei sind.“

Wichtige Begriffe:

Folgen zwei Sprünge direkt hintereinander, ohne, dass das Pferd dazwischen einen Galoppsprung macht, wird dies „In-Out“ (englisch: hinein – hinaus) genannt.

Zwei oder drei Sprünge, zwischen denen jeweils nur ein oder zwei Galoppsprünge liegen, nennt man zweifache oder dreifache Kombination (von außen zu erkennen an der Nummerierung a,b und c)

Wenn zwischen zwei Sprüngen drei bis sechs Galoppsprünge vorgesehen sind, sind dies sogenannte Distanzen. Man unterscheidet Distanzen auf gerader und gebogener Linie.

Distanzen und Galoppsprünge zwischen Hinderniskombinationen

  • Als Abstand für ein In-Out gelten ca. drei Meter.
  • Zweifache Kombination mit einem Galoppsprung: ca. 7,50 bis 7,80 Meter
  • Zweifache Kombination mit zwei Galoppsprüngen: ca. 10,50 bis 11 Meter

Maße für Distanzen:

• drei Galoppsprünge: ca. 14 Meter
• vier Galoppsprünge: ca. 17,50 bis 18,50 Meter
• fünf Galoppsprünge: ca. 21 bis 22 Meter
• sechs Galoppsprünge: ca. 24,50 bis 25,50 Meter

Parcoursaufbau ist Teamarbeit: Hier muss jeder Handgriff sitzen.

Egal ob A- oder S-Springen: Jeder Turnierreiter sollte sich und sein Pferd optimal auf die Prüfung vor­bereiten.

Diese Angaben beziehen sich auf eine Hindernishöhe von etwa einem Meter. Für höhere Sprünge gelten andere Maße. Für Ponys sind die Abstände entsprechend zu verändern.

Wie bewegt sich eigentlich ein Springpferd im Parcours? Und was kann man daraus für den Parcoursbau ableiten? Um Hindernisse pferdegerecht zu gestalten und die Sprünge in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, muss der Parcourschef sich auskennen mit den Bewegungsabläufen eines Pferdes zwischen den Hindernissen und dem Sprungablauf sowie den Absprung- und Landedistanzen. Ganz klar ist der Galopp die wichtigste Gangart eines Springpferdes. Aus einem rhythmischen, ausbalancierten Galopp heraus kann das Pferd über den losgelassenen Rücken seine Schubkraft optimal zum Springen umsetzen. Trotzdem hat natürlich jedes Pferd, abhängig auch von Größe und Gebäude, sein ganz eigenes Grundtempo und damit auch eine individuelle Galoppsprunglänge. Durch systematische Arbeit an den dressurmäßigen Grundlagen kann der Reiter den Galopp positiv beeinflussen und das Pferd im Galoppsprung jederzeit regulieren, sprich, die Galoppsprünge verlängern oder verkürzen. Gute Durchlässigkeit für die feinen Hilfen des Reiters ist in modernen Spring­parcours unerlässlich geworden, denn nur das rittige Pferd lässt sich im Parcours sowohl in den Wendungen als auch geradeaus im Gleichgewicht aufnehmen und vorwärts reiten.

Parcourschefs stellen sich auch auf das Alter der Springpferde und den zu erwartenden Ausbildungsstand in den jeweilig ausgeschriebenen Prüfungen ein. Springpferdeprüfungen der Klasse A beispielsweise, an denen auch vierjährige Pferde teilnehmen dürfen, bestehen meistens aus Einzelsprüngen, einer einladenden zweifachen Kombination und harmonisch zu reitenden Linien, um den jungen Pferden erstmal Vertrauen zu geben und für einen positiven Lerneffekt. zu sorgen. Ebenso sind auch E- und A-Stilspringen meistens sehr „freundlich“ aufgebaut, da hier die lernenden Reiter positive Erfahrungen sammeln sollen. Informationen zu den einzelnen Springprüfungen und der Ausbildung im Springreiten findet ihr in der LPO und den Richtlinien für Reiten und Fahren Band 1.

Wie werde ich Parcourschef?

Ihr interessiert euch für den Parcoursaufbau und wollt gerne beim Heimturnier mithelfen? Dann nehmt einfach Kontakt mit den Parcours­chefs/dem Vereinsvorstand auf. Als Mitglied im Reitverein/Sportverband seid ihr als Helfer meistens über die jeweilige Sportversicherung des Vereins mitversichert. Erkundigt euch am besten direkt beim Vereinsvorstand oder beim Landesverband (Besondere Bestimmungen). Auf dem Turnier könnte ihr den Parcourschefs bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen, um euch Tipps zu holen, wenn ihr später auch mal die Prüfung zum Parcourschef anstreben möchtet. Das ist ab 21 Jahren möglich. Alle weiteren Voraussetzungen erfragt ihr bei eurer Landeskommission.

T. Pantel

Im FN-Shop unter www.pferd-aktuell.de findet ihr Broschüren über die Parcours­chefausbildung zum Download.

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„Pferde können Angst riechen“ behauptet der Volksmund und so mancher Reiter wird diese Erfahrung schon selbst gemacht haben. Helfen kann in so einer Situation gezieltes Mentaltraining. Sportpsychologin Dr. Gaby Bußmann stellt am Dienstag, 16. Mai im PM-Webinar, Techniken und Einsatzmöglichkeiten des Mentaltrainings vor und demonstriert dies anhand von zwölf Strategien für Turniere.

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