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Persönlichkeiten der Pferdeszene: Rosemarie Springer

Von Pferdefreunden für Freunde des Pferdes:

Erste PM-Awards verliehen

Stille Helfer im Hintergrund leisten Außerordentliches. Nur sieht man sie nicht und selten genug erfährt man von ihrem uneigennützigen Handeln zum Wohl der Pferde. Das haben die PM nun geändert. Die Verleihung der PM-Awards feierte in Riesenbeck auf der Reitsportanlage von Ludger Beerbaum ihre Premiere.

Einblicke in die Premiere der Preisverleihung der ersten PM-Awards bietet die Bildergalerie.

Gruppenbild mit Preisträgern und Laudatoren bei der Ehrung im Reitsportzentrum Riesenbeck International. Fotos: gr. Feldhaus

Vier Sieger – und ganz viele Gewinner. Das war das Gefühl der Zuhörer an diesem Abend mit vielen Prominenten, allen voran Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck ­– seine Stimme und der Humor kräftig wie eh. Der Herr auf der Surenburg begrüßte die Gäste aus Politik und Pferde-Gesellschaft, besonders auch die Laudatoren und die Preisträger mit ihren wirklich bemerkenswerten Geschichten. Die Einzelheiten kitzelte dann Christoph Hess als Moderator heraus, unterstützt von Lisa Müller. Für die mit Goldenem Reitabzeichen dekorierte Dressurreiterin (und Ehefrau des Bayern-Torjägers Thomas Müller) war es die Premiere am Mikrofon. In Bild und Ton stellten sich die Preisträger in Videoclips vor. 2.200 Kilometer waren der Redakteur Hubert Schulze-Hobeling und sein Kameramann von ClipMyHorse dafür in zwei Tagen durch Deutschland gereist, zu dem „stillen Helfer“ Rainer Kommallein nach Waldeck an den Edersee im Sauerland, zu der „pfiffigen Unterstützerin“ Jeanette Wilke nach Herold bei Frankfurt, dem „Retter in der Not“ Bernd Metzger in Radolfzell am Bodensee und schließlich noch in den hohen Norden zu Petra Teegen, die im schleswig-holsteinischen Norderbrarup das Charity-Projekt einer „Pferdeklappe“ angeschoben hat.

Die Preisträger

Stille Helfer
1. Rainer Kommallein
2. Michael Mitzlaff
3. Traditionskorps des Kölner Karnevals

 

Retter in der Not
1. Bernd Metzger
2. Feuerwehr Salzgitter-Lobmachtersen

 

Pfiffige Unterstützer
1. Jeannette Wilke
2. Janosch Theine
3. Prof. Dr. Holger Preuschoft

 

Charity
1. Pferdeklappe e.V.
2. Glücksmomente e.V.
3. Equiwent Hilfe e.V.

Blitzschnelle Aktion

Der Vize-Vorsitzende der PM und Präsident des Pferdesportverbandes Westfalen, Rudolph Herzog von Croy, stellte die neuen Auszeichnungen und die Überlegungen vor, die zu den Awards geführt hatten. Wirklich gute Ideen sind demnach Selbstläufer und realisieren sich blitzschnell und fast wie von selbst: Bei der EM in Aachen wurden letzte Einzelheiten geklärt, und noch im August kam der Aufruf zur Nominierung von Bewerbern für die Auszeichnung in vier verschiedenen Kategorien. Im September entschied die hochkarätige Jury, wer als Preisträger in Frage kommen könnte, und im Oktober wurde im Internet abgestimmt: 550 Stimmen für die Kandidaten, die aus 32 Vorschlägen ausgewählt worden waren. „Wohl nur 20 Sekunden“, so erinnerte sich Christoph Hess, habe sein Telefonat mit Ludger Beerbaum gedauert, der sofort seine Zustimmung gab, die Preisverleihung in seiner neuen Anlage durchzuführen.

Derweil kreierte der Künstler Wolfgang Lamché schon das aus Silberbronze gegossene Modell für die Awards. Der Spezialist für Tierplastiken aus Ennigerloh ist dem DOKR seit Jahren eng verbunden und erklärte: „Ich wollte ein allgemeingültiges Symbol für das Pferd schaffen, deshalb das springende Pferd. Schließlich können auch Dressurpferde springen.“ Auch Lisa Müller widersprach da nicht.

Den Award entwarf der bekannte Künstler Wolfgang Lamché.

Es wurde zu Recht viel gedankt an diesem Abend der Awards und auch viel applaudiert. Den „Spruch des Tages“ bei der Preisverleihung lieferte die „pfiffige Unterstützerin“ Jeannette Wilke, die als Begründerin des „Hippolini“-Konzepts für eine Kinder-Lehrmethode ausgezeichnet wurde. „Wenn Sie damals nicht gesagt hätten ’das überzeugt mich nicht’, dann hätte ich mich niemals so ins Zeug gelegt,“ bedankte sie sich ausdrücklich bei Christoph Hess, damals Leiter der FN-Abteilung Ausbildung und bei Maria Schierholter-Otte als Leiterin der FN-Abteilung Jugend, die ihre Laudatio gehalten hatte. „Aber das hat mich so richtig angebissen,“ erklärte sie „meinen beiden Erfüllungsgehilfen“ das Motiv ihrer damaligen Abkehr von einer selbständigen psychologischen Praxis und Hinwendung zu der körper- und gefühlsbetonten Lehrmethode, die mittlerweile von 400 Pädagogen im Hippolini-Verband verbreitet wird. Und da sage noch einer, die FN könne nichts bewegen… „Ich gehörte damals zu den Bremsern und bin heute ganz begeistert“, gab Hess unumwunden zu. Die weiteren Preisträger: Janosch Theine hat das Konzept FairRide entwickelt, das harmonischen Umgang mit dem Sportler Pferd auf Turnieren belohnt, und Professor Dr. Holger Preuschoft hat an der Universität Bochum wissenschaftlich untersucht, wie Zügelkraft auf das Maul des Pferdes wirkt. „Dr. Haring hat mir damals diese Frage gestellt und dann habe ich dafür ein Messgerät gebaut. Der Ist-Zustand hat mich erschreckt“, erinnerte sich der Biologe an die Anfänge seiner Forschung. Dr. Reiner Klimke und Ahlerich wären bei seinen Tests bestimmt gut weggekommen, versicherte Preuschoft der PM-Ehrenvorsitzenden Ruth Klimke, die allen Gewinnern das neue Buch aus dem FNverlag über ihren Mann überreichte, zusätzlich zu einem Jahres-Abo für ClipMyHorse.

Preisträger Rainer Kommallein und Rudolf Herzog von Croy

Begrüßten die Gäste als Hausherren: Constantin Freiherr Heereman und Ludger Beerbaum.

Durchs Programm führten Christoph Hess und Dressurreiterin Lisa Müller, Ehefrau von Bayerns Torjäger Thomas Müller.

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Glückwunsch zu einem gelungenen Konzept: Christoph Hess zeichnete Jeanette Wilke für ihre „Hioppolino“-Lernmethode aus.

Hippolini, Hippologie für Bambini

Lotus hat piaffiert – das war der Erweckungsmoment für die Psychologin Jeannette Wilke, die als Kind immer reiten wollte, aber nicht durfte. Das geschenkte S-Dressurpferd war bei ihr gesundet und zeigte ihr das Gefühl des richtigen Reitens. Als Lehrmeister begleitete er ihr pädagogisch fundiertes Konzept einer spielerischen Reitlehre, die gleichzeitig der Gesunderhaltung der Lehrpferde und Ponys dient. 1996 wurde „Hippolini“ erdacht und nach sieben Jahren der Dokumentation und Weiterentwicklung das Institut im Naturpark Nassau begründet. Seit 2004 werden dort Fortbildungen angeboten.

Hilfe mit der Pferdeklappe

Eine emotionale Laudatio auf die „Charity“-Preisträgerin Petra Teegen hielt PM-Vorstandsmitglied Gabriele Heydenreich. Als Mitglied der Jury stellte die Unternehmerin aus Isernhagen die Frage, die wohl allen Zuhörern durch den Kopf ging, die von der „Pferdeklappe“ in Norderbrarup erfuhren. „Was war vor dieser Idee?“ Petra Teegen und ihre Mitstreiter übernehmen Pferde, die aus finanziellen, familiären, gesundheitlichen oder anderen schwerwiegenden persönlichen Gründen von ihren Besitzern nicht weiter versorgt werden können und die sich ihre Tiere nach Schicksalsschlägen förmlich aus dem Herzen reißen müssen. Manchmal sind die Tiere dann schon in hilfsbedürftigem Zustand. Erst 2013 ist der Verein gegründet worden und hat seither bereits 200 Pferde pro Jahr aufgenommen, oft schon innerhalb von 36 Stunden weitergegeben. „Das ist auch gut so, denn wir sind kein Gnadenbrothof und haben nur 30 Plätze“, so die Preisträgerin. Ein Jahresbeitrag des Vereins kostet nur 10 Euro. Damit wird unter anderem ein erst sieben Jahre altes fast blindes Norweger Pony unterhalten, für das dringend ein neues liebevolles Zuhause gesucht wird. Nicht nur kranke Pferde kosten mehr Geld als viele Halter sich vorstellen, Geld, das eigentlich für ihre Kinder gebraucht würde… Solche Pferde, die anonym abgegeben werden, nehmen bei der „Pferdeklappe“ die beiden Ponys Pirat und Beach Boy auf einer Weide in Empfang.

Auf Platz zwei brachte das Votum den Verein Glücksmomente, der Reiten für traumatisierte Kinder anbietet, gefolgt von Equiwent Hilfe, die für ihr Engagement für Pferde in Rumänien auch schon den Deutschen Tierschutzpreis bekommen haben. Hufschmiede und Tierärzte betreuen im Namen des Vereins Arbeitspferde in Osteuropa, die zum Teil in katastrophaler Haltung vegetieren.

Tier-Retter in der Not

Ein Rettungshund, der sich im Einsatz schwer verletzt hatte, gab die Initialzündung für den Verein Tier-Rettung LV Südbaden. „Keiner vor Ort konnte helfen und so haben wir schließlich unsere Kenntnisse als Sanitäter angewendet. In der Klinik hat man uns dann bescheinigt, dass wir alles richtig gemacht haben.“ So sollte das nicht bleiben, fand Bernd Metzger aus Radolfzell und gründete vor zehn Jahren die Ambulanz für kleine und große Tiere. Seither hat der Rettungssanitäter und Feuerwehrmann, der im Hauptberuf Schreiner ist, eine ganze Menge bewegt, und es gibt im bayerischen Deggendorf sogar eine Schule, die Ausbildung zum Rettungssanitäter für Tiere anbietet. Der Verein verfügt über zwei besondere Krankenwagen, mit denen Pferde hängend oder liegend transportiert werden. „Viele Werkzeuge haben wir selbst konstruiert.“ Mit 15 bis 20 Ehren­amtlern leistet Metzger bis zu fünf Einsätze täglich, rund 1.400 im Jahr, darunter auch Betreuung auf Turnierplätzen.

Die Einsätze sind zum Teil spektakulär wie zur Befreiung eines eingeklemmten Pferdes, das von einem Steg gefallen und in eine Felsspalte gerutscht ist oder auch lebensbedrohlich, wie der Transport der zu stark sedierten Quarterhorse-Stute, die vom Flughafen in Luxemburg in eine Klinik gefahren werden musste. Metzger, 37, arbeitet inzwischen nur noch für den Verein mit seinen 200 Mitgliedern, die 87 Euro Jahresbeitrag zahlen. „Wir finden kaum Sponsoren für unsere Arbeit und es ist ein täglicher Kampf“.

PM-Vorstandsmitglied Gabriele Heidenreich hielt die Laudatio auf Preisträgerin Petra Teegen für die Einrichtung der „Pferdeklappe“.

Verleger Hugo Matthaes zeichnete Bernd Metzger für den von ihm gegründeten Tierrettungs-Dienst aus.

1.400 Einsätze pro Jahr

Baden-Württemberger unter sich – und „ganz ohne Simultan-Übersetzer“: Der Verleger Hugo Matthaes ehrte den „Retter in der Not“ Bernd Metzger, der einen Tierrettungs-Dienst ins Leben gerufen hat. Im Februar 2016 sind es zehn Jahre seit der Verein gegründet wurde, um mit Hilfe von speziell ausgebauten Transportern in Südbaden und darüber hinaus Pferde aus Notlagen in eine Klinik zu transportieren. „Bis zu 1.400 Einsätze im Jahr fahren die Ehrenamtler zu Einsätzen, alles eigenfinanziert.“ Der Lohn: „Bei den Tieren spürt man die Dankbarkeit.“ Zweitplatzierter „Retter in der Not“ war die Feuerwehr Salzgitter-Lobmachtersen, die ein Pferd aus einem Brunnen befreit hat. „Üben könnte man so etwas nur, wenn man dafür ein Pferd gestellt bekäme. Und da wären Sie ja wohl alle nicht dabei“, skizzierte Ortsbrandmeister Werner Strube das Problem, dem man schließlich mit 68 Wehrleuten aus drei Löschzügen, einem Tierarzt und einem Bagger beigekommen war.

FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau sagte: „Die PM verkörpern das, was die übrige FN nicht leisten kann.“

Rosalie Freifrau von Landsberg-Velen war schon als Jury-Mitglied mit der Nominierung der Kandidaten für die PM-Awards involviert gewesen. In Riesenbeck stellte die Vizepräsidentin des Kuratoriums therapeutisches Reiten und Organisatorin des Balve Optimums den Sieger unter den „stillen Helfern“ vor. „Wirklich reich ist, wer mehr Träume hat, als die Realität zerstören kann“, fand sie einfühlsame Worte über den schwer kranken Rainer Kommallein, der als Frührentner zwei Pferde hält – „nur noch“ für junge Mädchen, die ohne seine Unterstützung nicht zum Reiten kämen. Er ermöglicht ihnen Reitunterricht und Turnierteilnahmen.

Ehrensache, dass seine „Pferdebewegerinnen“ Doreen und Tabea Mitze ihren Gönner zu der Verleihung begleitet haben. Warum ausgerechnet Pferde, fragte Lisa Müller den Preisträger. Sie seien seine Lebensretter gewesen und der PM-Award jetzt der Anreiz, seine Unterstützung fortzusetzen, erklärte Kommallein ganz schlicht auf der Bühne. Auch die weiteren „stillen Helfer“ verdienen Hochachtung. Michael Mitzlaff, selber kein Reiter sondern im Rollstuhl, hat mit der Sammlung von über 25.000 Euro Spenden den Gnadenbrothof „Die Arche“ in Lehrte gerettet, und das Traditionskorps des Kölner Karnevals Altstädter Köln führt nach der Auflösung der Polizeireiterstaffel 1998 den St. Martinszug für hunderte von Kölner Kindern weiter.

Zahlreiche Gäste aus dem Haupt- und Ehrenamt der PM und der FN  waren zur Verleihung der Awards nach Riesenbeck gekommen.

Bereicherten das Programm mit Sketchen: Kai Vorberg und Sylvia von Heereman-Unterberg.

Balves Turnierchefin Rosalie von Landsberg-Velen zählte zu den Laudatoren.

FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau, selber PM, hatte das letzte Wort und dankte den Persönlichen Mitgliedern: „Die PM verkörpern das, was die übrige FN nicht leisten kann.“ Das allerletzte Wort im Reitsportzentrum Riesenbeck International hatten dann der Nikolaus – mit rheinischem Dialekt des Voltigier-Weltmeisters Kai Vorberg: „Wir sind kosmopolitisch hier in Westfalen“ – und die Landfrau „Else Schulze-Buxloh aus Kattenvenne“. Hinter der Verkleidung mit Kittelschürze und Kopftuch war unschwer Sylvia von Heereman-Unterberg zu erkennen. Das ungleiche Paar verteilte Lebkuchen-Herzen an die Gäste des Abends – für jeden ein ganz persönlicher PM-Award als Freund der Pferde.

Petra Schlemm

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