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Young-PM: Fotowettbewerb „Frühlings­erwachen”

Ohne „TT’s“ geht gar nichts auf dem Turnier. Für sie sollte immer ein „Dankeschön“ und ein Lächeln parat sein. Fotos: J. Stroscher

Auch die Richter freuen sich über höfliche und respektvolle Reiter.

Turnier-Knigge für Kids

Die weiße Reithose ist gewaschen, die Mähnengummis sortiert und auch der „Papierkram“ vor dem ersten Turnier der Saison erledigt. Damit der Prüfungstag aber auch für den Partner Pferd, die Helfer, Mitreiter und Richter optimal läuft, haben wir euch Checklisten sowie die wichtigsten „Dos and Don’ts“ – sprich Tipps und Benimmregeln fürs Turnier zusammengestellt.

Apropos Knigge: Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge war ein deutscher Schriftsteller und Aufklärer. Bekannt wurde er vor allem durch seine Schrift „Über den Umgang mit Menschen“. Heute verbindet man seinen Namen vor allem mit Benimmregeln, Höflichkeit und Taktgefühl. Sein Nachfahre Moritz Freiherr Knigge gab übrigens 2004 eine moderne Fassung des bekanntesten Werkes unter dem Titel „Spielregeln. Wie wir miteinander umgehen sollten” heraus. Und was die Knigges so treffend zusammengefasst haben, sollte nicht nur im Alltag, sondern auch auf Sportveranstaltungen wie einem Turnier gelten. Der wichtigste Tipp zuerst: Freundlichkeit und Rücksichtnahme sind das „A und O“. Ein Lächeln und ein „Dankeschön!“ kosten nichts und helfen, die Atmosphäre auf dem Turnier positiv zu gestalten. Auch wenn man vorher ziemlich nervös ist, Mama den Turnierparkplatz nicht gleich findet und es auch noch anfängt zu regnen, läuft alles besser, wenn man Ruhe bewahrt, positiv denkt und immer fair gegenüber Zwei- und Vierbeinern bleibt.

Checkliste: Ablauf eines Turniertages

Im Stall: Kontrolle des Allgemeinzustandes, füttern, putzen, einflechten, Ausrüstung für den Transport anlegen, Kontrolle (Hab ich alles eingepackt? Checkliste erstellen!), rechtzeitig aufladen und losfahren

Auf dem Turnier: Erklären der Startbereitschaft (telefonisch oder vor Ort an der Meldestelle), Starterliste besorgen, um das Abreiten planen zu können. Erste Besichtigung der Plätze (Vorbereitungs- und Prüfungsplatz), Vorbereitung des Pferdes und des Reiters, Kontrolle der Ausrüstung, eventuell Parcoursbesichtigung, Abreiten, Prüfung, Entspannungsphase, Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen, Schritt reiten oder führen, Putzen des Pferdes, Verladen

Gut geplant ist halb gewonnen: Das gilt natürlich auch für das Reiten eines Wettbewerbs oder einer Prüfung auf dem Turnier. Natürlich sollte der Reiter den Anforderungen der Klasse gewachsen sein, in der er starten möchte. Und das kann am besten der Heimtrainer bescheinigen, bevor man vielleicht zu früh von einer Klasse in die nächsthöhere Klasse wechseln möchte. In einer Prüfung folgen die Lektionen Schlag auf Schlag, deswegen solltet ihr als Vorbereitung auch Zuhause immer wieder verschiedene Prüfungsaufgaben genau so trainieren, wie sie auf dem Turnier abgefragt werden. Dann sind nämlich der Druck und auch die Aufregung vor dem Turnierstart nicht ganz so groß – schließlich wissen Pferd und Reiter, was gefragt ist. Macht aber nicht den Fehler, die Aufgabe zu oft zu üben. Besser ist es, öfter mal nur bestimmte Teile der Prüfung zu üben und sie immer wieder anders zusammenzufügen – so vermeidet ihr langweilige Wiederholungen. Aber nun zurück zum Turnier-Knigge und den wichtigsten Tipps:

Pünktlichkeit

Das heißt: Rechtzeitig losfahren, mindestens eine Stunde vor Beginn der ersten Prüfung auf dem Turnierplatz erscheinen, Anhängerfahren und Verladen frühzeitig üben, Meldeschluss beachten (in der Regel eine Stunde vor Beginn der Prüfung). Der Turniertag an sich ist schon aufregend genug für Reiter und Pferd. Stress und Hektik durch falsches Zeitmanagement sind vermeidbar und stören die Vorbereitung auf die Prüfung.

 

Sauberkeit

Das Sattelzeug sollte in einwandfreiem Zustand sein und korrekt passen. Gegebenenfalls solltet ihr die Ausrüstung vom Ausbilder überprüfen lassen. Die Bestimmungen gemäß LPO (Leistungsprüfungsordnung) müsst ihr einhalten. Ein gepflegtes Herausgebrachtsein von Reiter und Pferd und eine zweckmäßige, korrekte Ausrüstung sind ein Zeichen von Wertschätzung und Respekt gegenüber dem Veranstalter und den Turnierfachleuten. Der Richter setzt sich ja auch nicht mit schmutzigen Schuhen und ungekämmten Haaren an den Richtertisch. Also achtet darauf, zum Beispiel beim Parcoursabgehen, nicht mit Socken und Sneakern zu erscheinen, sondern mit Reitstiefeln und vollständiger Turnierkleidung. Unter diesem Link findet ihr den kompletten Katalog mit der laut LPO erlaubten Ausrüstung: www.pferd-aktuell.de/ausruestung

 

Disziplin

Haltet euch an die Regeln. Der Vorbereitungsplatz ist zur Vorbereitung da, die Bahnordnung gilt auch hier. Die Parcoursbesichtigung ist Teil der Springprüfung, deshalb solltet ihr den Prüfungsplatz immer in korrekter Turnierkleidung betreten – sprich mit Stiefeln, Kappe und Jackett. Den Dressurplatz dürft ihr eurem Pferd übrigens nur vor der Prüfung zeigen, wenn dies ausdrücklich vom Richter genehmigt wurde. Auf dem Prüfungsplatz abzureiten, ist in der Regel nicht erlaubt, weil es für die später startenden Reiter einen Nachteil darstellt. Den Anweisungen des meistens ehrenamtlich tätigen Personals solltet ihr folgen. Und zwar immer und überall, sei es beim Parkplatz-Einweiser, den Helfern am Einlass und der Aufsicht auf dem Vorbereitungsplatz.

Schick herausgebracht: Das macht immer einen guten Eindruck.

Respekt und Freundlichkeit

Wenn ihr aufgeregt und nervös seid, ist das kein Grund, weniger respektvoll als sonst mit dem Begleiter oder gar dem Pferd umzugehen. Jeder Reiter muss sich deswegen immer wieder daran erinnern, dass das Pferd auf dem Turnier genauso angesprochen, behandelt und gearbeitet werden möchte wie zuhause. Euer Pferd wird unsicher, wenn vertraute Abläufe auf einmal abgeändert werden, also zum Beispiel aus Zeitmangel auf die Schrittpause nach der Lösungsphase verzichtet wird. Auch wenn die Prüfung mal nicht so toll gelaufen ist, solltet ihr vor allem dem Pferd und euren Begleitern gegenüber fair bleiben. Ein ruhiges Gespräch mit eurem Ausbilder über den Ritt bringt meistens mehr als der Versuch, die Schuld bei anderen zu suchen. Denkt immer daran: Ein Pferd ist immer nur so gut, wie sein Reiter! Findet heraus, was ihr besser machen könnt, damit es beim nächsten Mal klappt. Dazu kann euch das Protokoll der Richter helfen, das man nach der Prüfung an der Meldestelle abholen kann.

Horsemanship

Horsemanship heißt: Fairer Umgang mit dem Pferd. Kümmert euch immer zuerst um das Pferd. Es braucht auch auf dem Turnier ausreichend Wasser, Futter, einen trockenen und zugfreien Platz auf dem Anhänger und eventuell die Möglichkeit, sich „zu erleichtern“. Der Reiter sollte sein Pferd so reiten wie zuhause, damit es nicht an Vertrauen verliert. Euer Pferd versteht menschliche Verhaltensweisen nicht, es denkt nicht so wie ihr. Pferde sind niemals hinterhältig oder handeln absichtlich falsch. Wenn es auf dem Turnier nicht so gut gelaufen ist, sucht den Fehler bei euch und bestraft nicht das Pferd für seine Fehler. Wenn ihr unfaires Verhalten anderer auf dem Turnier beobachtet, solltet ihr dem zuständigen Richter Bescheid geben und natürlich immer selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu gehört auch, dass ihr nach dem Ritt absitzt, denn das Pferd ist keine Parkbank. Nach dem Ritt sollten Sattel und Gamaschen abgenommen und das Pferd so lange Schritt geführt werden, bis es trocken ist. Wer auf die Platzierung wartet, reitet Schritt oder – noch besser – führt sein Pferd.

Ein letzter Tipp: Geübt wird zuhause und nicht auf dem Turnier. Was zuhause noch nicht gut klappt, wird auf dem Turnier in der ganzen Anspannung und Aufregung sicher auch nicht besser laufen. Macht es lieber andersrum: Startet nur in der Klasse, in der ihr euch sehr sicher fühlt, dann macht die Turnierteilnahme nämlich doppelt so viel Spaß. Unter www.pferd-aktuell.de/turniersport könnt ihr die Infos aus diesem Artikel nochmal als Film anschauen (Teil 6).

Tina Pantel

Checkliste: Woran muss ich vor dem Turnier denken?

Für das Pferd: Sattel, Trense, eventuell Gamaschen und Hilfszügel, weiße Satteldecke, Sattelgurt, Kopfnummern, Ersatzgummis für die eingeflochtene Mähne, Abschwitzdecke, Putzkasten, Heunetz, Wassereimer,  Futter, Pferdepass. Das Pferd sollte haftpflichtversichert sein, sich pro-blemlos verladen lassen und natürlich einen Pferdepass haben. Achtung: Ist der Impfschutz noch gewährleistet?

Für den Reiter: Reithelm, Reitstiefel, Gerte, eventuell Sporen, Handschuhe, ordentliche Turnierkleidung (weiße Reithose, dunkles Jackett, Turnierbluse), für die ersten Einsteigerturniere reicht auch eine helle Reithose und ein dunkler Pullover, dazu Gummireitstiefel oder Jodphur-stiefeletten, einen Helfer, auch liebevoll TT (Turniertrottel) genannt, Handy, Navigationsgerät und ausreichend Verpflegung (Getränke, Snacks)

Gut gemacht: Das Loben sollte selbstverständlich sein.

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Webinar der Persönlichen Mitglieder

Ländliche Reitturniere zu veranstalten, ist nicht einfach. Ehrenamtliche Helfer müssen gefunden, Aufgaben verteilt und nicht zuletzt Sponsoren akquiriert werden. Doch nicht jeder Helfer eignet sich zur Sponsoren­gewinnung. Denn um hier erfolgreich zu agieren und genügend Gelder fürs Turnier ein­zuwerben, ist spezielles Knowhow von Vorteil. In diesem Webinar der Persönlichen Mitglieder wurde daher das nötige Wissen vermittelt, um als ländlicher Reitverein das eigene Turnier finanziell solide zu gestalten.

Referent Dieter Melwitz ist erfolgreicher Turnier­veranstalter aus Baden-Württemberg und gab in dem PM-Webinar nützliche Tipps, wie eine erfolgreiche Sponsoren­akquise ablaufen kann. Sein Motto: Auf den Ton kommt es an.

Die Aufzeichnung des Webinars können Sie sich nun hier ansehen.

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