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Neu: Schulpferde-Ausbilder-Club

Thies Kaspareit zu den neuen Reitabzeichen:

Klarer Aufbau, mehr Angebote

Statt Steckenpferd und Kleines Hufeisen heißt es heute Reitabzeichen 10 und 9. Aber das sind nicht die einzigen Veränderungen, die 2014 in die Ausbildungs- und Prüfungs-Ordnung (APO) der FN aufgenommen wurden. Neue inhaltliche Schwerpunkte wurden gesetzt, eine veränderte Systematik hilft bei der Orientierung. Thies Kaspareit, Leiter der FN-Abteilung Ausbildung und Wissenschaft, zieht nach gut zwei Jahren im Interview eine Zwischenbilanz.

An den Ausbilder werden höhere Anforderungen gestellt, da er im Lehrgang und in der Prüfungsvorbereitung praxisnäher und handlungsorientierter unterrichten muss. Alle Fotos: Stefan Lafrentz

PM-Forum: Wie haben sich die neuen, 2014 in die APO aufgenommenen Bezeichnungen etabliert? Haben die Ausbilder die Systematik von RA 10 bis RA 6 und von RA 5 bis RA 1 verinnerlicht?

Thies Kaspareit: Bei den älteren Ausbildern und Prüfern kommt es noch oft zu Verwechslungen zwischen den alten und den neuen Bezeichnungen. Ansonsten hat sich die neue Bezeichnung weitgehend durchgesetzt. Besonders deutlich wird es, wenn wir einem ausländischen Gast unser System erklären: Früher war es nur sehr schwer zu verstehen, wofür welches Abzeichen steht, heute ist es so sinnvoll und transparent aufgebaut, dass es jeder nachvollziehen kann – nicht nur das einzelne Abzeichen, sondern den ganzen Ausbildungsweg. Natürlich würden wir uns wünschen, dass noch mehr Ausbilder die unteren Reitabzeichen als Lernerfolgskontrolle und ausbildungsbegleitend anbieten würden. Wobei ich betonen möchte, wenn wir vereinfacht von Reitabzeichen sprechen, dann meinen wir natürlich die gesamte Palette, also auch die Fahr-, Longier- und Voltigierabzeichen.

PM-Forum: Warum war es sinnvoll, die Einteilung in Motivations- und Leistungsabzeichen aufzuheben?

Thies Kaspareit: Reitabzeichen sollen und können die gesamte reiterliche Laufbahn begleiten, für jede Altersklasse und jeden Leistungsstand bietet das neue System eine passende Prüfung an. Die alte Einteilung spiegelte das so nicht wider, es wurden zum Beispiel kaum Angebote für erwachsene Reitanfänger gemacht.

PM-Forum: Erleichtert die klare Systematik den Ausbildern und ihren Schülern, zielgenauer zu trainieren und gibt sie allen Beteiligten einen besseren Überblick über das Leistungsvermögen?

Thies Kaspareit: Idealerweise ja, für jede Ausbildungsstufe und jede Altersgruppe gibt es ein passendes Angebot. So kann auch der erwachsene Späteinsteiger über die Abzeichen seine Fortschritte dokumentieren und sich realistische Ziele für die weitere Ausbildung setzen.

Der Reitschüler ist jetzt stärker gefordert, seine Fähigkeiten im Sattel und im Umgang mit dem Pferd zu reflektieren.

Üben für die Stationsprüfung: Der Reitlehrer zeigt, welche praktischen Fähigkeiten im Umgang mit dem Pferd abgefragt werden.

PM-Forum: Werden die Ausbilder jetzt stärker gefordert, sowohl inhaltlich in der Wissensvermittlung als auch in der Motivation ihrer Schüler?

Thies Kaspareit: Das ist in der Tat so. Der Ausbilder muss seine Vermittlung, ja im Grunde seinen Unterrichtsstil, überarbeiten, weil in der Vorbereitung auf die Prüfung und auch im Lehrgang deutlich mehr Wert auf praxisnahes, handlungsorientiertes Unterrichten gelegt wird. Ich möchte mal ein Beispiel geben: Die früher abgenommene theoretische Prüfung setzte voraus, dass der Reitschüler paukte und sich das geforderte Wissen aneignete. Heute streben wir an, dass der Reitschüler seine Fähigkeiten im Sattel und im Umgang mit dem Pferd reflektiert und sie mit dem Reitlehrer bespricht. Auf dieser Ebene lassen sich die Inhalte der Reitlehre weit praxisnäher und damit für den Schüler effektiver vermitteln.

PM-Forum: Dann nehmen also die Aspekte Horsemanship, Verständnis für die Bedürfnisse des Pferdes und der fachgerechte Umgang mit dem Pferd jetzt breiteren Raum in der Wissensvermittlung ein?

Thies Kaspareit: Ja. In der Bodenarbeit, auf Stationsprüfungen und in der jeweiligen Reflexion. Im alten Abzeichen-System wurde vieles als bekannt vorausgesetzt und nicht mehr vermittelt, heute fehlt aber vielen Reitern der entsprechende Hintergrund. Vielen wachsen ohne Tierkontakt auf, müssen das Lebewesen Pferd, seine Verhaltensweisen und seine Bedürfnisse erst kennen- und verstehen lernen. Mit dem neuen ­System holen wir die Reiter wieder mehr dort ab, wo sie stehen und ordnen den Kenntnissen über den fachgerechten Umgang mit dem Pferd eine größere Bedeutung zu.

PM-Forum: Sind die Prüfer ausreichend mit den Zielvorgaben, den Inhalten, der neuen Reitabzeichen vertraut? Wie wurden sie geschult?

Thies Kaspareit: In umfangreichen Schulungsmaßnahmen wurden die Prüfer zum Beispiel auf die Abläufe der Stationsprüfungen vorbereitet. Da diesen ein grundlegend neues Prüfungsverständnis zugrunde liegt – weg vom Abfragen von Wissen hin zu praktischer Umsetzung in Alltagssituationen –, muss hier ein Umdenken stattfinden, das braucht natürlich etwas mehr Zeit und gelingt noch nicht immer zufriedenstellend. Das sollte uns aber nicht entmutigen, sondern Ansporn sein für uns Verbände auf Bundes-, Landes- und Kreisebene, weitere Schulungen für Lehrgangsleiter und Prüfer anzubieten. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich dieser Aufwand für alle Beteiligten lohnt!

PM-Forum: Wie werden die neuen Stationsprüfungen, die die früheren Theorieprüfungen ersetzen, denn von den Schülern akzeptiert? Tun sie sich jetzt leichter in Prüfungssituationen?

Thies Kaspareit: Die neuen Stations­prüfungen werden von den Prüflingen sehr gut angenommen. Einen „Arbeitsauftrag“ zum Beispiel auf der Stallgasse selbständig auszuführen fällt vielen leichter, als das alte Frage-Antwort-Prinzip. Jetzt zeigen die Prüflinge, was sie bereits können. In der Reflexion des eigenen Reitens gelingt der Transfer noch nicht immer optimal. Ausbilder können und sollten dieses bereits im täglichen Reitunterricht üben und dieses zum Verständnis sehr hilfreiche Instrument nutzen.

PM-Forum: Hat sich das neue Geländereitabzeichen durchsetzen können?

Thies Kaspareit: Leider noch nicht zufriedenstellend. Auch in Betrieben, in denen geeignete Geländeplätze vorhanden wären, streben nur wenige Reiter das Geländeabzeichen an. Oder aus einem anderen, meines Erachtens entscheidenderen Blickwinkel betrachtet, werden zu wenige Reiter durch ihre Ausbilder/Trainer dort hingeführt. Erfahrungsgemäß ist es sehr einfach, bei den Reitern die Begeisterung für das Geländereiten zu entfachen. Es braucht nur einen leichten und fachlich unterstützten Einstieg.

Die Anzahl der abgelegten Reit­abzeichen des Jahres 2016

PM-Forum: Haben sich mehr Erwachsene entschieden, ein Abzeichen – egal ob Reit-, Voltigier- oder Longierabzeichen – abzulegen?

Thies Kaspareit: Dazu gibt es keine verlässlichen Zahlen, durch die etwas neutraleren Bezeichnungen (RA 10 statt Steckenpferd) fühlen sich aber definitiv mehr Erwachsene angesprochen. Häufig entscheiden sich auch Eltern dazu, selbst eines der grundlegenderen Abzeichen abzulegen, wenn ihre Kinder ohnehin an einem Abzeichenlehrgang teilnehmen.

Der reiterliche Karriereplan

Der reiterliche Karriereplan zum Download

Grafik: Mit frdl. Genehmigung entnommen aus „Ausbildungs- und Prüfungs-Ordnung (APO) 2014“, Hrsg.: Deutsche Reiterliche Vereinigung, FNverlag, Warendorf 2014

PM-Forum: Wie viele Abzeichen werden jetzt pro Jahr ungefähr abgenommen, und welche haben sich als die erfolgreichsten erwiesen?

Thies Kaspareit: Bei den Reitabzeichen reden wir über ca. 80.000 Abzeichen, die in ganz Deutschland abgenommen werden. Der Basispass Pferdekunde ist mit Abstand die am häufigsten abgelegte Prüfung, gefolgt von den Reitabzeichen 5, 9 und 10. Das ist erfreulich, weil sowohl die Abzeichen, die auf den Turniersport vorbereiten, als auch diejenigen, die den Einstieg bedeuten, gut angenommen werden.

PM-Forum: Welche Abzeichen „laufen“ eher nicht so gut?

Thies Kaspareit: Der Reit- und Fahrpass wurde in den letzten Jahren nicht mehr so gut angenommen. Speziell der Fahrpass wird jetzt ohnehin durch den Kutschenführerschein abgelöst. Unter den Reitabzeichen 10 – 4 gibt es insgesamt eine recht zufriedenstellende Verteilung, die zeigt, dass das System insgesamt angenommen wird. Die Turniersport-Abzeichen 3 – 1 erreichen verständlicherweise nur noch relativ wenige.

PM-Forum: Gibt es augenfällige regionale Unterschiede bei den Abzeichen?

Thies Kaspareit: Das lässt sich so nicht sagen, die Geschwindigkeit des Verbreitungsprozesses war allerdings regional unterschiedlich.

Das Gespräch führte Susanne Hennig

FN-Ausbildergewinnspiel

Unter dem Motto „Ausbilden und gewinnen“ bietet die FN zum zweiten Mal ein Gewinnspiel für Ausbilder an. Teilnehmen können Ausbilder, die bis 31. Dezember 2017 einen Abzeichenlehrgang geben. Am Ende des Jahres werden unter allen Ausbildern als Hauptpreise drei hochwertige Sicherheits-Pakete der Firma uvex – bestehend aus einem Helm und Handschuhen – sowie umfangreiche Buchpakete des FNverlags verlost.

Aber auch der ausrichtende Betrieb oder Verein des Lehrgangs kann sich über tolle Preise freuen. Zu gewinnen gibt es eine hochwertige Gymnastikreihe sowie eine Ingrid Klimke Cavaletti-Reihe von Hindernisbau Rumann und für einen weiteren Betrieb/Verein die Ausrichtung einer PM-Veranstaltung im Jahr 2018. Allein die Teilnahme wird übrigens schon belohnt: Die ersten 300 registrierten Ausbilder erhalten einen FN-Verlagsgutschein im Wert von 25 Euro.

Und so können Ausbilder, die im Jahr 2017 einen Abzeichenlehrgang geben, am Gewinnspiel teilnehmen: Einfach vom 1. März bis 31. Oktober 2017 sich und den Betrieb/Verein, auf/in dem der Lehrgang stattfindet, auf www.pferd-aktuell.de/ausbildergewinnspiel registrieren (je Ausbilder ist nur eine Anmeldung möglich)

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Webinar der Persönlichen Mitglieder

Ländliche Reitturniere zu veranstalten, ist nicht einfach. Ehrenamtliche Helfer müssen gefunden, Aufgaben verteilt und nicht zuletzt Sponsoren akquiriert werden. Doch nicht jeder Helfer eignet sich zur Sponsoren­gewinnung. Denn um hier erfolgreich zu agieren und genügend Gelder fürs Turnier ein­zuwerben, ist spezielles Knowhow von Vorteil. In diesem Webinar der Persönlichen Mitglieder wurde daher das nötige Wissen vermittelt, um als ländlicher Reitverein das eigene Turnier finanziell solide zu gestalten.

Referent Dieter Melwitz ist erfolgreicher Turnier­veranstalter aus Baden-Württemberg und gab in dem PM-Webinar nützliche Tipps, wie eine erfolgreiche Sponsoren­akquise ablaufen kann. Sein Motto: Auf den Ton kommt es an.

Die Aufzeichnung des Webinars können Sie sich nun hier ansehen.

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