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Neues PM-Förderprojekt: Jetzt bewerben

Reitvereine helfen Flüchtlingen

Die Schreckensmeldungen reißen nicht ab: Nach wie vor versuchen täglich Tausende von Menschen aus ihren umkämpften Heimatregionen in die Länder der Europäischen Gemeinschaft zu fliehen.
Angekommen im vermeintlich sicheren Hafen Bundesrepublik erwartet sie zunächst eine behelfsmäßige Unterkunft und eine Zeit des Wartens und der Ungewissheit. In dieser für sie schweren Zeit soll ein neues Förderprojekt der Persönlichen Mitglieder helfen, den Flüchtlingen durch das Pferd ein positives Erlebnis zu vermitteln.

Kleine Auszeit vom tristen Alltag: Flüchtlinge erleben einen schönen Tag im Reitverein. Foto: Kerstin Land

Auch wenn in den meisten Fällen die Grundbedürfnisse nach Nahrung und Unterbringung sichergestellt werden können, leiden die Menschen dennoch. Insbesondere die Kinder sind traumatisiert von Kriegsgeschehen, Flucht, Vertreibung und dem Verlust ihrer Angehörigen. Bereits jetzt haben etliche Reitvereine im Lande die Initiative ergriffen und bieten vor allem den Kindern eine Auszeit vom tristen Alltag in den Flüchtlingsheimen: Durch Begegnungen mit Pferden und Ponys, bei denen die Vierbeiner gestreichelt, gepflegt, geputzt oder geführt werden dürfen, sollen die Kinder einen abwechslungsreichen, schönen Tag erleben und sich erholen in friedlicher Umgebung und netter Gemeinschaft. Ein paar Beispiele für diese Initiativen sollen hier vorgestellt werden.

Dass der Umgang mit Pferden auf verletzte Seelen wie ein „Wunder“ wirken kann, ist wissenschaftlich bewiesen. Auch, wenn es nur sporadisch geschieht. Daran glaubt zum Beispiel Projektleiterin Kerstin Schmidt, die für die Flüchtlingskinder der Hermann-Schulz Grundschule in Berlin-Reinickendorf einen Ausflug zu den Islandpferden des Tölt e.V. auf dem Lotushof in Beelitz organisierte. „Gibt es einen perfekten Tag? Einen Tag, an dem alle Kinder super mitmachen, es das Essen von Mama gibt, wo kleine Fohlen und Otter und Füchse zu sehen sind, an dem man mit Hunden tobt und den ganzen Tag draußen ist? An dem man mit Pferden kuschelt und schmust und einfach mal glücklich sein kann?“ schwärmt sie von dieser Erfahrung und ist sicher, dass das Motto des Ponyprojekts stimmt: „Kinder stärken durch Pferdestärken“.

Reitvereine helfen Flüchtlingen:

Fördergelder jetzt beantragen

Reitvereine, die Aktionen mit und für Flüchtlinge planen, können dafür ab sofort einen einmaligen Zuschuss in Höhe von bis zu 500 Euro bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung beantragen. Bedingung ist, dass das Projekt sach- und fachgerecht durchgeführt und nach Abschluss ein kurzer Bericht mit digitalen Fotos vorgelegt wird. Während der Aktionen sollten nur versicherte Pferde und Ponys eingesetzt und von den Reitern Reithelme getragen werden. Das Antragsformular kann online heruntergeladen werden unter www.pferd-aktuell.de/pm-fluechtlinge, oder wird telefonisch oder per Mail angefordert bei Imke Schlechter, Telefon 02581/6362241, ischlechter@fn-dokr.de.

Mit Ponys Momente der Zuneigung und Wärme erleben. Foto: Kerstin Schmidt

Die Integrierte Pferde­sport Gemeinschaft Belm-Vehrte engagiert sich. Foto: Kerstin Land

Reitverein Hütherhof

Einen Pony-Nachmittag im saarländischen Aufnahmelager Lebach organisierte Anfang September der Reitverein Hütherhof in St. Wendel Alsfassen. Mit 20 Vereinsmitgliedern und sechs Ponys fuhren sie zu der Einrichtung, die mehrere Hundert Flüchtlinge beherbergt und boten den Kindern kostenloses Ponyreiten und Schminken an. „Kinder kommen immer unschuldig in solche Situationen. Wir hoffen, ihnen ein paar schöne Momente geschenkt zu haben. Dieser Besuch im Aufnahmelager hat einen bleibenden Eindruck bei allen Beteiligten hinterlassen. Viele von uns mussten zuerst einmal ,eine Nacht drüber schlafen‘, um das Erlebte zu verarbeiten“, meint der Erste Vorsitzende des Reitvereins, Jürgen Jacob. In Zukunft sollen solche Aktio­nen weitergeführt werden.

Flüchtlinge aus Berlin zu Gast beim Tölt e.V. in Beelitz. Fotos: Kerstin Schmidt

Pferdesport Gemeinschaft Belm-Vehrte

Etwas ganz besonderes hat sich die Integrierte Pferdesport Gemeinschaft in Belm-Vehrte bei Osnabrück einfallen lassen. Bereits zum zweiten Mal hat der Verein einen „Tag auf dem Reithof“ ausgerichtet, zu dem in Zusammenarbeit mit Exil.de Flüchtlingskinder aus dem Lager Bramsche-Hesepe eingeladen wurden. Alle Vereinsmitglieder packten unter Leitung von Melanie Werremeyer mit an, um den kleinen Gästen das Putzen eines Pferdes, das Reiten durch einen Mini-Parcours von Bodenhindernissen und einen geführten Ausritt im Wald nahezubringen. Nun, kurz vor Weihnachten, will der Verein die Flüchtlingskinder auch teilhaben lassen an seiner Weihnachtsshow „Amy – die gewöhnliche Prinzessin“. Weil die Vereinsmitglieder und etliche engagierte Beteiligte vor Ort durch Spenden und „Herzblut“ dazu beitragen, können an den drei Tagen der Generalproben viele Kinder zuschauen.

Wünschenswert wären viele weitere Initiativen und Aktionen zugunsten von Flüchtlingen. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung unterstützt diese ab sofort und auch im kommenden Jahr 2016 finanziell aus den Mitgliedsbeiträgen der Persönlichen Mitglieder.

Barbara Comtois

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