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PM-Reise nach Rio de Janeiro

Copacabana und Favela: PM im Land der Gegensätze

Nach zwölf Stunden oder – bei unvermeidbaren Umstiegen – sogar deutlich längeren Flugzeiten erreichen die Persönlichen Mitglieder das oft beschriebene Tropenziel: Rio de Janeiro. Gefährlich soll es dort sein, das Zika-Virus an jeder Ecke auf sie lauern und die Organisation der Spiele chaotisch.

Jubeln wie die Brasilianer: Auch hier hätten PM die Goldmedaille verdient. Fotos: FN-Archiv

Soweit die Vorinformation – die ersten eigenen Erfahrungen nach Ankunft sind ganz anders. Die Straßen sind sauberer als in Südeuropa, die U-Bahn funktioniert besser als in Berlin. Die Brasilianer lachen die Gäste an und begrüßen sie lautstark auf Portugiesisch oder Englisch (was sich genauso anhört wie Portugiesisch). Sie wollen wissen, wo die Besucher herkommen und wie sie Rio finden – ängstlich darauf bedacht, dass ihre Heimat ja einen guten Eindruck hinterlässt.

Allmorgendlich spielt die Militär­kapelle auf – hinter Gittern.

Springstars posieren beim PM-Treff: Christian Ahlmann hier mit Reisegast Barbara Kesselmeier

„Tudo bem – Alles gut…“

…antwortet der bereits etwas akklimatisierte Reisegast und verschweigt doch, dass er als Europäer, als Deutscher, nicht alles gut finden kann, was er sieht. Zu deutlich stechen die Gegensätze von arm und reich, gebildet und nicht alphabetisiert, schwarzer, brauner und weißer Hautfarbe ins Auge. Über 20 Prozent der Bevölkerung Rios leben in Favelas, die man nun nicht mehr Favelas nennen soll, sondern Comunidades (Gemeinden). Zwischen PM-Hotel und dem Turniergelände der Olympischen Spiele in Deodoro kann man sich täglich bei der Vorbeifahrt von den prekären Wohnverhältnissen überzeugen. Es wäre aber ungerecht, nicht die enormen Anstrengungen zu würdigen, die Rio seit Jahren zugunsten seiner Einwohner unternommen hat. Was nach den Spielen den Cariocas bleibt, sind ein deutlich erweitertes U-Bahn-Netz, ein Schnellbus-System mit eigener Verkehrsspur, neue Tunnel, die getrennt liegende Stadtteile besser verbinden, aber auch die Freude darüber, dass die Welt schöne, friedliche Spiele erlebt hat und die Hoffnung, der Sport möge sich auch längerfristig als Motor der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung erweisen, besonders für die ärmeren Schichten.

 

Jubeln wie die Brasilianer

Die Reisegäste freuen sich über den tollen Sport und die großen Erfolge, fiebern und jubeln mit. Was das Jubeln angeht, laufen sie besonders bei den Dressurwettbewerben sogar den Brasilianern den Rang ab. Jubelnde PM im Bild bei „Spiegel Online“ – das hat es bislang noch nicht gegeben.

Ein besonderes Privileg der reisenden PM sind die Treffen mit den deutschen Teams. Entsprechend viele PM kommen zu den „Meet & Greets“ mit Reitern, Bundestrainern und „FN-Tross“, die wegen der Sicherheitsbestimmungen auf dem Turnierplatz oft an ungewöhnlichen Orten stattfinden. Auch wenn Medaillen nicht in greifbarer Nähe scheinen, berichten die Reiter authentisch und aufrichtig über ihre Situation. Es gibt Informatio-nen aus erster Hand und Fotos mit den Stars. Die Zuhörer danken es mit Beifall und Zuspruch.

 

Ausbildung in der Millionenstadt

Aber nicht jeden Tag geht es ins olympische Reitstadion, das mit U-Bahn und Vorortzug in rund einer Stunde aus dem Stadtkern Rios zu erreichen ist. An den wettbewerbsfreien Tagen erkunden die PM die nähere und weitere Umgebung Rios und besichtigen einige exemplarische Reit-, Zucht- und Trainingsanlagen. Ganz im Westen der Millionenstadt liegt der „Haras Pegasus“, der als größter Ausbildungs- und Trainingsstalls Rios gilt. Gepflegte Reitplätze in tropischer Natur, großzügige Stallanlagen, Paddocks, Weiden und Reitwege laden dazu ein, sich in Springen und Dressur nach klassischer Tradition ausbilden zu lassen. Aber auch Western- und Gangpferdereiter kommen dort auf ihre Kosten – kurz alle, die sich die monatliche Einstellgebühr von mindestens eintausend US Dollar leisten können.

Meet & Greet mit dem deutschen Dressurteam

Im Haras Pegasus – Rios größtem Ausbildungsstall

Campolinos – eine brasilianische Spezialität

Eine Vielfalt an Pferderassen ist in Brasilien zuhause. Zu den in Südamerika entwickelten Rassen gehören die Mangalarga Marchadores, die als Gangpferde für Freizeit und Arbeitseinsatz über lange Distanzen bequem zu sitzen sind. Die PM informieren sich in einem Vorzeige-Gestüt im bergigen Hinterland Rios über die Zucht der „Campolino“-Pferde, einem Schlag der Mangalarga Marchadores, der sich steigender Beliebtheit erfreut. Für zum Beispiel eine dreijährige Stute werden Preise von 100.000 Euro und mehr erzielt. Beim anschließenden Barbecue-Lunchbuffet im gepflegten, tropischen Gestütsgarten in einer Umgebung fern von Straßen-, Internet- und sogar Telefonanbindung wird der Wunsch mühsam unterdrückt, hier länger zu verweilen.

 

Versteckte Anlagen

Versteckt im gebirgigen Hochland liegen zahlreiche dieser hervorragend ausgestatteten Betriebe. Dass Pferdesport in Brasilien nur von einer kleinen Minderheit betrieben wird, wird hier ganz deutlich. Zu groß ist der Aufwand für Futter, Einstreu, Schmied und tierärztliche Betreuung, als dass sich die Pferdehaltung für den Turniersport weiter verbreiten könnte. Im Galoppsport ist es ähnlich. Aber auch hier gibt es Trainingsanlagen mit hervorragender Ausstattung für Vollblüter, deren Besuch lohnt. Die PM staunen über die Trainingsbedingungen der Pferde, die von dort aus ihre Karriere auf den Rennbahnen Süd- und Nordamerikas starten.

 

Wie so häufig ist die Zeit zu kurz, um Land und Leute noch besser kennenzulernen. Schade, denn ein solch vielfältiges Land hätte es sicher verdient. Sicher ist, dass die PM – abgesehen vom Sport – einen Strauß bunter Erfahrungen mit nach Hause bringen.

B. Comtois

Blick auf die „PM-Tribüne“ beim Springen.

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