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Ausbildungstipps von Christoph Hess

Linksgalopp ein Flopp

Wie wir Menschen haben auch Pferde eine „Schokoladenseite“, auf der bestimmte Bewegungen leichter fallen als auf der anderen. Gerade in der Galopparbeit sind Disharmonien besonders augenfällig. Die Lösung des Problems beginnt allerdings nicht nur im Galopp, sondern zunächst im Trab.

Fast alle Pferde tun sich auf einer Seite schwerer als auf der anderen. Um die Geraderichtung im Galopp zu verbessern, muss zunächst die Trabarbeit „stimmen“. Foto: Arnd Bronkhorst

Frage: Mein Wallach galoppiert auf der linken Hand ganze Bahn fast immer schief mit der Hinterhand auf dem zweiten Hufschlag. Deshalb fällt es ihm schwer, Volten auf der linken Hand im Galopp auszuführen. Demgegenüber ist der Rechtsgalopp super und mit dem Galopp auf der linken Hand nicht vergleichbar. Durch das Training wird der Linksgalopp nur selten besser. Was läuft falsch?

Hier wird ein Problem aufzeigt, das sehr häufig von Reitern zu bewältigen ist. Letztendlich ist jedes Pferd schief, sodass das Geraderichten eine wesentliche Herausforderung für jeden von uns Reitern ist. So wie wir Links- und Rechtshänder sind, so ähnlich verhält es sich auch beim Pferd. Das eine ist auf der rechten Hand schief, das andere auf der linken.

 

Vor Galopp erst Trab

Ihr Problem scheint in erster Linie in der Galopparbeit aufzutreten. Es ist jedoch wichtig, sich zunächst ganz intensiv der Trabarbeit zu widmen und diese so zu gestalten, dass Sie auf beiden Händen in der Lage sind, Ihr Pferd sicher vor sich zu halten. Das heißt, Ihr Pferd muss die treibenden Hilfen sensibel annehmen und Sie müssen in der Lage sein, in besonderer Weise Ihren inneren Schenkel einzusetzen. Dies gilt auf den geraden Linien, aber vornehmlich auch auf den gebogenen, und hier meine ich in den Ecken, auf den Volten und auf den Zirkellinien.

Insbesondere bieten sich die gebogenen Linien an, vermehrt den inneren Schenkel einzusetzen und mit ihm das Pferd an den äußeren Zügel heranzutreiben. Der äußere Zügel hat ebenso wie der äußere Schenkel eine verwahrende Funktion, das heißt, er muss eine begrenzende Wirkung dann einnehmen, wenn sich das Pferd gegen den äußeren Zügel bzw. gegen den äußeren Schenkel bewegt. Der äußere Zügel und der äußere Schenkel sind in ihrer Funktion mit den Schienen eines Zuges vergleichbar, wenn dieser in eine Kurve hineinfährt.

Sind Sie in der Lage, das Gefühl zu entwickeln, vom inneren Schenkel an den äußeren Zügel heranzutreiben, dann sollten Sie versuchen, die Vorhand auf geraden und gebogenen Linien geringfügig in das Innere der Bahn hineinzuführen. Es gilt der Grundsatz: Die Vorhand wird auf die Hinterhand eingestellt.

 

Takt beibehalten

Zunächst muss die Trabarbeit zu hundert Prozent gesichert sein. Erst dann sollten Sie mit dem Galoppieren auf der rechten Hand beginnen. Ich empfehle nur kurze Reprisen zu galoppieren, damit Sie in der Lage sind, Ihr Pferd gerade zu halten. Haben Sie ein gutes Gefühl auf der rechten Hand entwickelt, dann können Sie die linke Hand hinzunehmen. Entscheidend ist: Das Pferd muss dabei stets vor Ihnen an Ihren treibenden Hilfen sein. Mangelnde Geraderichtung ist sehr häufig darauf zurückzuführen, dass die Pferde nicht genügend nach vorne ziehen bzw. die Reiter nicht in der Lage sind, ihre Pferde sicher vor sich zu halten – und dies ganz konsequent auf geraden und gebogenen Linien. Eine besondere Herausforderung ist es, dass das Pferd in den Wendungen den Takt, den Schwung und vor allem die Geraderichtung beibehält. Deshalb hat der für viele so paradox klingende Satz, dass ein Pferd auf der gebogenen Linie gerade gerichtet sein soll, eine zentrale Bedeutung.

 

Fazit

Reiten Sie Ihr Pferd zunächst im Trab und dann erst im Galopp. Beginnen Sie die Arbeit mit Ihrem Pferd zunächst auf der „Schokoladenseite“, in Ihrem Falle auf der rechten Hand, und wechseln Sie erst dann auf die linke. Ihr Pferd muss beständig vor Ihnen an Ihren treibenden Hilfen stehen, denn ein nach vorne ziehendes Pferd ist im Regelfall ein gerade gerichtetes. Je besser Ihr Pferd zieht, desto weniger werden Sie das Gefühl der Schiefe im Sattel spüren.

Christoph Hess

PM-Leserinnen und -Leser können sich bei Ausbildungsproble­men gerne an Christoph Hess wenden. Schildern Sie Ihre Schwie­rig­keiten kurz und bündig, die Redaktion wählt dann einen Beitrag für die Veröffentlichung aus. Wenn Sie ein gutes, druckfähiges Foto ­haben, können Sie dies selbstverständlich mitschicken. Kontakt: chess@fn-dokr.de

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