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Gesundheitvorsorge: Richtige Pferdefütterung Teil III

Die kleinen Helfer im Trog

Ging es in den ersten beiden Teilen unseres Beitrags über richtige Pferdefütterung um grundsätzliche Fragen sowie Rau- und Kraftfutter, widmet sich der dritte und letzte Teil den Vitaminen, Spurenelementen und Zusatzfuttermitteln.

Im Normalfall deckt das Gras bzw. Heu den Bedarf an lebensnotwendigen Vitaminen und Spurenelementen, aber vielfach wachsen auf den Wiesen heutzutage nicht mehr so viele Kräuter wie früher. Fotos: Frank Sorge
Salz- oder Mineralienlecksteine liefern zwar Mineralstoffe und Spurenelemente, es lässt sich aber kaum kontrollieren, wie viel ein Pferd davon aufnimmt. Auch hier gilt die Devise: Zu viel schadet dem Organismus.

Vitamine und Mineralstoffe sind im Idealfall ausreichend im Heu vorhanden. Das Problem ist nur: Die Böden sind nicht mehr so nährstoffreich wie früher und die Pflanzen darauf dementsprechend auch nicht. Zudem ist der Bewuchs heutzutage meist recht einseitig. Früher deckten die Pferde ihren Bedarf an Spurenelementen, Mine­ralstoffen und Vitaminen durch selektives Fressen bestimmter Kräu­ter. Das ist heute kaum noch möglich und auch das Heu kommt kaum noch von Anbauflächen, die sich durch große Vielfalt des Bewuchses auszeichneten. Mineralien – also Men­genelemente, deren Bedarf in Gramm angegeben wird – und Spu­renelemente – die man in Milli­­gramm misst – sind für den Kör­per lebensnotwendig, weil sie di­ver­se Aufgaben im Stoffwechsel übernehmen. So aktivieren sie En­zyme und sind mitunter auch ein Teil von diesen sowie auch von Vitaminen, Hormonen usw. Außerdem sind sie wichtig für sämtliche Gewebe, Knochenaufbau, Sauerstofftransport usw.

 

 

Kalzium – Phosphor

Auch die Vitamine gehören zu diesen kleinen Helfern, die dafür sorgen, dass alles rund läuft im Organismus. Man unterscheidet zwischen wasser­löslichen (B-Vitamine, C) und fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K). Zum Teil kann das Pferd Vitamine selbst im Körper herstellen, beispielsweise Vitamin C. Doch Mineralien muss es über die Nahrung aufnehmen. Die Mengenelemente, die das Pferd braucht, sind: Kalzium (Ca), Phosphor (P), Kalium (K), Magnesium (Mg), Natrium (Na), Chlor (Cl) und Schwefel (S). Einen erhöhten Bedarf haben hier vor allem Sportpferde, Jungpferde und Zuchtstuten. Bei geregelter Fütterung des Reitpferdes unter mittlerer Belastung ist die Versorgung mit den Mengenelementen normalerweise gewährleistet. Allerdings muss man auf das richtige Verhältnis zwischen Kalzium und Phosphor achten. Die Ration sollte zwei Teile Kalzium zu einem Teil Phosphor enthalten. Bei einem Phosphorüberschuss kann es zu Knochenschwund kommen. Natrium-, Kalium- und Chlormängel können bei Pferden auftreten, die viel schwitzen. Ein Salzleckstein frei zur Verfügung gestellt, reicht für ein normal arbeitendes Pferd in der Regel aus. Hochleistungssportler (vor allem Renn-, Distanz- und Vielseitigkeitspferde) verlieren über ihren Schweiß allerdings jede Menge Elektrolyte (Mineralstoffe, die im Körper entweder als positiv oder negativ geladene Teilchen vorliegen), die ein Salzleckstein allein kaum ausgleichen kann. Hier helfen Elektrolyte in Form von Natrium-, Kalium- und Magnesiumchlorid, die im Handel erhältlich sind und über das Trinkwasser gegeben werden können.

In fast jedem Pferdestall wird das Kraftfutter durch Zusatzfuttermittel in Form von Pulver, Flüssigkeit, Pellets oder Brikett ergänzt.

Lecksteine

Bei Pferden, die ausschließlich auf der Weide gehalten werden, kann anstelle eines Salzlecksteins auch ein sogenannter Mineralleckstein sinnvoll sein. Darüber können Mineralstoffe und Spurenelemente aufgenommen werden. Weil aber kaum kontrolliert werden kann, welche Mengen die Pferde auf diese Weise zu sich nehmen, ist es besser, gezielt ein Mineralfutter zu geben, das man dosieren kann. Die entscheidenden Spurenelemente sind Jod (I), Kupfer (Cu), Eisen (Fe), Kobalt (Co), Selen (Se), Mangan (Mn), Zink (Sn). Diese sind zwar einerseits überlebensnotwendig, aber in Maßen und keinesfalls in Massen. Eine Überversorgung kann sogar tödliche Folgen haben. Aber auch bei massiven Mängeln kann es gefährlich werden. Die Folgen reichen von brüchigem Hufhorn und struppigem Fell (bei Zinkmangel) über Immunschwäche (u.a. bei Selenmangel) bis hin zu Skelettveränderungen (u.a. bei Jodmangel) und Blutarmut und Leistungseinbußen (u.a. bei Eisenmangel). Besteht der Verdacht auf Mangelerscheinungen, gibt es verschiedene Möglichkeiten zu testen, wie es um die Versorgung des Pferdes bestellt ist.

Literaturtipps

Prof. Dr. Dr. Helmut Meyer,
Prof. Dr. Manfred Coenen,
Dr. Ingrid Vervuert
Pferdefütterung
5. Auflage, Enke Verlag, Stuttgart 2014, ISBN: 978-3-8304-1095-9, 59,99 Euro

 

Gesellschaft für Ernährungs-physiologie der Haustiere (GfE)
Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden
3. Auflage, DLG Verlag, Frankfurt 2014, ISBN: 978-3-7690-0805-0, 49,90 Euro

Futter und Doping

Einige im Futter vorkommende Substanzen sind generell oder ab einem bestimmten Grenzwert dopingrelevant, z.B.:

 

Theobromin Kommt in Kakao, Schokolade und Kakaobohnenschalen vor und wirkt anregend.
Luzerne, Weidenrinde, Mädesüß Enthalten schmerzlindernde, entzündungshemmende und blutverdünnende Salizylsäure.
Teufelskralle Enthält unter anderem Harpagoside, die schmerzstillend und entzündungshemmend wirken.

 

Weitere Infos: www.pferd-aktuell.de/fairersport

Blut- oder Urinprobe

Man kann Blut- oder Urinproben nehmen, eine Haaranalyse machen lassen oder aber auch eine Rationsberechnung erstellen, indem man die Futtermittel, die das Pferd üblicherweise bekommt, auf ihre Inhaltsstoffe untersucht und mit dem Bedarf vergleicht (Infos z.B. bei www.ifp-lengwenat.com). Empfohlen wird in der Regel letzteres. Von der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) heißt es, man solle sein Heu einmal pro Jahr auf den Gehalt an Kupfer, Zink und Selen untersuchen lassen – da dies diejenigen Spurenelemente sind, an denen es am häufigsten mangelt – und dann ein passendes Mineralfutter auswählen. Wobei man die Probeergebnisse nur dann auf die ganze Charge übertragen kann, wenn das beprobte Heu aus derselben Ernte von derselben Anbaufläche stammt. Ob man das Mineralfutter als Pulver, Pellets, Briketts, flüssig oder wie auch immer reicht, ist egal: „Hauptsache, das Pferd frisst’s“, wie Dr. Petra Wolf von der Abteilung für Tierernährung an der TiHo es auf den Punkt bringt.

Dominique Wehrmann

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