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Das Maul als Spiegel

PM-Wettbewerb „Unser Stall soll besser werden“

Wohlfühloasen für Pferde

Hell, luftig und mit viel Bewegungsmöglichkeiten wohnen Pferde am liebsten. Die besten Neu- und Umbauten wurden im gemeinschaftlichen Wettbewerb der Persönlichen Mitglieder und des Fach­magazins Reiter Revue International „Unser Stall soll besser werden“ ausgezeichnet.

1. PLATZ: REITANLAGE FRÖHNERHOF

Durchdacht ist das Konzept und der Neubau auf der Reitanlage Fröhnerhof im rheinland-pfälzischen Mehlingen. Viel Planungszeit haben sich die Betreiber Holger und Eva Labes vor dem großen Um- und Neubau genommen. ‚Gut so‘ findet die Jury des bundesweiten Wettbewerbs „Unser Stall soll besser werden“ und

benannte die Anlage zum Siegerstall. Dabei kommt es der Jury nicht nur auf helle, freundliche Ställe mit viel Bewegungsmöglichkeiten an, sondern vor allem auch auf die Sicherheit der Pferde. Flatternde Stromlitzen, hervorstehende Schrauben und unsachgemäß verlegte Paddockplatten sind Ausschlusskriterien.

Außerdem achtet die Jury darauf, dass den Pferden genügend Platz zur Verfügung steht. Zu kleine Boxen, Ausläufe, Weiden oder auch Liegehallen sind ein absolutes No Go, da so keine pferdegerechte Haltung möglich ist. Sechs von rund 25 Bewerbungen haben es in diesem Jahr in die Vorrunde geschafft. Sie alle überzeugen mit Konzepten, die den Pferden viel und vielfältige Bewegung ermöglichen. Zum 23. Mal in Folge ist nun der artgerechteste Stall Deutschlands gesucht und prämiert worden.

Die Finalisten 2016 –

IM FILM

Rundgänge durch die drei Siegerställe sehen Sie auf www.reiterrevue.de und auf YouTube.

Wie in den vergangenen Jahren durften sich auch in diesem Frühjahr alle Pferdebetriebe, Reitvereine oder Stallgemeinschaften bewerben, die ihren Stall oder Teile davon um- oder neugebaut haben. Wenn Sie Ihren Betrieb als nächsten Siegerstall sehen und seit einem Jahr mehr als zehn Pferde in den Stallungen beherbergen, bewerben Sie sich doch! Ab Januar 2017 geht der Wettbewerb um den besten Stall Deutschlands in die nächste Runde.

Umbau mit System

„Wir haben die Pferde an Silvester in ihre neuen Paddockboxen gestellt. Viele haben uns deshalb für verrückt erklärt, aber der Abend hat gezeigt, dass die Entscheidung goldrichtig war. Die Pferde standen mit gespitzten Öhrchen auf dem Paddock und haben sich das Feuerwerk angeschaut“, sagt Eva Labes, die seit zwei Jahren die Reitanlage Fröhnerhof mit ihrem Mann führt. Als die beiden Architekten die Anlage kauften, standen die Pferde in kleinen Boxen. Jetzt haben sie Platz und vor allem sehr viel frische Luft.

Ganztägig können die Tiere auf ihre Paddocks gehen – müssen es sogar. Denn die Raufutterraufen stehen draußen. Jeweils zu zweit fressen die Pferde an einem Rundballen, der sich in der Raufe drehen kann. Das Prinzip der selbstentwickelten Heuraufen gleicht einem überdachten Dönerspieß – der Ballen dreht sich und die Pferde fressen ihn von allen Seiten gleichermaßen ab. Je nach Futterzustand des Pferdes kann der Zugang

zum Heu auch limitiert werden. Das Kraftfutter wird mittels Computertechnik individuell gefüttert. An jeder Box hängt ein Automat. Die Zeit, die Labes beim Füttern einsparen, wenden ihre Mitarbeiter für das Misten auf. Täglich wird abgeäppelt – das gilt für Boxen und Weiden gleichermaßen.

Zwischen den beiden Reithallen liegen Putzplatz und Sattelkammern.

Lichtdurchflutet sind alle Stallgassen
auf dem Fröhnerhof.

Für die Deckenverkleidung der Gastronomie an der Reithalle haben die Eigentümer die alte Reithallenbande genutzt.

Die Tiere müssen auf ihre Paddocks gehen, denn die Raufutterraufen stehen draußen.

Insgesamt stehen den 73 Pferden 27 Sommerweiden zur Verfügung. Aber auch im Winter ist für freie Bewegung gesorgt. Reichlich Trainingsmöglichkeiten bietet die Anlage zudem. Schulpferde- und Pensionspferdereiter nutzen diese gleichermaßen. Damit alles geordnet abläuft, gibt es einen Hallenbelegungsplan und einen separaten Stalltrakt für die Schulponys, die ebenfalls in Paddockboxen stehen.

Zwei Vereine sind auf der Reitanlage aus Tradition ansässig. Einmal im Jahr wird das große Sommerturnier ausgerichtet. Ein Highlight im Jahr für Eva Labes, die mit ihren Planungen noch lange nicht am Ende ist. Unter anderem soll noch eine Führanlage gebaut und die Geländestrecke wieder in Schuss gebracht werden. Vielfältige Bewegungsmöglichkeiten sind Eva Labes in der Pferdehaltung wichtig.

Jury-Urteil: Die Reitanlage aus dem Jahr 1991 wurde durchdacht erneuert und konzipiert. Toll ist, dass die Pferde viel Sozialkontakt haben und auch Reitschulunterricht gegeben wird. Die top-gepflegte Anlage überzeugt zudem durch vielfältige Bewegungsmöglichkeiten.

2. PLATZ: REITERHOF BECK (Teilkonzept)

Die neue Generation

Wer den Reiterhof Beck in Hammersbach in wenigen Worten beschreiben soll, kommt um zwei Begriffe nicht herum: „idyllisch” und „ruhig“. Das liegt vor allem an den zufriedenen Pferden, die viel Bewegung genießen dürfen und den ganzen Tag über kleine Rationen an Heu- und Kraftfutterstationen fressen können. So artgerecht wie möglich wollen Hannah und Irmgard Beck, die den Hof gemeinsam leiten, Pferde halten.

Bei der Planung ihres Neubaus setzten sie dieses Bestreben optimal in die Tat um. In zwei Herden, getrennt nach Geschlechtern, laufen die Pferde im großen Bewegungsstall. Insgesamt 50 Tiere können hier toben, sich wälzen, dösen oder von einem Futterstand zum nächsten laufen. Kurzum: Es gibt immer etwas zu tun – auch für die beiden Betriebsleiterinnen.

An den Bewegungsstall grenzt die große Weide­fläche, die den Pferden im Sommer zusätzlich zur Verfügung steht.

Verschiedene Tore regeln den Zugang zu den Heuraufen.

Im großen Funktionsgebäude sind Technik, Sattelkammern und Co. untergebracht.

Die Liegehallen in L-Form bieten den Pferden viel Platz für ein Nickerchen.

Jury-Urteil: Ein gut aufgeteilter Bewegungsstall, der fachmännnisch geführt wird. Für die Pferde stehen ausreichend Fressmöglichkeiten und Platz zur Verfügung. Im ausgezeichneten Teilkonzept gibt es keine Bedenken hinsichtlich eines erhöhten Verletzungsrisikos der Pferde.

Insgesamt stehen auf dem Hof 100 Pferde, 50 im Altbestand und 50 in dem vor einem Jahr in Betrieb genommenen Neubau, der eine Gesamtfläche von 1,3 Hektar hat. „Sowohl Sport- als auch Freizeitpferde stehen hier gemeinsam. Die meisten finden sich sehr schnell in die neue Haltungsform ein. Manche brauchen aber einige Wochen, um zu verstehen, dass sie sich selbst bewegen müssen, um Futter zu bekommen. Ihnen zeige ich dann immer wieder, wo was ist“, sagt Hannah Beck, die nach ihrem Master-Studium der Agrarwissenschaft in den Betrieb eingestiegen ist. Die Betreuung im Stall Beck ist individuell, die Versorgung der Pferde auch. Das Futter wird mittels Computertechnik für jedes Pferd bedarfsgerecht rationiert. Heu gibt es für viele Tiere unbegrenzt. In den Sommermonaten haben die Pferde zusätzlich Zugang zur Weide.

Im Funktionsgebäude, das an den Bewegungsstall grenzt, findet sich alles, was der Mensch so braucht: Putz- und Waschplatz, Sattel- und separate Deckenkammer, Toiletten und Reiterstübchen – selbstverständlich alles beheizt. Auch fürs Training bietet der Hof vielfältige Möglichkeiten. Neben den beiden Reithallen laden Außenplätze, Rennbahn und das direkt angrenzende Ausreitgelände zum Reiten ein.

3. PLATZ: HORSE AND MOOR HUUS

An den verschiedenen Futterstationen können die Pferde ihren Bedarf decken.

Die Boxenpferde bekommen tagsüber auf dem Paddock eine weitere Raufutterration.

Integrationsboxen
ergänzen den Aktivstall.

Vom Aktivstall geht es im  Sommer direkt auf die Weide.

Kein Pferd allein

Als Nadja Koop auf den landwirtschaftlichen Betrieb ihres Mannes zog, brachte sie die Pferde mit nach Lüchow in Schleswig-Holstein. Schnell war klar, dass auch Pensions-pferde auf den Hof ziehen sollen. 2009 entstand der erste Stalltrakt mit Paddockboxen, der seitdem ständig weiterentwickelt worden ist. Aus den 13 Einzelpaddocks machten Koops kurzerhand zwei große Ausläufe für die Pferde, die nun in Kleingruppen tagsüber draußen stehen – entweder auf dem Auslauf oder im Sommer auf der Weide. Abends geht es für sie in die Box. „Die Pferde haben so das ganze Jahr über viel Sozialkontakt, Bewegung und frische Luft. Das ist mir sehr wichtig“, sagt Nadja Koop. Auf ihrem Hof gibt es keine Einzelhaltung. Wie wichtig ihr und ihrem Mann dies ist, beweist der 2014 gebaute Aktivstall mit einer befestigten Lauffläche von 10.000 Quadratmetern. 25 Pferde genießen dort momentan ihren Alltag. Im Sommer geht es auch für sie zusätzlich auf die Weide, in den Wintermonaten bietet der befestigte Auslauf reichlich Bewegungsmöglichkeiten. Zum Ausruhen lädt hingegen die große, mit Stroh eingestreute Liegehalle ein. An verschiedenen Futterstationen können die Pferde ihren Bedarf decken.

Jury-Urteil: Ein gut geplanter Bewegungsstall mit ausreichend Platz für alle Pferde. Sozialkontakte der Pferde untereinander sind den Betreibern besonders wichtig.

Nadja Koop zeigt allen Einstellern täglich, wie viel und wie lange ihr Pferd gefressen hat. Eine Besonderheit des Horse and Moor Huus ist, dass das Raufutter von den eigenen Weiden und Äckern stammt. Heu, Heulage und Stroh für die etwa 40 Pferde einzufahren, ist eine der Aufgaben von Ulrich Koop. Rund 360 Hektar Ackerfläche bewirtschaftet der Landwirt. Der Aktivstall grenzt direkt an die Reithalle mit angeschlossenem Wasch- und Putzplatz, Sattelkammer und Reiterstübchen. Unmittelbar daneben liegen Longierzirkel und Außenreitplatz.

Auch vom Boxenstall sind die Trainingsmöglichkeiten nur wenige Meter entfernt. Das Horse und Moor Huus ist so gesehen eine Anlage der kurzen Wege. Für die Pferde gilt das allerdings nicht, sie müssen im Aktivstall mächtig Meter machen. Laut GPS-Messungen von Nadja Koop sind zehn Kilometer und mehr pro Tag keine Seltenheit.

SONDEREHRENPREIS: HOFGUT ROSENAU

Perfektes Klima herrscht auf den Stallgassen des Hofguts Rosenau.

Wenn weder Weide noch Training locken, entspannen die Pferde auf den Paddocks.

Jury-Urteil: Eine bis ins kleinste Detail durchdachte Anlage mit höchstem Komfort für Pferd und Reiter.

Kein Wenn und Aber

Im hessischen Dreieich entstand vor zwei Jahren das Hofgut Rosenau, eine Reitanlage vom Feinsten für Mensch und Pferd. Alle Pferde stehen in großen Paddockboxen, wenn sie nicht gerade trainiert werden oder auf Auslauf oder Weide das Pferdeleben genießen dürfen. Denn obwohl hier hochkarätige Dressurpferde stehen, ist freie Bewegung und Sozialkontakt für Betriebsleiter und Pferdewirtschaftsmeister Carl Cuypers das A und O in der Pferdehaltung.

Auf zwei Stallgassen finden sich insgesamt 22 Boxen. Der topgepflegte Betrieb und die 14 eingestallten Pferde werden von elf Mitarbeitern betreut. Für das Reiten der Pferde sind die beiden bis Grand Prix-erfolgreichen Dressurreiter Anna Nolte und Carl Cuypers verantwortlich. Zum Training können sie in die vollklimatisierte Reithalle gehen oder auf einem der beiden Außenplätze üben. Alternativ bietet sich die über das Gelände führende Rennbahn an.

Reichlich Bewegungsmöglichkeiten gibt es auch ohne Reiter. Neben den fünf Graspaddocks warten die Weiden im Sommer. Im Winter wird der eingezäunte Springplatz in fünf Sand-Paddocks eingeteilt und als Auslauffläche genutzt. Das Besondere daran ist, dass bei der Planung bereits fünf Tore für den Reitplatz vorgesehen wurden. Er lässt sich also relativ einfach umfunktionieren. Dass Pferdeleute bei der Planung der Anlage am Werk waren, lässt sich an vielen Details ablesen. So schließt die Tür in der Reithalle bodentief ab, damit kein Pferdehuf sich im Spalt unter dem Tor verkanten kann. Alle Türen auf dem Hofgut lassen sich übrigens auch durch Schalter betätigen, die auf Reiterhöhe angebracht sind. Absteigen ist also nicht nötig.

Wer schon einmal lange Nachmittage in der Reithalle verbracht hat, weiß, wie kalt es werden kann. Daher ist die in die Bande eingelassene Eckbank beheizbar. Frieren muss hier niemand. Auch Putz- und Waschbereich sind beheizbar, in den Stallungen herrscht hingegen ein natürliches Klima. Die Paddockboxen werden ganzjährig genutzt und täglich gemistet. Vom Mitarbeiterbereich hat man durch ein Panoramafenster einen Teil der Boxen im Blick.

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