Turniersportumfrage 2014: Teil 2

So wünschen sich Reiter ihr Turnier

Was, glauben Sie, prägt das Image eines Turniers am nachhaltigsten? Die Starterzahl, der gesellschaftliche Stellenwert oder die Höhe der Preisgelder? Weit gefehlt. Für über 80 Prozent der Turnierreiter zählt vor allem eines: die Qualität des Bodens. Das ergab die große Turniersportumfrage, zu der die FN mit Unterstützung des Göttinger Marktforschungsunternehmens HorseFuturePanel aufgerufen hatte. 23.522 Teilnehmer sorgten für eine Rekordbeteiligung.  

Insgesamt sollten die Befragten die sieben wichtigsten Kriterien auswählen, die aus ihrer Sicht ein gutes Turnier ausmachen. Vier Mal so viele Aspekte standen zur Auswahl. „Viele hätten gerne noch mehr angekreuzt. Aber es ging ja in erster Linie darum herauszufinden, wo genau die Reiter und Zuschauer ihre Prioritäten setzen“, erklärt Fritz Otto-Erley, Leiter der FN-Abteilung Turniersport. Und die waren eindeutig. Für 84,5 Prozent der befragten Turnierreiter und immerhin 77,5 Prozent der Turnierbesucher ist das Geläuf auf dem Turnier- und Vorbereitungsplatz der entscheidende Faktor.

 

Hoch bewertet: Zeiteinteilung, Organisation und Richter

Nahezu gleichbedeutend in der Gunst der Teilnehmer folgen die Aspekte „sinnvolle Zeiteinteilung“ (61,4%), „gute Organisation allgemein“ (59,9%) und „Qualität der Richter“ (59,0%) auf den Plätzen zwei bis vier. Bemerkenswert daran ist, dass das Thema Richter bei den Zuschauern mit 64,9 Prozent Zustimmung einen noch höheren Stellenwert genießt als bei den Aktiven selbst. „Aus den Anmerkungen geht hervor, dass gerade die Zuschauer von den Richtern nicht nur eine gerechte, unparteiische und unvoreingenommene Bewertung der Leistungen erwarten, sondern auch das Einschreiten bei Fehlverhalten von Aktiven, Trainern oder deren Begleitern“, erläutert Fritz Otto-Erley. Vervollständigt wird die Top Sieben der Erfolgskriterien für ein gutes Turnier durch ein weiteres, nahezu gleichwertiges Trio: „eine gut organisierte Meldestelle“ (51,9%) sowie „große Vorbereitungsplätze“ und „ein gutes Zeitmanagement in der Umsetzung der Zeiteinteilung“ (jeweils 51%).

 

Wo bleibt der gesellschaftliche Stellenwert?

Beachtenswert sind aber nicht nur die Spitzenreiter, auch das Ende der Kriterienliste ist interessant und dürfte viele Veranstalter überraschen: Gastronomie (8,6%), sportlicher Stellenwert (6,0%), Publikum (1,5%), Rahmenprogramm (1,4%) und große Starterfelder (1,3%) spielen in den Augen der Turnierreiter eine eher untergeordnete Rolle. Das Schlusslicht macht gar der gesellschaftliche Stellenwert, den nur 1,1 Prozent der Befragten als wichtig erachten. „Es ist nachvollziehbar, dass das für den einzelnen Turnierreiter nicht wichtig scheint“, sagt Otto-Erley. „Fakt ist aber, dass die Akzeptanz des Pferdesports im gesellschaftlichen Umfeld eines Turniers und der Kontakt zu lokalen Größen aus Politik und Wirtschaft irgendwann einmal entscheidend sein können. Man denke hier nur an Themen wie die Pferde­steuer“, so Otto-Erley.

 

Das leidige Thema Geld

Ebenfalls unter „ferner liefen“ finden sich Kriterien wie das „gute Preis-Leistungs-Verhältnis“ und „hohe Preisgelder“. Gerade einmal für 8,4 bzw. 3,5 Prozent der befragten Reiter spielen die Finanzen eine ernsthafte Rolle bei der Bewertung eines Turniers. Andererseits würden nur 18 Prozent höhere Kosten akzeptieren oder ganz aufs Preisgeld verzichten (21,5%), wenn dafür ein Turnier ihren sieben Wunschkriterien entspräche. Die Anmerkungen zu dieser Frage unterstreichen diese Haltung. Rund 44 Prozent tendieren dazu, keinerlei Abstriche machen und auf nichts verzichten zu wollen, „da die Kriterien Normalität sein sollten“. Am größten ist noch die Bereitschaft, zugunsten eines guten Turniers eine weitere Anfahrt in Kauf zu nehmen (68,5%), während 44,1 Prozent einen höheren Zeitaufwand betreiben würden. Auf eine Prüfung verzichten würden 30,5 Prozent, während 29,6 Prozent auch Urlaub für ein besonders schönes Turnier nehmen würden (29,6%).

Traumturniere mit Seltenheitswert

„Diese Haltung verwundert doch etwas. Die Umfrage hat nämlich auch ergeben, dass ‚Traumturniere‘ in den Augen der Reiter offenbar Seltenheitswert haben“, sagt Otto-Erley. Gerade einmal 2,2 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass der überwiegende Teil der Turniere in der Umgebung (80 bis 100%) ihren sieben Wunschkriterien entspricht. Für 70 Prozent ist es sogar weniger als die Hälfte aller Turniere, die ihren speziellen Ansprüchen gerecht wird. Da jedoch Angebot und Nachfrage von jeher den Markt regeln, brauchen sich die meisten Turnierveranstalter wohl wenig Sorgen zu machen. Im Gegenteil: Nennungszahlen in Rekordhöhe zwingen immer mehr Veranstalter zur Startplatzbegrenzung, um ihre Zeiteinteilung im vernünftigen Rahmen zu halten.

 

„Mehr Prüfungen für Wiedereinsteiger, bitte“

Boden, Vorbereitungsplätze, Organisation, Richter, Zeiteinteilung und Zeitmanagement – sie sind also aus Sicht der Aktiven die wichtigsten Faktoren für ein gelungenes Turnier. Doch wie sieht es mit der Ausschreibung aus? Wo sollten die Veranstalter nachlegen und wo reicht das Angebot aus? Rund die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass es besonders an Prüfungen für Spät- und Wiedereinsteiger fehlt, knapp 40 Prozent vermissen kombinierte Prüfungen aus verschiedenen Disziplinen sowie Mannschaftsprüfungen. Zu wenig angeboten werden auch geschlossen ausgeschriebene Aufbauprüfungen für junge Pferde. Dieser Meinung sind 36,1 Prozent der Befragten, während umgekehrt 46,2 Prozent die Zahl der offen ausgeschriebenen Jungpferdeprüfungen für ausreichend hält. Insgesamt sieht etwas mehr als die Hälfte (52,7%) den Bedarf an geschlossenen Prüfungen generell als gedeckt an, ebenso wie an Dressurreiterprüfungen (51,4%). Ähnliches gilt auch für WBO-Wettbewerbe (44,9%).

 

Fazit

„Die Umfrage hat gezeigt, welche Wünsche unsere Reiter an ein Turnier haben. Oder besser gesagt, bestätigt, denn die Erkenntnisse sind ja nicht so überraschend. Ich glaube, dass schon jetzt die meisten Veranstalter bemüht sind, ihr Turnier genau danach auszurichten, auch wenn aus nachvollziehbaren Gründen manchmal Grenzen bestehen. So können eben z.B. nicht alle Prüfungen am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr stattfinden, so schön das sicher für alle Beteiligten wäre“, zieht Fritz Otto-Erley sein Fazit. „Insgesamt scheint es aber so, dass zunehmend Rücksicht auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Zielgruppen genommen wird. Nach wie vor ausbaufähig ist das Angebot für ältere, berufstätige Amateure. Dabei wird diese Zielgruppe angesichts der weniger werdenden Kinder und Jugendlichen in Deutschland immer wichtiger, nicht nur für den Turniersport, sondern auch für Pferdesport und Pferdezucht allgemein.“

Uta Helkenberg

 

Sie haben mitgemacht

23.522 Personen beteiligten sich an der aktuellen Online-Umfrage, darunter 95 Prozent aktive Pferde­sportler, 91 Prozent Frauen und 89 Prozent Pferdebesitzer. Im Mittel sind die Probanden 31 Jahre alt. Rund 30 Prozent sind verheiratet (2011: 58%), elf Prozent haben Kinder (2011: 28%). 40 Prozent stammen aus dem Westen, 29 Prozent aus dem Norden, 21 Prozent aus dem Süden und neun Prozent leben im Osten Deutschlands. 89 Prozent besitzen eine Jahresturnierlizenz, etwa die Hälfte der Turnierreiter nimmt an bis zu zehn Turnieren im Jahr teil, ein weiteres Viertel startet auf bis zu 15 Turnieren. Die übrigen sind absolute Vielstarter, knapp fünf Prozent sind sogar auf mehr als 25 Veranstaltungen pro Jahr sportlich unterwegs. Die Ein-Pferd-Reiter machen inzwischen mit 45,2 Prozent weniger als die Hälfte aller Turnierreiter aus. 33,3 Prozent bringen zwei Pferde, weitere 10,5 Prozent durchschnittlich drei Pferde pro Jahr an den Start. 8,6 Prozent der befragten Spring- und 7,5 Prozent der befragten Dressurreiter gehören der Option B an.

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