Mentorensystem: Erster Erfahrungsaustausch in Warendorf am 17. März

Von erfahrenen Trainern lernen

Lernen muss man ein Leben lang – das weiß jeder Reitlehrer, der schon einmal an seine Grenzen gestoßen ist. Unterstützung biete das neue Mentorensystem, das sich besonders an junge und noch weniger erfahrene Trainer richtet. Das Mentorensystem, das seit 2014 Bestandteil der APO, der Ausbildungs- und Prüfungsordnung der FN, ist, erläutert Eva Lempa-Röller, Referentin in der FN-Abteilung Ausbildung, im Interview.

PM-Forum: Welcher Grundgedanke hat zur Einführung hat zur Einführung des Mentorensystems geführt?
Eva Lempa-Röller: Die FN geht mit ihren Landes- und Anschlussverbänden hier einen neuen Weg. Mit dem System des Mentorings bieten wir ein praxisnahes Konzept an, das die individuelle Aus- und Fortbildung der Trainer noch optimieren soll. Wichtig ist es uns, den vorhandenen Erfahrungsschatz der etablierten Ausbilder zu nutzen und an die nachfolgende Generation weiterzugeben.

PM-Forum: An welche Zielgruppe richtet sich das Mentorensystem genau?
Lempa-Röller: Wir wollen angehenden oder noch nicht so erfahrenen Reitlehrern, aber auch bereits seit vielen Jahren in der Ausbildung tätigen Menschen die Möglichkeit geben, von einem kompetenten Mentor unterstützt zu werden, um sich weiterzuentwickeln. In der Praxis ist es doch so, dass die Trainer C, B oder A einmal ihre Prüfung gemacht haben, aber die reicht in aller Regel nicht aus, um ein Leben lang qualitätsvollen Unterricht zu erteilen. Natürlich steht es jedem frei, sich auf Lehrgängen oder Seminaren bei seinem Landesverband oder hier bei der FN in Warendorf weiterzubilden, aber das Mentorensystem setzt ganz gezielt bei individuellen Fragestellungen oder Schwierigkeiten des einzelnen, noch wenig routinierten Trainers an.

PM-Forum: Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen? Sind Mentoren so etwas wie alte Patenonkel, die ein Dutzend junge Reitlehrer unter ihre Fittiche nehmen?
Lempa-Röller: Naja, ganz so sicher nicht. Mentoren sind keine Überväter, sondern sollen als Partner verstanden werden. Das heißt, der routinierte Trainer steht in einem vertrauensvollen Dialog mit dem seinem unerfahrenen Kollegen. Es entsteht keine Prüfungssituation, in der sich junge Mensch beweisen und gute Noten sammeln muss, sondern angestrebt wird eine Beziehung auf Augenhöhe, die von gegenseitigem Respekt getragen wird. Das ganze System kann nur zum Erfolg führen, wenn die Chemie zwischen Beiden stimmt. Und da sind Freiwilligkeit, Vertraulichkeit und das Fehlen von Hierarchien unabdingbare Voraussetzungen. Um es noch mal klar zu sagen: Das Mentorensystem ist eine Riesenchance, sich ohne Druck und Prüfungsstress mit einem erfahrenen Trainer fachlich auszutauschen und fortzubilden.

PM-Forum: Wer wird denn Mentor und wie finde ich als junger Reitlehrer einen zu mir passenden Mentor?
Lempa-Röller: Die Landesverbände sprechen Trainer an, die sie für geeignete Mentoren halten, oder Ausbilder wenden sich an ihre Landesverbände, wenn sie Interesse daran haben, in den Mentorenpool aufgenommen zu werden. Derzeit haben wir rund 150 Mentoren in Deutschland, aber wir peilen insgesamt 200 an. Dies sind routinierte und erfolgreiche Ausbilder, viele von ihnen Pferdewirtschaftsmeister. Auch Fachschulen und Landesreit- und Fahrschulen sind mit im Boot. Die Trainer können sich an die Landesverbände wenden und nach einem Mentor fragen. Und dann gibt es zwei Möglichkeiten: Der junge Reitlehrer fährt zu seinem Mentor auf dessen Anlage, bespricht seine Fragen, hospitiert oder erteilt in Absprache mit dem Mentor Unterricht. Die zweite für den Mentor sicher etwas aufwändigere Möglichkeit ist der Besuch auf der Anlage des jungen Trainers. Der Mentor hat hier natürlich die besten Möglichkeiten, das Training mit den Schülern und Pferden seines „Schützlings“ zu beobachten und hinterher mit ihm zu besprechen.

PM-Forum: Geht es allein um allgemeine Unterrichtserteilung oder ist auch disziplinspezifisches Training geplant?
Lempa-Röller: Die Verbesserung der Unterrichtskompetenz steht klar im Vordergrund, aber natürlich sollen ebenso Schwerpunkte in Dressur, Springen, Geländereiten, Voltigieren und Fahren herausgearbeitet werden. Selbstverständlich sind auch zielgruppenspezifische Fortbildungen, wie zum Beispiel Kinderreitunterricht oder etwa erwachsene Reitanfänger, denkbar.

Informationen zum Mentorenseminar am 17. März bei der FN in Warendorf erteilt Eva Lempa-Röller unter Rufnummer 02581-6362173 oder ELempa-Roeller@fn-dokr.de

PM-Forum: Wie machen Sie das Mentorensystem im Lande bekannt?
Lempa-Röller: Es gibt drei Kommunikationswege. Im Vorbereitungsseminar auf die Prüfung zum Trainer C werden die angehenden Ausbilder zum ersten Mal über das Mentorensystem informiert. Nach Trainer C-Abschluss müssen die Absolventen ihre DOSB-Ausbilderlizenz über Fortbildungen erhalten. Diese ist auch bei einem Mentor möglich. Und schließlich: Wer Trainer B werden will, ist zu Lerneinheiten bei einem Mentor verpflichtet.

PM-Forum: Gibt es eine Erfolgskontrolle?
Lempa-Röller: Erarbeitet wurde eine Dokumentationsvorlage, in die der ratsuchende Trainer seine Fragen notiert und kurz skizziert, was er gelernt hat, was ihm besonders auffiel, wo er Wiederholungsbedarf hat usw. Dies wird mit dem Mentor besprochen und hilft beim nächsten Treffen.

PM-Forum: Wer trägt die Kosten des Mentorensystems? Muss der Trainer Gebühren zahlen?
Lempa-Röller: Diese Frage beantworten die Landesverbände sehr individuell, da haben wir noch keine klare Richtschnur. Westfalen beispielsweise hat bereits Pilotprojekte zum Mentorensystem angeboten. Dort läuft Vieles auf ehrenamtlicher Ebene. Diese Fragen werden wir sicherlich in Kürze weiter diskutieren. Am 17. März laden wir alle Mentoren und Vertreter der Landesverbände zu einem ersten Erfahrungsaustausch und einer Schulung nach Warendorf ein. Von diesem Treffen erhoffe ich mir wertvolle Impulse für die zukünftige Arbeit.

Das Gespräch führte Susanne Hennig.

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