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Saisonfazit von DOKR-Chef Dr. Dennis Peiler

Spitzensport auf Reformkurs

Mit 60 Medaillen auf internationalen Championaten, darunter 27 goldenen, kann der deutsche Pferde­sport höchst zufrieden auf die Saison 2017 zurückblicken. Kein Grund allerdings, sich auf den Erfolgen auszuruhen, sagt Dr. Dennis Peiler, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR), und erläutert im Interview, wie das DOKR den Spitzensport zukünftig aufstellen möchte.

Mannschafts-Gold und zweimal Einzel-Gold: Isabell Werth und die Oldenburger Stute Weihegold OLD erzielten das Maximalmaß bei der Europameisterschaft in Göteborg. Fotos: Stefan Lafrentz

PM-Forum: Mit bislang 60 Medaillen in diesem Jahr waren die deutschen Pferdesportler im Senioren- wie im Jugendbereich auf Welt- und Euro-pameisterschaften quer durch alle Disziplinen höchst erfolgreich. War 2017 das beste Jahr in der DOKR-Geschichte?

Dr. Dennis Peiler: Nein, wir bewegen uns seit einigen Jahren auf einem in etwa gleichbleibenden Niveau. Natürlich gibt es immer mal wieder Schwankungen beispielsweise durch den Wechsel der Jugendlichen in die nächst höhere Altersklasse. Aber wir freuen uns sehr, dass wir diese hohe Leistungsdichte halten können.

PM-Forum: Gibt es eine herausragende Disziplin?

Peiler: Besonders erfolgreich hat sich die Dressur bei den Meisterschaften präsentiert. Die Senioren gewannen in Göteborg fünf Medaillen, davon dreimal Gold, aber auch im Nachwuchsbereich verzeichnen wir grandiose Ergebnisse: U16, U18, U21 und U25 holten alle Mannschaftstitel und fast alle Einzel-Goldmedaillen. Wobei ich sagen muss, dass gerade die wichtige Altersklasse der bis 25-Jährigen auf dem Weg in den Senioren-Grand-Prix-Sport international stark gewachsen ist. Team-Gold war hier eine sehr schwer erkämpfte Medaille. Diese vielen Erfolge zeigen einmal mehr, wie sinnvoll und schlüssig unser Ausbildungs- und Aufbausystem ist.

PM-Forum: Im Springen sind Sie bei den Senioren mit einem sehr jungen Team in Göteborg angetreten. Für eine Medaille hat es nicht gereicht. War die Mannschaft die richtige?

Peiler: Auf jeden Fall, wir haben die richtige Entscheidung getroffen, jungen Leuten eine Chance zu geben. Im Springsport ist Vieles im Umbruch. Bewährte Stützen der Mannschaft, wie Ludger Beerbaum, stehen nicht mehr zur Verfügung, ebenso wenig die einstigen Championatspferde. So war es konsequent, die jungen Aktiven Laura Klaphake, Maurice Tebbel und Simone Blum nach Göteborg zu schicken. Und wer gesehen hat, wie sich die erst 23-jährige Laura Klaphake von Parcours zu Parcours gesteigert hat, der kann keinen Zweifel an ihrer Nominierung gehabt haben. Ich habe schon zu Saisonbeginn gesagt, das EM-Jahr ist ein Testjahr, in dem wir neue Reiter und Pferde ausprobieren wollen. Medaillen standen nicht im Fokus. Und mit Platz  fünf hat sich die Mannschaft ja auch nicht schlecht geschlagen. Eine Medaille war absolut in Reichweite.

PM-Forum: Werfen Sie bitte noch einen kurzen Blick auf die Saisonbilanz der übrigen Disziplinen.

Peiler: Ich will hier nicht die vielen Medaillen auflisten, nur soviel: In der Vielseitigkeit erreichte Ingrid Klimke ihren ersten Einzeltitel, das hat uns natürlich sehr gefreut. Die Junioren und Jungen Reiter haben mit ihren neuen Bundestrainern Julia Krajewski und Frank Ostholt fünf Medaillen geholt. Die neue Trainerkonzeption hat also gut funktioniert. Unsere Voltigiersportler haben ebenfalls bei ihren Championaten Herausragendes zur Medaillenausbeute dieses Jahres beigetragen. Im Vierspännersport hat die Zusammenarbeit mit Boyd Exell Früchte getragen, ich glaube, wir haben die niederländischen Seriensieger in diesem Jahr mächtig geärgert. Die Spanne zwischen Platz eins und unserem Platz zwei ist jedenfalls kleiner geworden. In der Westerndisziplin Reining schnitten unsere Reiter ebenfalls sehr gut ab und mit der jungen Gina Schumacher haben wir auch die erste Weltmeisterin bei den Jungen Reitern in unseren Reihen.

PM-Forum: Im Para-Sport ging diesmal ein Team aus Grade  I bis III an den Start, also Reiter mit den stärksten körperlichen Beeinträchtigungen. Eine Mannschaftsmedaille blieb aus. Warum wurden nicht die stärkeren Reiter aus Grade IV und V berücksichtigt?

Peiler: Ja, eine Mannschaftsmedaille wurde erstmals seit zehn Jahren verpasst, aber alle vier Reiter kehrten mit einer Einzelmedaille heim. Wir haben die Besten entsandt, die die höchsten Prozentpunkte erzielen können. Und das waren in diesem Jahr die Reiter aus den unteren Grades. Im nächsten Jahr kann dies schon wieder anders aussehen, wenn wir starke Paare in Grade IV und V haben.

PM-Forum: Wie sieht es mit dem „Sorgenkind“ Distanzsport aus?

Peiler: In dieser Disziplin hat sich viel Positives getan. Wir haben die Qualifikationskriterien für Championate deutlich verschärft. Erstmals stellt Deutschland mit Sabrina Arnold einen Europameister. Die Mannschaft ist zwar beim Championat geplatzt, war aber bis zu den letzten tierärztlichen Überprüfungen noch auf Medaillenkurs. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit der Distanz auf einem guten Weg sind.

In ihrer langen und von vielen Mannschaftsmedaillen gekrönten Karriere ritt Ingrid Klimke jetzt in Strzegom mit Horseware Hale Bob OLD zu ihrer ersten Einzel-Goldmedaille.

PM-Forum: Dann könnte sich das DOKR ja eigentlich auf seiner guten Jahresbilanz ausruhen und ganz gelassen in die Zukunft schauen…

Peiler: (lacht) Ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil, wir stellen derzeit vieles auf den Prüfstand und befinden uns in einer Phase der Neuorientierung. Der DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund, die Red.) erarbeitet völlig neue Förderkonzepte für seine Mitgliedsverbände. Das heißt, die Mittelzuweisungen aus dem Bundesinnenministerium werden erfolgsabhängig und perspektivisch berechnet.

Da die olympischen und paralympischen Pferdesportdisziplinen zu den erfolgreichen Sportarten unter dem Dach des DOSB zählen, sind wir in einer komfortablen Situation. Die Reformen des DOSB beinhalten auch völlig neue Kaderstrukturen. A/B/C-Kader wie bislang wird es bald nicht mehr geben, sondern nur noch Olympiakader, Perspektivkader und Nachwuchskader – mit Obergrenzen und neu definierten Fördergrundsätzen. Diese Strukturen prägen naturgemäß auch die Arbeit des DOKR.

PM-Forum: Der Laie blickt kaum noch durch. Es gibt DOKR-Kader, -Perspektivgruppen, disziplinspezifische Förderprojekte wie den Piaff-Förderpreis oder den U25 Springpokal, neuerdings auch noch die Trainerakademie des DOKR… Wo setzen Sie die Schwerpunkte?

Peiler: Alle Maßnahmen und Initiativen dienen einem großen Ziel, nämlich die Quantität und Qualität unserer Sportler kontinuierlich zu verbessern. Die Trainerakademie hat den Auftrag, Toptrainer aus- und fortzubilden und sie mit den Bundestrainern zu vernetzen. Denn nur wenn die Aktiven im Training optimal betreut werden, können sie ihre Leistung verbessern. Manche talentierte Reiter beispielsweise haben weit und breit keinen geeigneten Trainer in ihrer Nähe. Für sie müssen Fördermaßnahmen und Lehrgänge organisiert werden. Die Ausbildung von Reiter und Pferd steht und fällt nun einmal mit der Qualität der Trainer. Vorausgesetzt natürlich, die Reiter haben auch die geeigneten Pferde.

PM-Forum: Aber am DOKR und am Bundesleistungszentrum gibt doch bereits eine Fülle von Lehrgängen und Seminaren. Bringt das alles nichts?

Peiler: Doch natürlich, aber wir hinterfragen derzeit unsere gesamten Lehrgangsstrukturen, ob sie effizient genug sind und wo Verbesserungen sinnvoll und nötig sind. Ich will das mal an dem Beispiel der Children der Disziplin Springen deutlich machen. Das Reiten ist für die Kinder die eine Sache, aber sie müssen auf ihrem Weg in den Spitzensport weit mehr lernen. Trainingslehre gehört dazu, ebenso das Wissen um die Bedürfnisse des Pferdes mit Blick auf Haltung, Fütterung, Hufbeschlag, Turniermanagement usw. Besonders bei den Jüngeren muss das handlungsorientierte Lernen mehr im Vordergrund stehen. Kleines Beispiel: Zu den Lehrgängen wird künftig je nach Schwerpunktthema ein Parcourschef eingeladen, der mit den Kindern zusammen einen Parcours baut und ihnen so die Zusammenhänge erklärt. Wir stellen jetzt Lehrgangsmodule zusammen, die ab 2018 alle Nachwuchsreiter von den Children bis hin zu den U25-Reitern besser auf den Spitzensport vorbereiten und ihnen den Weg erleichtern sollen.

PM-Forum: Neben all diesen Aufgaben steht ja noch die Vorbereitung der Weltreiterspiele im kommenden September in Tryon/USA auf dem Programm. Wie ist der Stand der Planungen?

Peiler: Im Vergleich mit den bisherigen Weltreiterspielen wären wir mit der Planung jetzt schon fast fertig, aber für Tryon haben wir gerade erst so richtig begonnen. An der Qualität der Sportstätten gibt es keinen Zweifel, aber das Hauptproblem ist die Unterbringung der Aktiven und der Begleitmannschaft. Es sollen noch Hotels für die Sportler gebaut werden, aber bislang ist dort nicht viel geschehen. Das Umland bietet zwar Hotels und Motels, aber man wird lange Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen.

Ein junges Team mit zwei Routiniers trat bei der EM in Göteborg an und schlug sich wacker: (v.l.) Philipp Weishaupt, Laura Klaphake, Maurice Tebbel, Simone Blum, Marcus Ehning und Bundestrainer Otto Becker.

PM-Forum: Zwei Testevents, die jetzt im Herbst geplant waren, wurden schon abgesagt. Glauben Sie wirklich, dass die Weltreiterspiele dort stattfinden werden?

Peiler: Ich gehe davon aus, dass die Organisatoren innerhalb der nächsten elf, zwölf Monate die entsprechende Infrastruktur schaffen werden. Ja, nach allem, was ich höre, bin ich doch recht optimistisch.

PM-Forum: Viele Pferde und noch mehr Sportler müssen in die USA geflogen werden. Das wird sicher enorme Summen verschlingen, wie 2010 in Kentucky. Wie kann das DOKR den finanziellen Kraftakt schaffen?

Peiler: Wir gehen von über 50 Pferden in den acht Disziplinen aus. Sie werden wieder mit der erfahrenen Spedition Peden Bloodstock geflogen. Wir wissen schon seit langem, dass die Weltreiterspiele 2018 große Summen verschlingen werden, denn vor Tryon stand ja Bromont in Kanada als Ausrichter fest. Dort konnte das Championat aber bekanntlich aus finanziellen Gründen nicht stattfinden Wir konnten also in den letzten Jahren Rücklagen bilden. Die vier olympischen und paralympischen Disziplinen Springen, Dressur, Vielseitigkeit und Para-Dressur werden aus Mitteln des Bundesinnenministeriums bezahlt, die vier übrigen Diszi-plinen aus Eigenmitteln und Spenden.

PM-Forum: Wird Deutschland denn mit allen Disziplinen vertreten sein?

Peiler: Wir haben in unseren Gremien, einschließlich Präsidium, ein klares Votum erzielt: Die Pferde-sportnation Deutschland soll in allen acht Dis-ziplinen präsent sein. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die Aktiven entsprechende Vorleistungen erbracht und reelle Medaillenchancen haben. Einen Championatstourismus finanzieren wir definitiv nicht. In den olympischen und para-lympischen Disziplinen sind die Weltreiterspiele Qualifikation für die nächsten Spiele 2020 in Tokio. Natürlich wollen wir in Tryon das Ticket für Japan lösen.

Das Gespräch führte Susanne Hennig

Tryon 2018: Jetzt Reisepakete buchen

Persönliche Mitglieder reisen mit, wenn im Tryon International Equestrian Center vom 11. bis 23. September 2018 die Weltmeisterschaften in acht Disziplinen ausgetragen werden. Reisepakete, die in bewährter Manier ein Hotel, Tickets, täglichen Transfer, Treffen mit den deutschen Teams, ein attraktives Ausflugsprogramm und FN-Reiseleitung umfassen, können ab sofort gebucht werden. Die ausführliche Reiseausschreibung finden Sie hier.

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