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Auf zum Abzeichen!

Was für ein tolles Gefühl, sein Abzeichen am Ende des Prüfungstages in der Reithosentasche zu haben. Davor ist allerdings die Aufregung oft groß: Kann ich mir den Parcours merken? Wo liegen meine Gerte und Reithandschuhe? Und wie war das nochmal mit den halben Paraden? Wir haben eine Gruppe junger Abzeichen-Absolventen bei ihrer Prüfung begleitet.

Zwei Vereine – eine Prüfung. Am Ende haben alle Teilnehmer bestanden. Fotos: J. Stroscher

Da liegen sie silbern glänzend in der Sonne: Die von Pferdemaler Jan Künster gestalteten Abzeichen im Pferdesport – jedes in einer anderen Farbe und mit einem schönen Disziplinmotiv. Lehrgangsleiterin und Ausbilderin Sylvia Bobrink hat sie schon mal auf die Bank vor der Reithalle gelegt, um zu zählen, ob auch alle komplett sind. Heute geht es um sieben Basispässe, vier Longierabzeichen  LA 5, ein Reitabzeichen RA 7, sieben Reitabzeichen RA 5 und drei Reitabzeichen RA 4. Vereinsmitglieder des RFC Niedersachsen-Eiche und des RFV Wehlermühle stehen seit Sonntagmorgen acht Uhr pünktlich vor der Halle auf der Reitanlage der Familie Wikner im niedersächsischen Bruchhausen-Vilsen. Nach anderthalb Monaten intensiver Vorbereitung geht es jetzt darum, den beiden Richterinnen Dagmar Dux und Christine Runge zu zeigen, dass man ein weiteres Stück auf seinem Ausbildungsweg im Pferdesport geschafft hat. Und das geht für die Basispass-Prüflinge los in der Stallgasse, wo eine Menge Utensilien vom Hufkratzer bis zum Sattel aufgebaut sind. Gut, wenn man so selbstbewusst ist wie Luna, die gar nicht mehr zu stoppen ist, wenn es darum geht, am Sattel alle Fachbegriffe der Einzelteile aufzuzählen und zu erklären, welche Funktion sie haben. Im gemeinsamen Gespräch mit den jungen Pferdesportlern möchten die Richterinnen mehr erfahren über die Themen Pferdepflege, Ausrüstung und Fütterung. Das ist besonders toll für die ganz jungen Reitabzeichen-Absolventen, die nicht mehr bloß Texte auswendig lernen müssen, sondern direkt zeigen können, dass sie das Gelernte verstanden haben und bereits am Pferd richtig umsetzen können.

Die Absolventen des RA 4 absolvieren ein Stilspringen der Klasse A.

Lob für die Bodenarbeit

Draußen steht ein Pferdehänger bereit. Wie gut, dass das ausgewählte Pferd „megabrav“ ist und sich ganz vorschriftsmäßig verladen und auch wieder abladen lässt. Dabei erklären die Prüflinge, worauf es beim sicheren Verladen ankommt. Mit diesem Part sind die Richter schon mal zufrieden und merken, dass sich die erste Aufregung bei den Teilnehmern legt. So ist zwischendurch auch mal Zeit für einen lustigen Spruch und selbst den am Anfang noch eher schüchternen Brüdern Lasse und Finn huscht ein Lächeln über das Gesicht. Die Jungs möchten heute ihr RA 7 (Lasse) und RA 5 (Finn) ablegen. Dafür müssen sie jetzt noch schnell ihr Familienpony auftrensen, das die Brüder heute durch die Prüfung begleitet.

Sylvia Bobrink sortiert ihre Schützlinge mit den passenden Vierbeinern vor dem Eingang der Halle. So entstehen keine langen Wartezeiten zwischen den Stationsprüfungen.

Mit Schulpferden und eigenen Pferden müssen die Kinder und Jugendlichen jetzt zeigen, wie man den Stangenparcours am Boden bewältigt, sein Pferd in Tempo und Richtung jederzeit gut im Griff hat und weiß, wie sich die Pferde beim Vormustern gut präsentieren. Auch hier suchen die Richterinnen das Gespräch und möchten zum Beispiel gerne wissen, wie man das Tempo des Pferdes beim Führen beeinflussen kann. Bei dieser Station merkt man, wie gut sich alle vorbereitet haben. Dann zeigen die vier Voltigierer in der Praxis für das LA 5 das korrekte Longieren mit den Vereinspferden. Hier geht es auch um die richtige Verschnallung der Ausrüstung sowie Kenntnisse zum Thema Tierschutz.

Wie lief meine Dressur- und Springprüfung? Im Gespräch mit den Richtern reflektiert jeder seine Ritte.

Begehrte Abzeichennadeln

Anschließend wird der Springparcours aufgebaut. Eltern, Geschwister und engagierte Helfer packen sofort mit an. Lasse, der einzige Absolvent für das RA 7, muss mit seinem Pony das Reiten im Leichten Sitz und über Bodenricks zeigen. Für die anderen geht es schon höher hinaus. Im Springparcours überprüfen die Richter für das RA 5 das Reiten im leichten Sitz und ein Stilspringen der Klasse E. Sie beurteilen Sitz und Einwirkung des Reiters und wie harmonisch die gestellten Aufgaben bewältigt werden. Außerdem zählt natürlich der Gesamteindruck. Auch Finn schafft den Springparcours ganz gut, wenn auch ein bisschen schnell. Im späteren Gespräch über seinen Ritt, der im gemütlichen Reiterstübchen stattfindet, hat er rasch erkannt, woran er noch arbeiten sollte: „In der Dressurprüfung muss ich die Abstände besser einhalten. Beim Springen bin ich zu schnell galoppiert und werde darauf achten, mehr Gewichtshilfen zu geben und die Sprünge mittig anzureiten.“

 

Hoch hinaus im Parcours

Die drei Absolventen des RA 4, Mareike, Lukas und Maren, sind schon sehr routinierte Parcoursreiter und zeigen den jüngeren Teilnehmern, wie man die Sprünge kontrolliert anreitet und ein passendes Grundtempo wählt. Sie müssen ein Stilspringen der Klasse A zeigen, für das es wie beim RA 5 Teilnoten gibt. Nun stehen noch die Dressuraufgaben an. Für das RA 5 stellen die Prüfungsteilnehmer ihre Pferde zu zweit in Dressurreiteraufgabe in Anlehnung an die Klasse E vor und zeigen dabei das Reiten ohne Bügel im Trab. Die Richter lassen auch in die Bewertung einfließen, wie ausbalanciert und losgelassen die jungen Pferdesportler bereits im Sattel sitzen.

Noch ein bisschen anspruchsvoller wird es beim RA 4, wo eine Dressurreiterprüfung der Klasse A auf dem Programm steht. Diejenigen, die schon fertig sind mit dem Reiten dürfen sich bei heißen Würstchen, Salaten, Brötchen und Kuchen im Reiterstübchen stärken, bevor es noch mal gilt, alle Konzentration zusammenzunehmen. Von Lasse möchten die Richterinnen im Abschlussgespräch gerne mehr zu den Themen Gangarten, Hufschlagfiguren und Abteilungsreiten wissen. Die Gruppe der RA-5-Absolventen spricht über die Reitlehre im Bereich der Klasse E, Unfallverhütung und den Einstieg in den Turniersport.  Dafür sollen sie auch schon die Fachsprache benutzen und zum Beispiel erklären, wie man einen Übergang reitet. Denn wer das Reitabzeichen 5 erfolgreich abgelegt hat, kann eine Jahresturnierlizenz zur Teilnahme an LPO-Turniersportprüfungen erwerben (Leistungsklasse 6). Lukas, einer der Absolventen des RA 4, hat sich nicht nur im Sattel gut vorbereitet, sondern kann auch super erklären, was eine verdeckte Zügelfaust bewirkt und worauf es beim Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen ankommt. Am Ende möchten die Richterinnen noch wissen, wie sich Reiter am besten fit halten und erarbeiten gemeinsam mit den Prüflingen die Definition der Begriffe Kondition, Kraft und Koordination. Alle Teilnehmer sind trotzdem noch ein bisschen angespannt, denn noch weiß niemand, ob er auch wirklich bestanden hat.  Doch spätestens als von den Richtern die „wirklich tolle Vorbereitung und der bestens organisierte Prüfungstag“ gelobt wird, ist klar: Alle haben es geschafft und dürfen stolz ihre Nadel und persönliche Urkunde in Empfang nehmen.

Tina Pantel

Klappt wie am Schnürchen: Lasse und sein Pony haben viel trainiert für den Bodenarbeits­parcours.

Stationsprüfung Basispass: Aus welchen Teilen besteht der Sattel?

Infos Abzeichen

  • Allgemeine Infos: www.pferd-aktuell.de/reitabzeichen/abzeichen-im-pferdesport
  • Videos: www.pferd-aktuell.de/reitabzeichen-filme (siehe auch unten)
  • Termine für Lehrgänge in Eurer Nähe findet ihr auf der Homepage eures Landespferdesportverbandes.
  • Zur Vorbereitung auf die Prüfung eignen sich die Bücher „FN-Abzeichen. Meine ersten Reitabzeichen (10-6) So klappt die Prüfung“ und „Die Reitabzeichen 5-1 der Deutschen Reiterlichen Vereinigung – Gut vorbereitet für die Prüfung“ aus dem FNverlag.

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