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Bundestrainer Otto Becker und der Springausschuss haben kein leichtes Spiel, das bestmögliche Quartett für Olympia zusammenzustellen. Fotos (2): A. Bronkhorst

Olympische Disziplinen in Rio de Janeiro: Springen

Der Kampf um Sekunden

In gut drei Monaten beginnt das wichtigste Sportereignis der Welt: die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, gefolgt von den Paralympics Anfang September. Das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) hat die Vorbereitungen bestens im Griff, nun liegt es an den Aktiven und ihren Pferden, zum richtigen Zeitpunkt die optimale Leistung abzurufen. Das PM-Forum wird in jeder Ausgabe eine der Disziplin vorstellen – Teil 1: Springen.

6.16_18_Rio_LogoBundestrainer Otto Becker weiß, wovon er spricht: „Im Springen liegen die Leistungen ungleich enger beieinander als in jeder anderen Pferdesportdisziplin. Wir haben etwa acht Nationen, die die olympische Goldmedaille gewinnen können. Manchmal entscheidet das letzte Quäntchen Glück über Sieg, Platz oder Niederlage.“ Der 57-Jährige aus dem westfälischen Sendenhorst, der als Teammitglied bei den Spielen in Sydney (2000) die Goldmedaille gewann, musste bei Olympia in London vor vier Jahren eine bittere Niederlage einstecken. Die Mannschaft erreichte nicht einmal die zweite Runde im Nationenpreis, auch in der Einzelwertung waren seine Reiter weit weg von Edelmetall. Bei den Weltreiterspielen in der Normadie 2014 gab es ebenso wenig Grund zu jubeln – Platz vier, aber immerhin war die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio mit diesem Ergebnis gesichert. Nun soll es in Rio besser werden, hofft Becker.

Erfahrenes Team

Die deutschen Reiter werden von einem erfahrenen Team begleitet, das mit ihnen schon durch alle Höhen und Tiefen gegangen ist. Neben Becker, der am Zuckerhut den Job des Equipechefs übernimmt, begleiten Heinrich-Hermann Engemann als Disziplintrainer und Tierarzt Dr. Jan-Hein Swagemakers die deutschen Reiter und Pferde. Auch die Crew im Hintergrund ist identisch: Mannschaftsarzt Dr. Manfred Giensch, Physiotherapeutin (Pferde) Dr. Ina Gösmeier, Physiotherapeut (Reiter) Dr. Christian Peiler, Hufschmied Dieter Kröhnert, Sportpsychologin Gabi Bussann – und nicht zuletzt der Mannschaftsführer der Reiter, DOKR-Geschäftsführer Dr. Dennis Peiler und sein Assistent André Schoppmann.

Christian Ahlmann, hier auf Epleaser, reitet seit Monaten auf der Welle des Erfolgs und gilt als Kandidat für die Olympischen Spiele in Rio.

Wer ist dabei?

Doch bevor die Pferde am 7. August von Lüttich aus die weite Reise per Flieger nach Rio antreten, haben die Bundestrainer und der Springausschuss des DOKR die schwierige Aufgabe, das bestmögliche Quartett zusammenzustellen und einen Reservisten auszugucken. Zweifelsfrei hat Christian Ahlmann einen Lauf, wie man so schön sagt. Seit Monaten siegt er mit unterschiedlichen Pferden oder reitet zu vorderen Platzierungen. Das Ranking der Global Champions Tour 2016  führt der 41-Jährige seit der ersten Etappe im April an. Mit mehreren Pferden beritten, ist sein Platz im Team mehr als nur wahrscheinlich. Aber es sind noch neun weitere Reiterinnen und Reiter im Championatskader: Ludger Beerbaum, Daniel Deußer, Hans-Dieter Dreher, Marcus Ehning, Marco Kutscher, Janne-Friederike Meyer, Meredith Michaels-Beerbaum, Mario Stevens und Patrick Stühlmeyer, manche von ihnen mit mehreren Spitzenpferden beritten. So gilt es einerseits, die Form der Reiter und Pferde die Saison über genau zu beobachten und zu selektieren und andererseits, die in Frage kommenden Vierbeiner zu schonen. Otto Becker: „Eine gute Frühform nützt uns nichts, wir müssen in Rio auf den Punkt fit sein.“

 

Gesichtet wird auf allen Fünf-Sterne-Turnieren, also der Global Champions Tour, den Nationenpreisen der ersten Division und natürlich bei Highlights wie dem CHIO Aachen. In der Soers müssen dann alle Überlegungen beendet sein, denn einen Tag später, am 18. Juli, ist der definitive Nennungsschluss, zu dem das DOKR dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) alle Spring-, Dressur- und Vielseitigkeitsreiter und -Pferde nennen muss.

 

Mächtige Konkurrenz

Die Konkurrenz wird gewaltig sein. So wie die niederländische Equipe, amtierende Welt- und Europameister, in die Saison gestartet sind – unter anderem mit einem fulminanten Sieg beim Nationenpreis von La Baule – wird mit ihnen wieder zu rechnen sein. Nie zu unterschätzen sind die Franzosen. Unter den Top 12 der Weltrangliste befinden sich gleich vier der Equipe Tricolore, darunter die Nummer 1, Simon Delestre. Schwer einzuschätzen ist die Leistungsfähigkeit des US-amerikanischen Teams. Ernstnehmen muss man Beezie Madden, McLain Ward & Co. aber auf jeden Fall. Auch die Briten, die 2012 vor heimischem Publikum Gold gewannen, sind immer für Spitzenleistungen gut.

Überraschungssieger kennt der Springsport aber auch zur Genüge. Die Globalisierung dieser Disziplin hat in den vergangenen Jahren immer mal wieder „neue Helden“ produziert. 2010 bei den Weltreiterspielen beispielsweise tauchte ein völlig unbekannter Mann aus Saudi Arabien auf. Abdullah Al Sharbatly verblüffte mit seiner Silbermedaille in der Einzelwertung die ganze Spring-sportszene. Oder Scheich Al Thani aus Katar. Innerhalb kürzester Zeit kletterte der No Name unter die Top 30 der Weltrangliste und beendete die Weltreiterspiele an 14. Stelle. So spannend solche Entwicklungen im Sport auch sein mögen – Otto Becker hätte gewiss nichts dagegen, wenn sie ausblieben und dafür seine Jungs und Mädels endlich mal wieder ganz oben auf dem Treppchen stehen würden.

Susanne Hennig

Zeitplan

06. August: Abflug der Springpferde

12. August: Verfassungsprüfung

13. August: Trainingsspringen

14. August: Erste Qualifikation fürs Finale (Zeitspringen, entscheidet auch über die Startreihenfolge im Nationenpreis)

16. August: Nationenpreis (1. Umlauf)

17. August: Nationenpreis (2. Umlauf der besten acht Teams, Mannschaftsmedaillen)

19. August: Finale (Einzelmedaillen)

22. August: Rückflug der Pferde

Olaf Petersen revolutionierte den Parcoursbau und überraschte die Reiter bei den Olympischen Spielen von Seoul 1988 mit prächtigen Motivhindernissen. Foto: J. Toffi

Sie entwickelten vor knapp 30 Jahren einen neuen Stil im Parcoursbau. Was waren damals Ihre Überlegungen?

Petersen: Jeder Mensch hat einen Traum, und meiner war es damals, die Parcours bei Olympischen Spielen zu bauen. Und ich habe mir gesagt, wenn ich das mal dürfte, dann würde ich alles ganz anders machen. Parcours sahen ja fast überall gleich aus, ich aber wollte etwas Individuelles schaffen. Ich wollte mit dem Parcours eine Geschichte erzählen. So entstanden die Motivhindernisse in Seoul 1988, die eine enge Beziehung zum Land und seiner Kultur hatten. Die Koreaner haben mich einfach machen lassen und mir ein gutes Budget zur Verfügung gestellt, sie hatte keine Ahnung von Parcoursbau. Es war natürlich ein Risiko, denn wir wussten nicht, wie die Reiter und Pferde auf diese Hindernissen reagieren würden. Diese landestypische Form des Parcoursbaus setzte sich dann durch und ist seit 2000 auch Vertragsbestandteil bei Olympischen Spielen.

Haben Sie, von der Motivlage abgesehen, die Hindernisse verändert?

Die Hindernisse waren früher massig und mit vielen Büschen bestückt. Ich wollte den Parcours entrümpeln und luftiger gestalten, also die Hindernisse durchsichtiger machen. Nicht immer hoch und weit, sondern mehr auf das exakte Anreiten ausgelegt. Die Distanzen wurden kniffliger, bei den Reitern war mehr Köpfchen gefragt. Das erleichterte ihnen auch das Training, sie konnten sich besser auf die Anforderungen in der Prüfung vorbereiten.

 

Wie sieht die Zukunft des Parcoursbaus aus?

Ich könnte mir vorstellen, dass die Steilsprünge etwas höher werden, also von jetzt 1,60 Meter hin zu 1,65 bei den ganz großen Springen. Für die guten Pferde ist das kein Problem, aber an der Höhe und Tiefe der Oxer sollte nichts geändert werden. Ich bin dagegen, dass die Auflagen noch flacher werden und plädiere für faire Distanzen. Es darf nicht zu trickig und fehlerintensiv werden, denn der Charme und die Eleganz des Spring-sports müssen erhalten bleiben.

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