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Hygiene im Stall und auf dem Turnier

Immer schön sauber bleiben

Es geht wieder los, die grüne Saison steht vor der Tür. Bei vielen Reitern sind Trainingsein­heiten und erste Turnierbesuche geplant. Verantwortungsvolle Pferdesportler  haben aber auch das Thema Hygiene auf dem Schirm. Denn Turniere bedeuten auch das Aufeinandertreffen von Pferden aus verschiedenen Beständen und damit ein Risiko für die Gesundheit der Vierbeiner. Wie man sein Pferd und auch die der anderen vor Krankheiten schützen kann, erläutert Henrike Lagershausen, Tierärztin und Mitarbeiterin der FN-Abteilung Veterinärmedizin der FN.

Die ersten Turniere stehen bevor. Gerade beim Aufeinandertreffen von  Pferden aus unterschiedlichen Beständen besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, wenn die wesentlichsten Hygienestandards nicht aufrecht erhalten werden. Foto: R. Hogrebe

Grundsätzlich beginnt das Hygiene-Management schon im heimischen Stall mit dem Ziel, einen optimalen Gesundheitsstatus der Pferde in guter Kondition und starkem Immunsystem zu gewährleisten sowie die pathogenen Erreger im Stall und seiner Umgebung stetig zu verringern. Das Schlagwort in diesem Zusammenhang ist „Biosecurity“ beziehungsweise „Biosicherheit“. Aber was genau ist Biosecurity? Warum müssen sich Reiter, Pferdebesitzer und -halter damit befassen? Weil es um die Gesundheit des Pferdes geht. Biosecurity beschäftigt sich mit der Eindämmung von infektiösen Mikroorganismen und damit, wie man den Kontakt mit Pathogenen und Giften vermeiden kann.

Das Konzept ist weder neu, noch sind die daran gekoppelten Maßnahmen teuer oder schwierig umzusetzen. Häufig reicht es, einfache Dinge und Abläufe im Stall zu verändern, um einen großen Fortschritt im Hygienemanagement und damit mehr Bio-sicherheit im Pferdebetrieb zu erreichen. Jeder Einzelne kann täglich zu mehr Hygie-ne im Stall beitragen. Da an den Abläufen in einem Pferdestall aber häufig zahlreiche Personen beteiligt sind, sind eine gute Zusammenarbeit und die gemeinsame Formulierung von Hygienestandards der beste Weg, um ein erfolgreiches Hygiene-management zu fahren. Hierbei sollten Stallbesitzer, Reiter, Tierarzt und Schmied an einem Strang ziehen.

Pferdebetriebe, die ihre Biosecurity-Maßnahmen vernachlässigen, können eine Gefahr für Pferde auf dem Turnier, auf Lehrgängen, Ausritten und sonstigen Veranstaltungen mit vielen Pferden aus unterschiedlichen Betrieben darstellen.

 

Selbstkontrolle

Wie steht es um die Hygiene im eigenen Stall? Es ist sinnvoll, sich regelmäßig vor Augen zu führen, wo im eigenen Stall die Schwachpunkte liegen könnten. Dafür muss man sich die Gegebenheiten im Stall sowie die täglichen Abläufe genau anschauen, kritische Kontrollpunkte benennen und überlegen, wie man die Schwachstellen beseitigen kann.

Hierfür ist es wichtig, die Übertragungswege ansteckender Krankheiten zu kennen. Dabei wird die direkte und indirekte Übertragung unterschieden.

Direkt:

  • von Pferd zu Pferd

Indirekt:

  • über die Luft durch Aerosole aus Tropfen, die beim Husten und Schnaufen entstehen
  • über kontaminierte Gegenstände wie Halfter, Putzzeug, Eimer…
  • über Futter und Wasser
  • über Insekten, Tiere oder Menschen
  • über verschmutzte Einstreu, Urin und Kot
  • über medizinische Ausrüstung wie Spritzen, Handschuhe, Kittel
  • über Fahrzeuge

Aus diesen Übertragungswegen ergeben sich verschiedene Bereiche, die innerhalb eines Pferdebetriebes Beachtung finden müssen, wenn man seine Hygienestandards überprüfen und verbessern möchte.

Pferde-Management

Neuankömmlinge im Stall sollten idealerweise die ersten zehn Tage abgesondert von den anderen Pferden gehalten werden. Ein separater Quarantänestall ist hierfür am besten geeignet.

Kranke Pferd sollten so schnell wie möglich von den übrigen Pferden getrennt werden, um eine Ansteckung zu vermeiden. Kontaktpferde müssen unter Beobachtung bleiben.

Auch Pferde, die von einem Turnier heimkehren, müssen noch eingehender unter Beobachtung stehen hinsichtlich eventueller Krankheitsanzeichen. Das gemeinsame Impf- und Entwurmungsmanagement gehört selbstverständlich zu einer guten Hygiene-praxis dazu.

Foto: Fotolia

Augen auf! Woran ein Pferdebesitzer erkennt, dass in seinem Stall Hygieneregeln beachtet werden:

  • Für neue Pferde wird ein Gesundheitszeugnis vom Tierarzt verlangt.
  • Neue Pferde werden zu Quarantänezwecken die ersten zehn Tage separat von den anderen Pferden gehalten.
  • Alle Pferde müssen gegen Influenza geimpft sein, dies wird im Pferdepass kontrolliert.
  • Es gibt einen separaten Bereich für die Absonderung von kranken Pferden.
  • Der Stallbesitzer fordert die Umsetzung eines gemeinsamen Entwurmungskonzeptes.
  • Das Futter wird trocken und sauber gelagert, Medikamente werden nicht im Futterwagen umhergefahren.
  • Die benutzte Einstreu wird separat gelagert ohne Kontakt zu Pferden oder Futter.
  • Neben dem Misten werden die Boxen auch von Zeit zu Zeit desinfiziert.
  • Tränken und Futtertröge sind in gutem Zustand.
  • Es gibt einen Schädlingsbekämpfungsplan.
  • Die Weiden werden regelmäßig abgeäppelt, es gibt Leerzeiten und Wechselweide mit anderen Tierarten wie zum Beispiel Rindern.

Solche Waschbecken im Pferdestall sind ein absolutes No-Go. Hier finden krankmachende Keime einen wahren Tummelplatz.
Foto: S. Sager

Personen-Management

Ein weiterer Baustein ist das Personenmanagement (Stallbetreiber, Mitarbeiter, Reiter, Besucher, Tierarzt, Schmied…). Hier wird das Augenmerk auf alle Personen gelegt, die Zutritt zum Stall haben: die Stallmitarbeiter, die Reiter und Besucher, Tierärzte und Schmiede usw. In einem typischen Pensionsstall herrscht jeden Tag ein reger Publikumsverkehr, was immer zu einer Einschleppung und Verschleppung von Keimen führen kann.

Das Personal eines jeden Reitstalles sollte geschult sein im Hinblick auf das routinierte Durchführen der täglichen Hygienepraxis. Ein einfaches, aber oft unterschätztes Beispiel hierfür ist das richtige und effektive Händewaschen sowie auch das Desinfizieren von Gegenständen und Stallungen. Auch das frühzeitige Erkennen von erkrankten Pferden muss geübt sein, damit diese schnell von den Gesunden abgesondert werden können.

Sind Pferde im Stall erkrankt, gilt das Prinzip: erst die Gesunden füttern und misten, dann die Kranken! Beim Verlassen des Krankenstalls sind Hygienemaßnahmen wie Kleiderwechsel, Schuh- und Handhygiene unbedingt einzuhalten. Eine Desinfektionswanne sollte am Ein- bzw. Ausgang installiert sein.

Besucher oder Reiter, die täglich auf den Hof kommen, sollten nach Möglichkeit nur einen Zugang zum Gelände haben sowie idealerweise weder Schuhe noch Kleidung tragen, die bereits durch andere Stallungen oder Pferde verschmutzt wurden.

Ein Parkplatz in einiger Entfernung zum Stall ohne Pferdekontakt ist sinnvoll, um den Eintrag von Keimen über die Reifen zu verringern. Auch umherlaufende Hunde und Katzen können Krankheiten von einem Pferd zum anderen tragen, indem sie beispielsweise von einem Pferd ausgehusteten Schleim über die Pfoten durch den Stall verteilen. Besteht eine erhöhte Seuchengefahr, muss der Zutritt zum Stall auf das Nötigste reduziert werden.

Umwelt-Management

Die dritte wichtige Säule der Hygiene im Stall stellt das Umwelt-Management (Stall- /Reitanlage, Wiesen, Paddocks, Parkplätze) dar. Ganz wichtig sind die ausnahmslos gute Qualität des Futters und dessen saubere und trockene Lagerung. Benutzte Einstreu ist grundsätzlich ein Risiko und sollte deshalb unzugänglich in Entfernung zum Stall und zum Futter gelagert werden. Trecker, Schubkarren, Mistgabeln, Besen und andere Gerätschaften müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Ist eine ansteckende Krankheit auf dem Hof ausgebrochen, empfiehlt es sich, die Einstreu erkrankter Pferde in verschlossenen Containern zu lagern, um die Verbreitung pathogener Erreger über Luft und Wasser zu vermeiden. Ställe, Futterkrippen, Tränken und Plätze sollten stets sauber und frei von stehendem Wasser gehalten werden. Eine regelmäßige mechanische Reinigung und Desinfektion leisten hier gute Dienste. Dies sollte vor allem vor jeder Neubelegung einer Box geschehen. Auch die Ausrüstung eines jeden Pferdes ist ein Übertragungsweg für Krankheiten. Halfter, Putzzeug, Decken, Trensen und so weiter sollten immer zum Pferd gehören und niemals untereinander getauscht werden. Wer dies nicht einhält, leistet zum Beispiel der Verbreitung von Hautpilzerkrankungen Vorschub. Und Pilz kann im gesamten Stall zu einem Problem führen.

Hygiene sollte auch beim Tierarzt an oberster Stelle stehen.
Foto: S. Sager

Turnier und Hygiene

Auch wenn im heimischen Stall alles richtig gemacht wird: Jede Reise und jede Turnierteilnahme stellt eine Herausforderung für das Immunsystem des Pferdes dar. Aber auch hier kann der Reiter an kleinen Hygiene-Stellschrauben drehen und viel bewirken. Es beginnt mit einem Check am Tag des Turniers: Ist das Pferd fit? Hat es gefressen? Wie ist die Temperatur? Macht es einen munteren Eindruck? Fallen die Antworten positiv aus, steht einem erfolgreichen Turniertag nichts mehr im Weg.

Der Anhänger sollte hell, sauber und frisch eingestreut und das Heunetz mit staubarmen und gegebenenfalls nassem Heu gefüllt sein. Die Mitnahme von eigenem Futter und sauberen Eimern zum Tränken ist Pflicht.

Während der Fahrt ist auf eine ausreichende Belüftung des Anhängers zu achten. Bei längeren Fahrten, sollten regelmäßige Pausen eingelegt werden, in denen das Pferd die Gelegenheit hat, mit dem Kopf am Boden zu fressen. So können eingeatmete Keime einfacher aus den Luftwegen entfernt werden und einem „Reisefieber“ (sogenanntes Shipping fever) vorgebeugt werden.

Auf dem Turnierplatz angekommen, sollte der Reiter den direkten Kontakt zwischen seinem Pferd und anderen Pferden vermeiden, auch wenn dies manchmal hart erscheinen mag. Neben der Gefahr einer Krankheitsübertragung besteht auch immer ein großes Verletzungsrisiko.

Wird das Pferd auf dem Turnier getränkt, dann nur aus eigenen Eimern und mit Wasser in Trinkwasserqualität. Saufen aus einer gemeinsamen Tränke wie beispielsweise einer Badewanne ist tabu. Beim Befüllen der Eimer ist darauf zu achten, dass der Wasserschlauch nicht in den Eimer gelegt wird. Häufig ist der Schlauch ein Reservoir für Keime, die so in das Wasser gelangen würden.

Fazit:

Hygiene ist kein unangenehmer und aufwendiger Selbstzweck. Es geht um die Gesundheit der Pferde – des eigenen Pferdes und die der Pferde der Anderen. Ein gutes Hygieneverhalten im Stall und auf dem Turnier ist Ausdruck von Verantwortung. Die Entwicklung eines gemeinsamen Hygienebewusstseins aller Pferdeleute ist daher von großer Bedeutung.

Eitriger Nasenausfluss ist immer ein Anzeichen einer Infektion. Erkrankte Pferde sollten, wenn möglich, von den gesunden getrennt werden. Foto: S. Sager

Übersicht der ansteckenden Krankheiten 

Es gibt für Pferde ansteckende Krankheiten, die keiner gesetzlichen Regelung unterliegen wie Borna (Meldepflicht 2011 aufgehoben), Influenza, Herpes, Druse, Pilz… sowie anzeigepflichtige und meldepflichtige Krankheiten.

 

Für Pferde relevante anzeigepflichtige Erkrankungen sind:

  • Afrikanische Pferdepest
  • Equine Infektiöse Anämie
  • Beschälseuche (Dourine)
  • West-Nile-Virus
  • Pferdeenzephalomyelitis (alle Formen)
  • Rotz
  • Tollwut
  • Stomatitis vesicularis
  • Milzbrand

Für Pferde relevante meldepflichtige Erkrankungen sind:

  • Contagiöse Equine Metritis
  • Equine Virus Arteritis

Bei anzeige-/meldepflichtigen Krankheiten schreibt der Gesetzgeber vor, welche Maßnahmen unter Überwachung der zuständigen Behörden verpflichtend sind. Je nach Krankheit sind das Maßnahmen wie Sperre des Betriebes, Verhängung einer Quaran-täne, Beobachtung von Kontakttieren durch Verlaufsuntersuchungen bis hin zum schlimmsten Fall: der Tötung des erkrankten Pferdes.

Im Falle nicht-gesetzlich geregelter Krankheiten liegt die Verantwortung für eine Eindämmung der Krankheit beim Stallbetreiber und den Pferdebesitzern. Ein transparenter Umgang mit der Situation und mit dem Tierarzt abgestimmte Hygienemaßnahmen sind der beste Weg, die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern und andere Pferde zu schützen.

Ausführliche Informationen zu den Krankheiten, Übertragungswege, Symptome und Behandlung gibt es hier: Dr. med. vet. Beatrice Dülffer-Schneitzer, Pferdegesundheitsbuch, 3. Auflage, FNverlag, Warendorf 2009, ISBN: 978-3-88542-374-4, 24,90 Euro

Desinfektions­mittel gehören in jeden Stall – nicht nur, um bei Kontakt mit kranken Pferden keine Erreger auf die gesunden zu übertragen. Foto: Fotolia

Weitere Informationen

• H.-J. Selbitz, U. Truyen, P. V. Weigand, 2015
Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre
10. aktualisierte Auflage

• Sweeney et al., 2005
Streptococcus equi Infections in Horses: Guidelines for Treatment, Control and Prevention of Strangles
J Vet Intern Med 2005; 19:123-134

NTF Code of Practice for Infectious Diseases of Racehorses in Training

BMEL:
https://www.bmel.de/DE/Tier/Tiergesundheit/Tierseuchen/_texte/AnzeigepflichtigeTierseuchen.html
https://www.bmel.de/DE/Tier/Tiergesundheit/Tierseuchen/_texte/MeldepflichtigeTierseuchen.html

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