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3. Liebenberger Pferdeforum

Neue Wege in der Pferdezucht

Pferdezucht ist für die meisten Züchter Passion, Leidenschaft und Freude am Pferd. Doch bei aller Liebe züchten die wenigsten für den Eigenbedarf. Sie müssen und wollen ihre „Produkte“ auch verkaufen. Die Vorträge und abschließende Diskussionsrunde des 3. Liebenberger Pferdeforums, einer Gemeinschaftsveranstaltung der Deutschen Kreditbank, des Oldenburger Zuchtverbands und der PM, standen daher unter dem Motto: „Zukunft und Perspektiven in Pferdezucht und Pferdesport: Vermarktung um jeden Preis?“

Auch beim 3. Liebenberger Pferdeforum ging es um die Zukunft des Pferdesports. Foto: A. Pantel

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Ein Blick in die Zukunft

Eine Chance, erbliche Gesundheitsprobleme zu vermindern und Talente zu fördern, könnte in der genomischen Selektion liegen. „Die lineare Beschreibung spiegelt das Äußere eines Pferdes wider, die genomische Beschreibung die von innen, also des Erbgutes“, erklärte Dr. Mario von Depka Prondzinski. Der Direktor des Werlhof-Instituts frischte mit seinem Vortrag das Wissen der Zuhörer in Sachen Vererbungslehre auf und pries die Vorzüge der Wissenschaft. „Was wäre, wenn wir in die Hengste ‚reingucken‘ könnten, ohne Jahre zu warten?“ fragte er in Anspielung auf die Zuchtwertschätzung, die erst dann verlässliche Zahlen liefert, wenn die Hengste mindestens zwölf Jahre sind. Das Durchschnittsalter der Spitzenhengste im WBFSH-Ranking liegt sogar bei 23 Jahre. Dabei widersprach er der Sorge, das Labor könne künftig den Züchter ersetzen. „Im Gegenteil, die züchterische Erfahrung wird immer wichtiger“, sagte der Wissenschaftler, der selbst Hengsthalter und Sportpferdezüchter ist. Allerdings musste er auch diejenigen, die die Methode am liebsten sofort nutzen würden, vertrösten: „Bevor wir aussagekräftige Ergebnisse liefern können, benötigen wir eine Lehrstichprobe von mindestens tausend Pferden“, sagte er.

Keine Zukunftsmusik mehr ist in der Pferdezucht der Embryotransfer, der nicht zuletzt seit den Erfolgen der Vollgeschwister For Romance und Fasine bei den DKB-Bundeschampio-naten immer mehr Aufmerksamkeit erhält. Der stellvertretende Zuchtleiter des Trakehner-Verbandes Neel-Heinrich Schoof präsentierte die Methode als Chance, z.B. auch im Sport hoch erfolgreiche Stuten züchterisch zu nutzen.

 

Vorsprung durch unvergleichliches Angebot

Was hat Brötchen backen mit Pferdezucht zu tun? Mehr als man auf den ersten Blick vermutet. In seinem äußerst humorigen Vortrag führte Dr. Gerhard Bosselmann, Agrarwissenschaftler und Betreiber der Bosselmann Landbäckerei GmbH, die Gemeinsamkeiten vor Augen, mit denen beide Branchen zu kämpfen haben: sinkende Kaufkraft, Import aus Ausland, Mengenangebote („Es gibt von allem zuviel“), unfähige Wettbewerber („die zu Dumpingpreisen verkaufen“), steigende Produktionskosten. „Als Bäcker bin ich umzingelt von anderen Bäckern und Discountern“, sagte er. Sein Rat: Durch Unvergleichbarkeit des Produkts, aber auch des Services eine eigene Marke schaffen. „Züchter denken über Zucht nach wie ein Züchter und nicht wie ein Kunde“, kritisierte Bosselmann, der als passionierte Jagdreiter noch immer nach Irland reisen muss, um ein passendes Pferd zu finden. Seine Botschaft: Kein „Einheitspferd“, sondern gezielt ein Pferd für unterschiedliche Kundenkreise züchten.

hb

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