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Horst-Gebers-Stiftung:
Franke Sloothaak trainierte DJM-Medaillengewinner in Riesenbeck

Spring-Tipps vom Weltmeister

Freihändig springen, Kart fahren gegen die Bundestrainer und ein Exklusiv-Training in einer der modernsten Reitzentren Deutschlands – klingt nach einem ziemlich ungewöhnlichen Wochenende. Und genau das stand für die zwölf Medaillengewinner der Deutschen Jugendmeisterschaften Springen am letzten Februarwochenende in Riesenbeck auf dem Programm.

Ein dickes Danke­schön für die Horst-Gebers-Stiftung von den Medaillenträgern der DJM Springen 2015 mit Lehrgangsleiter Franke Sloothaak (3. v.l. oben). Alle Fotos: Stroscher

„Maxi, es muss etwas passieren im Sattel. Nicht vorne festhalten! Mit Kleinigkeiten könnt ihr ganz viel verbessern. Wenn die Pferde landen, müsst ihr auch weiter reiten, aber dabei mit eurem Körper nicht dem Pferd die Balance erschweren.“ Franke Sloothaak, Mannschafts-Olympiasieger und Doppelweltmeister, entgeht nichts. Auch nicht der kleinste Reiterfehler.

Maurice Tebbel, Guide Klatte und Maximilian Lill kommen gleich zu Beginn ihrer Trainingsstunde ganz schön ins Schwitzen. Alle drei jungen Männer sind bereits in schweren S-Springen erfolgreich unterwegs, aber heute stehen erstmal die „Basics“ auf dem Trainingsplan. Denn bevor es in luftige Höhen geht, möchte der aus den Niederlanden stammende Springprofi sehen, dass die Pferde durchlässig sind. Das heißt für Franke, dass sie auf feinste Hilfen reagieren und sich jederzeit im Tempo aufnehmen oder flott nach vorne reiten lassen. Egal ob auf geraden oder gebogenen Linien. „Fehler dürfen passieren, aber es muss eine Entwicklung zu sehen sein“, erklärt der Profi den Nachwuchsreitern. Und die kann er bei Maxi und seinem zehnjährigen Wallach Colantinue gerade nicht sehen. Deswegen muss der Bronze-Medaillengewinner der Jungen Reiter auch mal über dem Sprung mit Händen hinter dem Rücken springen, während die Zügel auf dem Hals des Wallachs durch einen Knoten gesichert sind. Der Springreiter aus Bayern soll spüren, dass sein Pferd sich über dem Sprung auch ohne Handeinwirkung gut ausbalanciert.“ Mit Staunen beobachten Antonia, Franziska und Marie, die gerade den Parcours sauber halten und beim Umbau der Hindernisse helfen, wie Maxis Pferd sich ganz locker über den dicken Oxer schraubt.

Freiwillig frei­händig: Maxi Lill sollte ohne Zügel springen.

Mit Gefühl

Eberhard Seemann, Bundestrainer der deutschen Children: „Das Pferd ist jetzt perfekt gesprungen und Maxi hat sich im Sattel viel besser ausbalanciert ohne sein Pferd zu stören.“ Auch Maurice Tebbel, Deutscher Meister der Jungen Reiter, ist verblüfft, wie anders sich sein Pferd unter dem Sattel anfühlt, nachdem Franke Sloothaak die Schimmelstute Caryota zehn Minuten gearbeitet hat. „Das hat uns aufgezeigt, wie wichtig die Dressurarbeit für Springreiter ist. Aber wir sind nicht hinter das Geheimnis gekommen, was Franke da genau im Sattel gemacht hat“, lachte Maurice. „Also wenn mein Vater, der mich sonst trainiert, zu mir gesagt hätte, ich solle ohne Zügeleinwirkung springen, hätte ich das sicher nicht gemacht“, sagte Maxi nach dem Unterricht. „Aber wenn ein Weltmeister dir Unterricht gibt, vertraut man schon darauf, dass er weiß, was er tut. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie anders sich Colantinue nach Frankes kurzem Beritt angefühlt hat.“ Als Maxi dann allerdings wieder im Sattel saß und die ersten Sprünge absolvierte hatte, traf er plötzlich nicht mehr den richtigen Absprungpunkt. Franke Sloothaaks Kommentar: „Jetzt ist das Pferd so schön zu reiten, dass du keine Distanz mehr kriegst“. Nachdem beide vor einem Sprung abgewendet waren, musste der Trainer wieder schmunzeln: „Also das ist ja jetzt blöd, dass du auf einmal Kontrolle hast.“ Maxi gab zu, dass er im Vorfeld ziemliche Schwierigkeiten mit seinem Braunen hatte. „Der rannte quasi in jeden Sprung, und jetzt lässt er sich passend hinreiten. Da muss ich mich erstmal dran gewöhnen.“

„Der Weg zum Sprung ist wichtig“, hat Maurice Tebbel beim Lehrgang mit Doppel-Weltmeister Sloothaak gelernt.

Einer für alle, alle für einen: Der Team-Gedanke wurde in Riesenbeck groß geschrieben.

Lernen fürs Leben

Den sogenannten „Siegerlehrgang“ der erfolgreichen deutschen Parcoursspezialisten hat übrigens die Horst-Gebers-Stiftung, seit 2015 Förderer des deutschen Nachwuchsspringsports, im neuen Reitsportzentrum Riesenbeck ermöglicht. „Besonders wichtig finde ich, dass die Heimtrainer eingebunden sind sowie die Vernetzung mit den Bundestrainern“, erkärt Franke Sloothaak. Und deswegen hatten die Springtalente der Altersklassen Pony, Children, Junioren und Junge Reiter auch ihre Eltern und Heimtrainer mitgebracht, die beim Unterricht zuschauten und sich auch bei der Videoanalyse und Feedbackrunde untereinander und mit dem Lehrgangsleiter austauschten. „Die Kinder haben schon viele schwere Parcours gesprungen, aber sie müssen auch das Einmaleins im Springsattel beherrschen. Ich finde gut, dass das an diesem Wochenende besonders im Fokus stand“, so Bernd Schulze Tophoff, Vater von Lisa Schulze Tophoff (Platz vier DJM), die für Carla Schumacher nachgerückt war. „Jedes Kind kann hier etwas fürs Leben lernen. Außerdem ist der Lehrgang top organisiert mit einem wirklich besonderen Ambiente“, lobte Simone Böckmann, Mutter des Mannschafts- und Vize-Europameisters der Children und Europameisters der Pony-Vielseitigkeitsreiter, Calvin Böckmann. Ihr Sohn sagte nach dem Ende der Stunde über sein Pferd: „Mama, der sprang sich so weich in der Hand. Das war unglaublich.“

Franke Sloothaak arbeitete mit allen Nachwuchsreitern vor allem an der Rittigkeit ihrer Springpferde und setzte dabei auf unkonventionelle Trainingsansätze. „Routine im Parcoursreiten haben hier alle. Es ist aber wichtig, dass die Kinder sich besser in ihre Pferde einfühlen können, um sich noch weiter zu entwickeln“, erklärte Sloothaak, der sich gut auf den Lehrgang vorbereitet hat und im Vorfeld Turniervideos der Talente sichtete. Der 13-jährige Piet Menke (Bronze DJM Children) hatte sich ebenfalls bestens auf das Riesenbecker Wochenende eingestellt. Eigentlich ist er ja viel zu jung, um Franke Sloothaak, der seit Jahrzehnten erfolgreich reitet, zu kennen. „Vor 20 Jahren hat Franke mal einen Springlehrgang bei uns im Verein gegeben. Dieses Video habe ich mir vorher angeschaut. Auf VHS-Kassette“, fügt Piet hinzu, der mehr über den berühmten Reiter erfahren wollte.

Calvin Böckmann freute sich über die weltmeisterlichen Tipps.

Nach dem Training analysierte Franke Sloothaak die Videos mit Reitern und Heimtrainern. Calvin und Piet hören gespannt zu.

Teilnehmer des Lehrgangs in Riesenbeck: Calvin Böckmann, Beeke Carstensen, Teike Carstensen (nachgerückt für Laura Hetzel), Antonia Ercken, Guido Klatte, Maximilian Lill, Jesse Luther, Piet Menke, Franziska Müller, Lisa Schulze Tophoff (nachgerückt für Carla Schumacher), Theresa Ripke, und Maurice Tebbel

 

Frostige Temperaturen und heiße Rennen

Waren die Nachwuchstalente anfangs noch ein bisschen schüchtern, tauten sie spätestens beim gemeinsamen Kartfahren am Samstagabend richtig auf, wo sie sich rasante Rennen untereinander und mit den Erwachsenen lieferten. Denn schließlich sollte auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Der Lehrgang war gleichzeitig Höhepunkt und Jahresabschluss des Horst-Gebers-Förderkonzeptes 2015, das in diesem Jahr in die Verlängerung geht. „Die Anlage Riesenbeck international bot einen hervorragenden sportlichen Rahmen für den Lehrgang. Alle haben sich wohl gefühlt. Bei den frostigen Temperaturen konnten die Eltern und Trainer den Unterricht in der beheizten Galerie von oben über Lautsprecher mitverfolgen“, so Birgit Lietmann, die in der FN-Abteilung Jugend) für die Umsetzung des Förderprojektes zuständig ist. Und beim Training am Samstagmittag schaute sogar Hausherr Ludger Beerbaum persönlich vorbei.

Tina Pantel

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