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Gründerwettbewerb für Ponyreitschulen (FN)

Märkte nutzen: Gründer gesucht!

Wachstumschancen für Deutschlands Pferdesportvereine und Pferdebetriebe: Es fehlen Angebote für Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren. Händeringend suchen Eltern Reitschulen für die Kleinen und Kleinsten. Das soll anders werden. Mit dem „Gründerwettbewerb für Ponyreitschulen (FN)“ will die Deutsche Reiterliche Vereinigung in Kooperation mit dem Verein Pferde für unsere Kinder e.V. den Ausbau von Angeboten für diese Zielgruppe anschieben.

Kleine Kinder brauchen kleine Ponys.Foto: H. Schupp

Pferdesportvereine, und/oder -betriebe und Personen, die gerade die Neugründung einer Ponyreitschule planen oder ihre bestehende Reitschule erweitern oder umstrukturieren wollen, können sich ab sofort um die finanzielle und beratende Unterstützung ihrer Maßnahme bewerben. Insgesamt zehn Konzepte werden für das Programm ausgewählt. „Mit dem Projekt wollen wir die flächendeckende Entwicklung qualifizierter Ponyreitangebote fördern, sodass zukünftig die notwendige Infrastruktur vorhanden ist, um kleine Kinder bedarfsgerecht an den Pferdesport heranzuführen“, sagt Thomas Ungruhe, Leiter der FN-Abteilung Breitensport, Vereine und Betriebe. „Das ist uns auch besonders wichtig vor dem Hintergrund, dass der Umgang mit Pferden und das Reiten einen hohen pädagogischen Wert besitzen und einen positiven Beitrag zur Entwicklung von Kindern leisten, wie wir 2013 auch in einer Studie nachgewiesen haben.“ Aus diesem Grunde unterstützt auch die Initiative „Pferde für unsere Kinder“, die sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst jedem Kind in der Zukunft eine Begegnung mit Ponys und Pferden zu ermöglichen, den Gründerwettbewerb.

Das Gründungsprojekt der Teilnehmer soll eine wirtschaftlich tragfähige Ponyreitschule für Kinder im Alter von vier bis zwölf zum Ziel haben. Das FN-Programm läuft ein Jahr (Dezember 2016 bis November 2017). Die finanzielle Unterstützung beträgt 5.000 Euro je Teilnehmer. Mit Sachmitteln im Wert von bis zu 3.000 Euro unterstützen Derby, Effol, uvex und Waldhausen die Vereine/Betriebe. Während der gesamten Projektlaufzeit werden die Gründer individuell beraten und begleitet.

Basis für die Bewerbung ist ein auf Nachhaltigkeit ausgelegtes Gesamtkonzept, das auf zwei Säulen steht: zum einem dem pädagogischen Konzept und zum anderen der kindgerechten Infrastruktur wie beispielsweise Schulponys, Ausbilder und spezielle Umbaumaßnahmen. Die Pferdesportanlagen der Bewerber müssen die Kriterien des FN-Grundschildes Pferdehaltung erfüllen. Ebenso muss mindestens eine der handelnden Personen eine Ausbilderqualifikation Trainer C oder höher besitzen.

Das Bewerbungsverfahren ist zweistufig und beginnt mit der Einreichung des Bewerbungsformulars und den dort genannten weiteren Unterlagen. Einsendeschluss hierfür ist der 31.8.2016. Unter allen Einsendern werden die besten Bewerber für die zweite und finale Bewerbungsstufe ausgewählt.

Der genaue Bewerbungsablauf, die Ausschreibung und das Bewerbungsformular finden sich im Internet unter www.pferd-aktuell.de/gruenderwettbewerb.

Interview mit Maria Schierhölter-Otte, Leiterin der Abteilung Jugend bei der FN

Die FN bringt gerade den „Gründerwettbewerb für Ponyreitschulen (FN)“ an den Start. Wie ist die Idee zu diesem Projekt entstanden? 

 

PM_8.16_23_Schierhoelter-OtteMaria Schierhölter-Otte: Wir besuchen regelmäßig Reitbetriebe vor Ort und führen Gespräche. Dabei haben wir bei unserer ersten bundesweiten Beratungsreise im Jahr 2012 und auch dieses Jahr erneut mitbekommen, dass es viele Ausbilder gibt, die daran interessiert sind, sich mit einer Ponyreitschule selbstständig zu machen, die jedoch verzweifelt Beratung zu diesem Thema suchen. Hinzu kommt, dass wir in den letzten Jahren feststellen mussten, dass es für die Zielgruppe kleine Kinder zu wenige geeignete Angebote gibt und Eltern oft händeringend danach suchen. Entsprechend haben Ponyreitschulen oft lange Wartelisten.

In der FN entstand über die Arbeitsgruppe PM-Ponyspaß dann die Idee für den Gründerwettbewerb. Mit ihm möchten wir einen Anreiz setzen, dass Ausbilder darüber nachdenken, eine Ponyreitschule zu gründen oder den eigenen Verein oder Betrieb umzustrukturieren oder um Angebote für kleine Kinder zu erweitern.

 

Sie haben die Arbeitsgruppe PM-Ponyspaß angesprochen. Was hat das Ganze damit zu tun?

Maria Schierhölter-Otte: Die Arbeitsgruppe PM-Ponyspaß, die von den Persönlichen Mitgliedern der FN gefördert wird, wurde 2013 gegründet, um mehr Angebote für kleine Kinder im Pferdesport zu schaffen. Die angesprochenen bundesweiten Beratungsreisen haben wir in der AG zum Anlass genommen, Ideen und Wünsche von Ausbildern an die FN gezielt zu sammeln. Dabei wurde sehr schnell deutlich, dass es viel Interesse am Thema „kleine Kinder und kleine Ponys“ gibt. Es gibt aber eben auch den Wunsch, dass die FN auf diesem Gebiet mehr unterstützt und begleitet.

 

Warum sollten sich Vereine und Betriebe auf diese Zielgruppe Kinder im Alter zwischen vier und zwölf stürzen?

Maria Schierhölter-Otte: Durch unser PM-Ponyspaß-Engagement mit Pony-Schnuppertagen und dem Lernkoffer für Kindergärten wissen wir seit Jahren, dass in diesem Altersbereich ein ganz großes Interesse am Lebewesen Pferd besteht. Viele Erzieher in Kindergärten melden uns dies auch begeistert zurück.

Dabei liegt der Fokus nicht nur auf dem Reiten lernen, sondern vielmehr auf der Bildung und Erziehung mit dem Pferd. Im Umgang mit Pferden und Ponys werden viele soziale Kompetenzen nebenbei vermittelt, die ein Kind lebenslang positiv prägen. Nicht zuletzt ist auch die Nachfrage nach Angeboten für diese Zielgruppe da. Das heißt, Vereinen und Betrieben bietet sich hier ein interessantes Geschäftsfeld.

 

Was erwarten Sie vom Gründerwettbewerb für Ponyreitschulen?

Maria Schierhölter-Otte: Der Gründerwettbewerb soll dazu beitragen, dass gute Praxisbeispiele für Ponyreit-schulen bekannt gemacht werden, um anderen als Vorbilder dienen zu können. Wir möchten aufzeigen, dass es sich wirtschaftlich durchaus lohnt, auf die kleinsten Kunden zu setzen. Angesichts abnehmender Mitgliederzahlen muss sich heute jeder Verein und jeder Pferdebetrieb fragen, wie er an neue Mitglieder bzw. Kunden gelangt. Wenn wir aufzeigen können, dass es sich lohnt hier anzusetzen und dass gute Ausbildungsarbeit an der Basis mehr anerkannt wird, werden sich auch unsere Ausbilder weiter in diese Richtung fortbilden und wir werden hoffentlich wieder mehr Kunden von morgen gewinnen.

Nicht jedes Kind wird Turnierreiter werden wollen, aber die Lobbyarbeit „pro Pferd“ ist, gerade auch vor dem Hintergrund von Pferdesteuerdiskussionen, mindestens genauso wichtig wie der Einstieg in den Turniersport. Der ganz große Vorteil wird sein, dass wir durch den Gründerwettbewerb mehr Öffentlichkeit für das Thema „kleine Kinder und kleine Ponys“ bekommen.

Zugleich leisten wir auch für die Eltern der Kinder eine Orientierungshilfe. Schließlich gibt es immer mehr interessierte Eltern, die selbst nicht aus dem Pferdesport kommen und denen es zwangsläufig an Beurteilungskriterien für die Auswahl einer Ponyreitschule mangelt.

 

Das Gespräch führte Maike Hoheisel

Foto: FN-Archiv

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