PM-Initiative: Pferdezucht im Fokus

Züchten ist Leidenschaft

Gibt es etwas Schöneres, als ein gesundes Fohlen in seinen ersten Lebensstunden und -tagen zu beobachten? Sicher nicht, werden leidenschaftliche Züchter spontan antworten. Wie bewegt sich der Youngster, was hat er von der Mutter, was vom Vater, hat das Fohlen das Zeug zum Star? Stolz, Freude, ja Leidenschaft – das sind noch immer die Motoren, die den Pferdezüchter antreiben – allen wirtschaftlichen Problemen und Absatzschwierigkeiten zum Trotz.

Die Persönlichen Mitglieder haben sich die Pferdezucht im kommenden Jahr auf die Fahnen geschrieben. „Pferdezucht im Fokus“ ist sogar das Schwerpunktthema 2015. PM-Leiter Christoph Hess erklärt: „Viele PM begeistern sich für junge Pferde, das zeigen unsere Ausbildungsveranstaltungen. Ebenso interessieren sich viele PM für die praktische Pferdezucht und allgemeine Zuchtthemen. Deshalb haben wir uns entschieden, unseren PM die Zucht noch etwas näher zu bringen. Ich hoffe, dass wir so manchen überzeugen können, selber Züchter zu werden.“

Der Zeitpunkt, in die Zucht neu einzusteigen oder die Zucht zu intensivieren, könnte günstiger kaum sein, denn Deutschland braucht wieder mehr junge Pferde. Die Zahl der Bedeckungen ist seit fünf Jahren im Sinkflug, schon bald kann die deutsche Zucht den Bedarf an Sport- und Freizeitpferden nicht mehr decken. Wie dramatisch die Entwicklung verläuft, zeigt der Blick auf die Zahlen, hier beispielhaft für das deutsche Warmblutpferd.

Seit 2009 gingen die Bedeckungen um rund 40 Prozent zurück.

2008

2009

2010

2011

2012

2013

Die Zahlen von 2014 sind zwar noch nicht bundesweit ausgewertet, aber dem Vernehmen nach hat sich die Negativentwicklung auch in diesem Jahr fortgesetzt. Von den im Jahr 2008 eingetragenen 71.600 Stuten waren 2013 nur noch 55.500 bei den Zuchtverbänden registriert. Allein von 2012 auf 2013 verlor die Zucht 4.300 Warmblutstuten. Im Pony- und Kleinpferdebereich sieht es ähnlich düster aus.

Entsprechend sinkt die Zahl der Warmblutfohlen. Unter 25.000 waren es 2013, in diesem Jahr könnte sich die Zahl vielleicht auf nur 23.000 einpendeln. Exakt weiß man dies erst, wenn alle Zuchtverbände ihre Jahresabschlüsse fertiggestellt haben. Leicht steigend ist hingegen die Zahl der neu eingetragenen jungen Turnierpferde, in diesem Jahr knapp 24.000. Das sind mehr Pferde, als Fohlen pro Jahr geboren werden. Nicht nur Turniersportler brauchen Pferde, sondern auch alle anderen Reiter, die den Sport nicht wettkampforientiert ausüben. Doch woher sollen sie kommen, die gesunden und rittigen Nachwuchspferde? Einen Teil des Marktes den ausländischen Züchtern überlassen zu müssen, wäre die logische Folge. Doch mit diesem Gedanken mag sich die deutsche Zucht am allerwenigsten anfreunden. Also bleibt nichts anderes übrig, als dass die Züchter und Zuchtinteressierten hierzulande das Ruder herumreißen und dafür sorgen, dass wieder mehr Fohlen geboren werden.

Theodor Leuchten, Vorsitzender des PM-Bereichs Zucht und Vize-Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, sagt im Editorial dieser Ausgabe: „Züchten ist kein Buch mit sieben Siegeln.“ Das stimmt, und genau diese Botschaft werden drei Zuchtexperten den PM bei ihren Regionalversammlungen mit auf den Weg geben. Dr. Burchard Bade, der frühere Landstallmeister des Niedersächsischen Landgestüts Celle, Cord Wassmann, Zuchtrichter, Jungpferdeexperte und einstiges FN-Präsidiumsmitglied, sowie der frühere FN-Generalsekretär und Zuchtgeschäftsführer Dr. Hanfried Haring reisen im Jahr 2015 mit dem Vortrag „Das 1 x 1 der Pferdezucht“ durchs Land.

Mit welcher Stute?

Viele Wege führen in die Zucht. Welcher der Beste ist, hängt naturgemäß von den individuellen Gegebenheiten ab. Viele Neuzüchter beginnen mit dem eigenen Reitpferd und lassen ihre Stute bedecken. Das macht Sinn, wenn die Stute gesund und noch nicht zu alt ist und keine gravierenden Exterieur- oder Interieurmängel hat. Wer allerdings meint, seine unrittige und zickige Stute, mit der das Reiten wenig Spaß macht, sei in der Zucht besser aufgehoben, irrt sich in aller Regel gewaltig. Charakter und Temperament können sich nämlich durchschlagend vererben – positiv wie negativ.

Manche Einsteiger in die Zucht kaufen sich heute ein Stutfohlen, um in zwei, drei Jahren zu züchten. Bis dahin wächst das junge Pferd unter Gleichaltrigen auf. Andere erwerben beim Züchter oder auf Auktionsplätzen eine junge oder bereits bewährte Zuchtstute, mit der sie sofort „loslegen“ können. Immer mehr in Mode kommt die Pacht einer Zuchtstute. Dieses Modell kann interessant sein, wenn sie keine Zuchtstute kaufen, aber züchten wollen. Dies ist auch für manchen Züchter ein attraktives Geschäftsmodell. Er behält die Stute, hat sie aber nicht mehr in den laufenden Kosten. Wer sich für eine Pachtstute interessiert, sollte sich an einen Zuchtverband wenden. Dieser kann sicherlich Kontakte vermitteln.

Information ist das A und O. Gerade für Neuzüchter ist die Bereitschaft sich zu informieren, fortzubilden und Expertenrat einzuholen immens wichtig. Es geht nicht nur um die besonderen Bedürfnisse einer Zuchtstute bzw. der Nachkommen in puncto Haltung, Fütterung oder Erziehung im Allgemeinen, sondern auch um die nötigen züchterischen Informationen. Mit welchem Hengst die Stute angepaart werden soll, ist die spannendste und zugleich schwierigste Entscheidung. Der „richtige“ Hengst ist nicht unbedingt der mit den Instrumenten des Marketings beworbene Strahlemann, sondern derjenige, über den abgesicherte Informationen über seine genetische Gesundheit und seinen Zuchtwert vorliegen. Je weniger Ahnung ein Neuzüchter hat, desto wichtiger sind für ihn die Informationen über einen Hengst. Doch bei aller Theorie: Entscheidend ist es, dass der Hengst zur Stute passt. Versierte Züchter wissen: Ein Extrem kann einen anderes Extrem nicht ausgleichen. Hat die Stute beispielsweise nur ein Stockmaß von 1,59 m und wird diese mit einem Hengst mit einem Stockmaß von 1,78 m angepaart, muss aus dem Fohlen später nicht zwangsläufigein Pferd mit einem gemittelten Stockmaß von rund 1,68 m werden.

Geplante PM-Zucht - Veranstaltungen

Neben den Regionalversammlungen in den einzelnen Bundesländern stehen bereits einige Veranstaltungen fest. Sie werden laufend aktualisiert.

 

  • 7. – 8. und 14. – 15. Februar: Züchterreise „Zu Gast bei Sprehe, Böckmann & Co.“
  • 15. – 16. März: „Fokus Pferdezucht“ auf der Equitana in Essen
  • 29. April – 1. Mai und 15. – 20. September: Reise nach Ostpreußen „Mythos Trakehnen“
  • 8. – 13. Juni: Reise nach „Lipica, Wien, Piber, Babolna“
  • 18. August: Tag der Pferdezucht bei den Europameisterschaften in Aachen
Termine

Informationsquellen

Informieren kann sich der Neuzüchter auf unterschiedliche Weise. Der Besuch von Körungen, Hengstschauen, Stuten- und Fohlenschauen öffnet den Blick für Qualität und für Qualitätsunterschiede, auch wenn es manchmal nicht leicht fällt. Besonders Fohlen wickeln den Betrachter mit ihrem Charme um den Finger, ebenso kann der lackschwarze Tänzer im Rampenlicht einer Hengstschau verzücken und blenden. Da sprechen Zahlen und Fakten eine nüchterne Sprache. Diese finden sich in den FN-Erfolgsdaten (www.fn-erfolgsdaten.de). Alles wird durchleuchtet: Die Lebensgewinnsumme eines Hengstes und seiner Nachkommen, seine eigenen sportlichen Erfolge, die Anzahl der Nachkommen im Turniersport (sogar mit separat ausgewiesenen Erfolgende der Klasse S), die gekörten Söhne sowie die Töchter, die in die jeweiligen Leistungsstutbücher eingetragen sind.

Wer Züchter werden will, muss sich mit folgenden Schritten vertraut machen: Zunächst wird man Mitglied in einem Zuchtverband der Wahl. Dort erfolgt die Anmeldung der Zuchtstute. Nach der Bedeckung der Stute durch einen Hengst einer privaten Station oder eines Landgestüts teilt der Hengsthalter die Bedeckung dem Zuchtverband mit. Die Geburt des Fohlens meldet der Züchter innerhalb von 28 Tagen seinem Zuchtverband.

Viel Verantwortung

Wer Pferde hält, trägt Verantwortung. Das gilt erst recht, wenn man züchtet. Denn sowohl die Zuchtstute als auch das Fohlen und spätere Jungpferd brauchen gute Lebensbedingungen. Regelmäßiger Weidegang ist die natürlichste und gesündeste Form der Haltung. Für die Geburt des Fohlens ist eine ausreichend große Box mit frischem Stroh und gesundem Stallklima nötig, aber so schnell wie möglich sollen Mutter und Kind gemeinsam mit anderen Stuten und Fohlen raus auf die Weide (sofern die Witterung es zulässt). Dies fördert eine gesunde Entwicklung des Fohlens. Unbedingt vermieden werden muss die Einzelhaltung von Stute und Fohlen, denn das Fohlen braucht die Gleichaltrigen zur Entwicklung seines Sozialverhaltens. Nach dem Absetzen von der Mutter hat der Züchter dafür Sorge zu tragen, dass das Fohlen in einer Herde aufwachsen kann. Zur Verantwortung gehört es auch, sich rechtzeitig Gedanken über die weitere Verwendung des Fohlens zu machen. Darauf haben Faktoren wie Eigenbedarf oder Qualität den größten Einfluss. Alle großen Zuchtverbände bieten Fohlenauktionen an, zudem gibt es einen beinahe unüberschaubar großen Markt an Internet-Verkaufsplattformen. Wer das junge Pferd behalten und später verkaufen will, hat die besten Chancen, wenn der Drei- oder Vierjährige solide angeritten angeboten wird. „Rohe“ Pferde sind heutzutage schwer zu vermarkten und einer der Gründe, warum so viele Züchter die Zucht aufgegeben haben bzw. ihre Stuten nicht mehr bedecken lassen. Wie gesagt: Züchten ist kein Buch mit sieben Siegeln. Der Versuch lohnt sich!


HorseFuturePanel: Zuchtbarometer 2014

Das Marktforschungsunternehmen HorseFuturePanel in Göttingen befragte in diesem Herbst über 1.000 Züchter und Zuchtinteressierte. 32 Prozent waren aktive Züchter, zehn Prozent ehemalige Züchter, 40 Prozent Zuchtinteressierte und elf Prozent der Befragten wollen künftig Pferde züchten. Die aktiven Pferdezüchter besitzen im Mittel drei Zuchtstuten, von denen zwei bedeckt sind. 71 Prozent züchten das Deutsche Warmblutpferd, 12 Prozent das Deutsche Reitpony, 17 Prozent andere Rassen.

Nur 20 Prozent der Befragten sind zufrieden mit der deutschen Pferdezucht, 59 Prozent sind teilweise zufrieden und 21 Prozent sind nicht zufrieden. Als positiv bewerteten die zufriedenen Probanden die Qualität der Pferde (83,2 %), die Erfolge der deutschen Pferdezucht (64,8 %) und das Herzblut/die Passion der Pferdezüchter (52,2 %). Als besonders negativ wurden von den unzufriedenen Probanden folgende Aspekte aufgezählt: zu wenig Rücksicht auf die altersgemäße Entwicklung der Pferde (71,4 %), zu viel Einfluss von namhaften Züchtern und Geld (65,8 %), zu hohe Kosten für Züchter (49,9 %) und zu wenig Beachtung der Gesundheitsmerkmale (45,1 %).

Ehemalige Züchter gaben als Gründe für die Aufgabe der Zucht folgende Argumente an: Die Kosten für die Pferdezucht sind zu stark angestiegen (49 %), die Aufgabe der Zucht erfolgte aus privaten Gründen (36 %) oder man hatte zu wenig Zeit/Lust (18 %). Aber immerhin sind noch 51 Prozent der Ex-Züchter Mitglied in einem Zuchtverband.

Auf die Frage „Was macht einen guten Pferdezüchter aus?“ antworteten die Umfrageteilnehmer wie folgt:

  • Alle Pferde des Züchters sind in einem guten Ernährungs- und Pflegezustand 89.1%
  • Das Haltungssystem entspricht den artbedingten Anforderungen des Pferdes hinsichtlich Licht, Luft, Bewegung und Sozialkontakten 88.4%
  • Der Pferdezüchter interessiert sich für die Bedingungen beim Käufer und rät vom Kauf ab, sollte er zu der Überzeugung kommen, dass das Pferd für den potenziellen Käufer ungeeignet ist 76%
  • Die Pferde des Züchters haben eine gute Erziehung genossen 68.9%
  • Der Züchter bemüht sich um die bestmögliche Anpaarung und kann aufschlussreich erklären, warum er genau diese Anpaarung durchgeführt hat 68.5%
  • Der Züchter bildet die Pferde altersgemäß aus 68.2%

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