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Über den Tellerrand geblickt: Shetty-Sporttag
Mit Hirn, Charme und Belohnung
„Rasenmäher“ sind nicht gefragt – an Shetty-Sporttagen geht es um rasende Hufe und wehende Mähnen, kluge Augen und Mäuseohren unterm dicken Schopf. Im westfälischen Dörenthe, am Fuße des Teutoburger Waldes, waren einen Tag lang ausschließlich Shettys im großen Viereck, auf der Dreiecksbahn und dem Rasenplatz unterwegs.
Unschuldige Kulleraugen und kleine Öhrchen – „Ich mag die Ehrlichkeit der Shetlandponys: Wenn Du die auf Deiner Seite hast, dann tun die Dir jeden Gefallen“, sagt Andreas Gössling, Gespannfahrer aus Gronau, und nimmt die Leinen auf. Der Tigerscheckhengst Jano und Wallach Wollo ziehen an und trippeln, nein – traben los. „Auf keinen Fall sollte man sie unterschätzen“, ruft Andreas Gössling auf dem Weg zum Kegelfahren. Kegel- und Dressurfahren für Ein- und Zweispänner, Springen an der Hand, Kostümreiten, Möhrenbeißen, Vorführwettbewerbe, Führzügelklasse, Geschicklichkeits- und Gelassenheitsübungen stehen beim zweiten Shetty- Sporttag in Dörenthe im Münsterland auf dem Programm. Teilnehmen dürfen alle Ponys bis Stockmaß 120 Zentimeter – Shetlandponys, Deutsche Partbread Shetlandponys, Classic Ponys oder ähnliche. 86 genannte Ponys verzeichnet der Zucht-, Reit- und Fahrgemeinschaft Dörenthe e.V.. Pro Pony und Start rechnen die Veranstalter mit vier bis fünf Begleitpersonen – alle trinken Limo, Bier oder Kaffee, essen Kuchen und Würstchen und füllen so die Vereinskasse. „Viele haben ihre Shettys beim Zuschauen dabei – es sind richtige Familienmitglieder“, sagt Ulla Böhner, Geschäftsführerin des Vereins. Bernhard Breckweg ergänzt: „So kamen wir auf die Idee mit dem Shetty- Sporttag: ein entspannter Tag ohne Druck, bei dem Kinder Spaß haben, Eltern erste Begegnungen mit Pferden erleben und die ganze Familie aktiv sein kann.“
Der Dörenther Shetty-Sporttag ist nicht der einzige in Deutschland: „Shetty Sport Süd“ ist ein Veranstaltungsreigen mit Turnieren an unterschiedlichen Orten – treibende Kraft ist der Ponyhof Müller in Denkendorf bei Stuttgart. Einmal im Jahr findet auf dem Landgestüt Redefin ein Shetlandponytag statt. Viele Termine mehr präsentiert die Interessengemeinschaft der Shetlandponys e.V. auf ihrer Homepage (ig-shetland.de). Am Anhängerparkplatz stehen die Ponys neben nahezu gleichgroßen Heunetzen, andere grasen in abgesteckten Weiden. Auf dem Reitplatz tragen die Shettys Glitzerstirnband und Bandagen in passender Farbe zur Schabracke. Konzertiert trabt die siebenjährige Hanna Wißing mit Shetlandpony Tweety, ein Professor-Pony und Lehrmeister Ü20. Mit Shetlandponys haben manche Spitzensportreiter angefangen. Hannas Mutter ist nicht ganz so ruhig: „Es ist das erste Mal, dass Hanna allein in einem Wettbewerb galoppiert.“ Ob aus dem Turniersport oder ganz ohne Pferdeerfahrung – alle Eltern sehen:Die Kinder haben Spaß, wachsen an Selbständigkeit, bauen Vertrauen zum Pferd auf und von der Größe passt es einfach gut mit den Shetlandponys. Die Siegerehrung des Reitwettbewerbs hat dank des von Monika Langelager selbst gebauten Treppenpodests Olympia- Niveau, die Sieger-Schärpen im Vorführwettbewerb sind Schwarz-Rot-Gold und tragen den Schriftzug „Shetty of Dörenthe“. Mindestens 40 Paar Hände klatschen. Die Erwachsenen präsentieren ihre Shetty an der Hand oder vor der Kutsche und haben mindestens ebenso viel Spaß wie die Kinder. Sabrina Vallentin aus Borken hat ein „Endmaßminishetty“ Barny (86 Zentimeter „klein, süß – aber die haben viel Pfeffer“). Wie Lara Jane Pracht kam sie auf die Ponys, weil sie Gesellschaft für ihren Großpferderentner suchte. „Mein Warmblut ist eine Drama-Queen, aber die Shettys machen einfach alles mit – gehen sogar angespannt, wenn ich Inliner fahre“, sagt Lara Jane Pracht. Manuela Hess, Reitsportfachhändlerin mit Shetty-Spezialisierung und einem Stand in Dörenthe, warnt: „Wer ein Shetty nur als Beistellpony hält, darf nicht glauben, dass es günstig ist. Sie sind fast genauso teuer wie große Pferde. Und als Rasenmäher sind sie nicht geeignet und viel zu schade – Shettys wollen beschäftigt werden. Sie lernen unglaublich schnell: Die schauen dreimal zu, wie das Tor aufgeht – und beim vierten Mal öffnen sie es selbst.“
Cornelia Höchstetter
Impressionen vom Shetty-Sporttag in Dörenthe 2025. Alle Fotos: Cornelia Höchstetter
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