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PM-Forum Ausgabe 07/2015

Editorial

Liebe Persönliche Mitglieder,
die Rückkehr des Wolfes in unsere Kulturlandschaft und Zivilisation gibt allen Anlass zur Sorge. Über 50 Schafe wurden bereits gerissen. Der in zahlreichen Medien berichtete Fall eines toten Isländer-Fohlens auf der Weide wurde zwar zunächst mit einem Wolfsriss in Verbindung gebracht, aber eine DNA-Untersuchung konnte dies nicht bestätigen. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, wann der Wolf das erste Fohlen angreift oder einen Menschen verletzt. Man darf zudem die Gefahr nicht unterschätzen, wenn ein Wolf Pferde über die Weide jagt. Brechen sie durch den Zaun, rennen sie auf die Straße, dann sind schlimme Unfälle programmiert.

Breido Graf zu Rantzau Wir befinden uns in einer Zwickmühle. Einerseits hat der vor 150 Jahren in Deutschland ausgestorbene Wolf durchaus seine Daseinsberechtigung, andererseits ist es falsch verstandener Naturschutz, das Tier zu verharmlosen und in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft heimisch werden zu lassen. Den ungefährlichen Wolf, der dem Menschen fern bleibt und nicht seinem Jagdtrieb nachgeht, wird es niemals geben. Im Gegenteil: In den letzten Monaten konnte mehrfach beobachtet werden, dass der Wolf seine natürliche Scheu verloren hat, mitten durch ein Dorf lief und sich sogar von einem Schäfer nicht aus der Schafsherde vertreiben lassen wollte.

Wir Pferdehalter sind, ebenso wie Geflügel-, Schafs-, Ziegen- oder Rinderzüchter, nicht in der Lage, unsere Weiden derart engmaschig einzuzäunen, dass kein Wolf mehr hinein gelangen könnte. Unsere Pferde, insbesondere die Fohlen und die Heranwachsenden im Stall zu lassen, wäre der falsche Weg und ganz gewiss nicht im Sinne einer gesunden Haltung und Aufzucht. Wir brauchen also Schutz. Aber den kann nur die Politik gewähren, indem sie schnellstmöglich ein tragfähiges Konzept erarbeitet, das Menschen und Tiere vor dem Wolf schützt und zugleich dem Wolf einen Lebensraum in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft schafft. Reservierte Areale für den Wolf, wie beispielsweise nicht mehr benutzte Truppenübungsplätze sie bieten, wären vielleicht eine Lösung.

Anfang Juli ruft das Bundesumweltministerium einen runden Tisch zusammen, an dem alle Interessenvertretungen (u.a. Bauernverband, Nutztierzucht, Natur- und Umweltschutz) mit der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenkommen. Wir Reiter werden dabei sein. Ich hoffe, dass wir in der Wolfsfrage ein Stück vorankommen.

Ihr Breido Graf zu Rantzau
Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN)

 

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