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Politik und Naturschutz suchen nach Kompromisslösungen

Die Wölfe sind zurück

Die einen freuen sich über die Wiederansiedlung des Wolfes in unseren Breitengraden, die anderen verteufeln den grauen Jäger und würden ihn am liebsten zum Abschuss freigeben. Zwischen diesen gegensätzlichen Polen müht sich die Politik um einen Konsens, Mensch und Tier vor dem Wolf zu schützen und zugleich dem Wolf einen Lebensraum zu schaffen.

Über 30 Wolfsrudel sind derzeit in Deutschland registriert und werden durch das sogenannte Wolfsmonitoring beobachtet.

„Willkommen Wolf“ titelte der NABU (Naturschutzbund Deutschland) 2005 seine Kampagne, um den hierzulande lange ausgestorbenen Wolf wieder heimisch zu machen. Über Patenschaften wurden finanzielle Mittel für Wolfsmonitoring, die systematische Erfassung des Bestandes und seines territorialen Verhaltens, beschafft. Damals vermutete man nur eine Handvoll Wölfe in Deutschland, ein Jahrzehnt später sind über 30 Rudel registriert sowie einige umherstreunende Einzeltiere. Natürliche Feinde und lebensbedrohliche Witterungsbedingungen hat der Wolf in Deutschland nicht, so dass seine Fortpflanzung die Population in den kommenden Jahren drastisch wird steigen lassen können. So sehr sich der NABU und andere Natur- und Tierschutzorganisationen über die Wiederansiedlung des Wolfes freuen mögen, so wenig willkommen ist der Wolf bei Schafzüchtern. Mehrere Dutzend Tiere ließen bereits ihr Leben. Spaziergänger berichteten von Wolfsbegegnungen, Rinder sollen von Wölfen angefallen worden sein, und auch ein neugeborenes Isländer Fohlen schien zunächst Opfer des Wolfes zu sein. Auf der Weide fand man nur noch seinen Kopf und die Wirbelsäule. Eine DNA-Analyse konnte jedoch keine Wolfsspuren nachweisen. Aber die Furcht ist auch unter Pferdehaltern groß. Besonders davor, dass sich Wölfe auf die Weide schleichen, die Pferde jagen, diese durch den Zaun brechen und im schlimmsten Fall verheerende Verkehrsunfälle verursachen.

FN: „Grund zur Sorge“

So sagte Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN): „Ja, das Thema Wolf ist auch in unserem Verband sehr akut. Generell ist es natürlich schön, dass eine ausgerottete Tierart zurückgekehrt ist, aber diese Rückkehr darf nicht auf Kosten unserer Haus- und Nutztiere geschehen. Die aktuellen Meldungen über Wolfsrisse geben uns allen Grund zur Sorge.“ Die FN steht in engem Schulterschluss mit anderen Interessenvertretungen wie dem Bauernverband und den zuständigen Ministerien. Entsprechend des EU-Rechts ist der Wolf in die höchste Kategorie aller schützenwerten Tier- und Pflanzenarten eingestuft. Dies ist die Gruppe IV und in dieser gilt absoluter Schutz vor menschlichen Eingriffen. Etwas weniger streng ist die Gruppe V, die es unter bestimmten Voraussetzungen gestattet, „Tiere oder Pflanzen zu entnehmen“, wie es heißt. Lauterbach: „Wir wollen erreichen, dass der Wolf von IV nach V wechselt, aber das dürfte ein langwieriger Prozess auf EUEbene werden.“

Die aktuelle Karte zeigt, wo sich Rudel und Einzeltiere derzeit aufhalten. Schwerpunkte sind Niedersachsen und die östlichen Bundesländer. Quelle: www.wolfsregionlausitz.de

Den Wolf vergrämen

Schon heute ist es möglich, dem Wolf zu Leibe zu rücken, im Fachjargon „zu vergrämen“. Zwei Umweltministerien (Niedersachsen und Schleswig-Holstein) haben bereits Genehmigungen erteilt, einen verhaltensauffälligen Wolf aus der Zivilisation zu verjagen, in letzter Konsequenz auch durch Abschuss. Offiziell zumindest ist noch kein Wolf durch eine Gewehrkugel getötet worden, aber das muss nicht heißen, dass ein solcher Abschuss nicht bereits erfolgt ist. Den Wolf ganz unter das Jagdrecht zu stellen, wird allerdings auch in Jägerkreisen sehr kontrovers diskutiert. Die Gegner argumentieren damit, dass es derzeit zu früh wäre, die Population noch nicht ausreiche.

Wölfe haben in Deutschland keine natürlichen Feinde und können sich deshalb ungehindert fortpflanzen.

Arbeitsgruppe Pferd-Wolf

In Niedersachsen hat sich ein Arbeitskreis Pferd und Wolf formiert. Dieser gehören der NABU, der Pferdesport- und Hannoveraner Zuchtverband, Züchter, Biologen, Vertreter der Universität Hildesheim und die Pferdeland Niedersachsen GmbH an. Deren Geschäftsführer Dr. Enno Hempel erläutert: „Das zuständige Umweltministerium in Niedersachsen hat 2007 einen Arbeitskreis Wolf gegründet und diesen im Juli 2014 neu zusammengestellt. Die Effektivität als echter Arbeitskreis hat jedoch noch Luft nach oben.“ Auch der 2010 herausgegebene Wolfsmanagementplan des Ministeriums, der derzeit aktualisiert wird, hinke der Wirklichkeit hinterher, da das Ausmaß der Wolfsverbreitung in Niedersachsen damals nicht absehbar gewesen wäre. Der Arbeitskreis Pferd und Wolf wünscht sich effektivere Strukturen und schnellere Lösungsansätze. Ein wichtiges Ziel dieses AK: Belastbare Informationen herauszugeben, die auch helfen sollen, mit der Thematik angemessen, sprich ohne übersteigerte Emotionalität oder gar Hysterie, umzugehen. Die Universität Hildesheim unterstützt dabei entscheidend die Erarbeitung von Grundlagen, fundierten neuen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen. „Erste Ergebnisse dieser Kooperation werden in Kürze veröffentlicht“ kündigt Hempel an. Zudem ist ein Infoblatt, ein Flyer, für Pferdehalter in Arbeit.

Bei allen unterschiedlichen Initiativen aller gesellschaftlicher Gruppierungen pro und contra Wolf ist Hempel sicher: „Ohne Regulierung wird es kein Miteinander von Mensch und Wolf geben können.“

Susanne Hennig

Der Wolf ist Thema bei der PM-Regionaltagung am 1. August in Bergen.

 

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