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Pferdepfleger im Interview
Liebe, Leidenschaft und Lebensinhalt
Egal ob es zum Championat geht, zu einem Nationenpreis- oder sonstigem großen Turnier: Sie wirken im Hintergrund, fiebern mit und sind so wichtig – die Pferdepfleger. Was ihren Job im Spitzensport ausmacht, verraten Nicole Hochstrat für die Para-Dressur und Christina Franzeski für die Vielseitigkeit.
Nicole Hochstrat, hier mit Highlander Delight´s am Rande der EM 2023 in Riesenbeck, begleitet Regine Mispelkamp seit 2018 auf Championate. Foto: Stefan Lafrentz
„Der rote Faden meines Lebens“
Nicole Hochstrat ist gelernte Tierarzthelferin und hat jahrelang in einer Pferde- und Kleintierpraxis gearbeitet. Ihr Chef war begeisterter Züchter von Hannoveranern, seine Pferde wurden von einer Profiausbilderin geritten: Regine Mispelkamp. So entstand der Kontakt zwischen Nicole und Regine, seit 2010 arbeiten sie zusammen. Nicole ist nicht nur Pflegerin im Stall Mispelkamp, sie managt auch den Stall, wenn die Chefin auf Turnieren unterwegs ist. Aber bei den Championaten ist sie immer dabei.
PM-Forum: Nicole, Ihr Arbeitsalltag dreht sich immer um Pferde. Was macht diesen Alltag aus?
Nicole Hochstrat: Ich sorge mich immer um das Wohl der Pferde. Im Prinzip – (lacht) – bin ich der Butler unserer Pferde. Ich fange um sechs Uhr mit dem Füttern an, mache die Pferde zum Reiten fertig, bringe sie auf die Wiese oder das Paddock, gehe mit ihnen spazieren oder sie werden von mir longiert. Zwischendurch behandele ich sie noch mit Magnetfeldtherapie oder anderen Wellnessanwendungen. Das alles mache ich aus Leidenschaft und Empathie – ohne das geht es nicht.
PM-Forum: Sie haben mit Regine schon fast die ganze Welt bereist?
Nicole Hochstrat: Ja, so kann man es sagen. Das erste Championat war die WM in Tryon 2018 mit Look At Me Now, dann kam die EM in Rotterdam, 2021 die Paralympics in Tokio, 2022 die WM in Herning, 2023 die EM in Riesenbeck und dann letztes Jahr die Paralympics in Paris. Es war einfach immer toll.
PM-Forum: Sie fahren gerne mit zu den Championaten – was gefällt Ihnen daran?
Nicole Hochstrat: Man trifft Leute, die man sonst nicht sieht. Man lernt andere Gegenden kennen und ich mag diesen Nervenkitzel – das macht schon Spaß. Und ich weiß, dass die Erfolge und die Championate ein Lebenstraum von Regine sind.
PM-Forum: Unterscheidet sich der Stallbereich der Para-Reiter in irgendeiner Weise von dem der Regelsportler?
Nicole Hochstrat: Nein, da gibt es keinen Unterscheid. Der ist genau dasselbe. Unter den Pflegern hilft man sich natürlich auch gegenseitig, spricht sich ab, wann die Pferde gefüttert werden und wenn es irgendwie klappt, dann gehen wir auch zusammen essen. Der Zusammenhalt ist wirklich gut – unter Reitern und Pflegern.
PM-Forum: Sie kennen sich seit 15 Jahren, da sind die Abläufe auf den Turnieren bzw. Championaten komplett eingespielt?
Nicole Hochstrat: Ja, absolut. Wir sind so aufeinander eingespielt, das läuft Hand in Hand. Es ist schon ein bisschen wie bei einem alten Ehepaar (lacht). Es ist definitiv eine Freundschaft geworden über die Jahre, aber trotzdem ist sie meine Chefin und ich habe den nötigen Respekt vor ihr.
PM-Forum: Stichwort Respekt – häufiger hört man, dass der Beruf des Pferdepflegers nicht genug respektiert wird. Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?
Nicole Hochstrat: Ich kann gar nicht sagen, dass ich das schon mal so empfunden habe, aber ich glaube, es ist generell bei Berufen, bei denen man körperlich arbeitet, nicht weit her mit dem Respekt. Wenn ich Leuten, die nichts mit Pferden zu tun haben, erzähle, dass ich Pferdepflegerin bin, dann können die sich unter dem Beruf nicht wirklich etwas vorstellen. Sie denken nur ans Pferde putzen. Aber unser Job ist ja viel komplexer. Und er ist sicher auch anstrengend, gerade wenn es im Winter so kalt ist oder es dauernd regnet, aber ich bin zufrieden. Und wenn ich in den Stall komme und die Pferde wiehern mir entgegen, dann weiß ich wieder genau, warum ich das mache. Wenn die Pferde einem ihr Vertrauen entgegenbringen – das ist toll. Mein Beruf ist mein Lebensinhalt, mein Leben. Ich habe nie etwas anderes gemacht. Schon als ich in der Schule war, bin ich nach den Hausaufgaben immer sofort zu unserem Nachbarn geflitzt und habe mich dort mit seinen Kaltblütern beschäftigt. Es gab in meinem Leben immer nur Pferde. Meine Leidenschaft und Empathie für Pferde sind der rote Faden meines Lebens.
„Aufs Championat? Nur mit Packliste!“
2016 hat sie ein Praktikum im Stall von Michael Jung gemacht. „Das war eher Zufall, ich wohne in der Nähe“, schmunzelt Christina Franzeski. Seither hat die 29-Jährige immer wieder mal ausgeholfen. Im Februar dieses Jahres hat sie sich ganz für die Pferde entschieden und arbeitet jetzt als Groom im Team des dreifachen Olympiasiegers.
PM-Forum: Nach Deinem Praktikum hattest du einen festen Job im Büro. Warum hast Du Dich vor sieben Monaten dazu entschieden, den an den Nagel zu hängen?
Christina Franzeski: Ich hatte Langeweile. Den ganzen Tag im Büro, das war nichts. Ich arbeite sehr gerne mit Pferden, das macht mir Spaß und da arbeite ich auch gerne ein paar Stunden mehr im Monat. Ich mag es, wenn ich auf den Turnieren „meine“ Pferde dabeihabe, sehe, was sie brauchen, oder mir überlege, was ich noch machen kann, damit es ihnen noch besser geht. Und ich beobachte gerne, wie sie Schritt für Schritt besser werden. Für mich ist dieser Job eine Berufung.
Für Christina Franzeski wäre die EM in Blenheim ihr erstes Championat als Pferdepflegerin. Foto: Patricia Welp
PM-Forum: Nehmen wir fischerChipmunk FRH als Beispiel – womit kannst Du ihm eine besondere Freude machen?
Christina Franzeski: Chip braucht viel Aufmerksamkeit und er sagt Bescheid, wenn er mehr davon möchte. Dann guckt er sehr auffordernd aus der Box, so lange, bis er gekuschelt wird. Er will auch unbedingt viel und häufig raus und sich bewegen und er geht natürlich sehr gerne grasen – aber er bestimmt, an welcher Stelle gegrast wird (lacht).
PM-Forum: Michael ist mehr oder weniger abwechselnd auf Spring- und Vielseitigkeitsturnieren unterwegs – ist das ein großer Unterschied für Dich?
Christina Franzeski: Bei den Vielseitigkeitsturnieren ist natürlich mehr Abwechslung mit den drei Disziplinen, das finde ich schon gut. Und die Vielseitigkeitspferde sind viel entspannter als die Springer. Mit den Vielseitigkeitspferden kann man stundenlang entspannt grasen gehen, da sind die Springpferde viel unruhiger und sensibler.
PM-Forum: Du warst schon zweimal mit in Kentucky auf dem großen Vielseitigkeits-Event – bist du auch nervlich angespannt, wenn Michi Jung einreitet?
Christina Franzeski: Ich bin unheimlich aufgeregt, bei der Dressur noch am wenigsten, aber beim Springen und vor allen Dingen natürlich beim Gelände. Ich versuche auch immer, die Kurse vorher mit abzugehen, damit ich weiß, wovon wir danach sprechen.
PM-Forum: Noch warst Du bei keinem Championat dabei, aber wenn das klappen würde, würdest Du etwas anders machen?
Christina Franzeski: (lacht) Auf jeden Fall! Ich schreibe mir sonst keine Listen, aber für ein Championat würde ich mir eine Packliste schreiben. Da darf auf gar keinen Fall irgendetwas fehlen.
Das Interview führte Kim Kreling.
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