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Lernen vom Reitmeister: Klaus Balkenhol
Filmreifer Lebenslauf
Das Leben von Klaus Balkenhol ist wunderbarer „Stoff“ für eine Verfilmung. Es könnte ein Film entstehen, bei dem sich der Zuschauer ab und zu vielleicht denken würde: „Naja, so richtig realistisch ist das nicht.“ Doch es war so…
Filmreife Karriere – und als Trainer mit Regiestuhl am Rand. Fotos: Jacques Toffi
Am Nikolaustag, dem 6. Dezember 1939, ist Klaus Balkenhol in Velen als drittes von vier Kindern geboren und auf Gut Ross aufgewachsen. Nach der Schule absolvierte er eine landwirtschaftliche Lehre auf dem elterlichen Hof, tagsüber bei der Feldarbeit waren die Pferde Arbeitskollegen; an vielen Abenden im nahegelegenen Reitverein Sportpartner. An eine leistungssportliche Laufbahn Balkenhols dachte damals niemand.
Landwirt wird Polizeireiter
Aus der Landwirtschaft wechselte Balkenhol zur Polizei, absolvierte auch da eine Ausbildung und landete als Polizeireiter 1971 im Sattel des Streifenpferdes Rabauke. Aus Interesse und Faszination brachte der junge Polizeireiter seinem Streifenkollegen die schwierigsten Dressurlektionen bei. Damals gab es weder das Internet noch Handy-Apps, Balkenhol lernte aus jedem Buch, das er finden konnte und guckte bei jeder Gelegenheit den großen Dressurreitern zu. Noch immer war Turniersport kein Thema.
Von Null auf Hundert
Erst mit 38 Jahren nahm er auf eigene Initiative an einem Dressurlehrgang in Warendorf teil und wurde dort von dem damaligen Bundestrainer der deutschen Dressurreiter, Willi Schultheis, entdeckt. Das war der Startschuss! 1979 wurde Balkenhol mit Rabauke bereits Deutscher Vizemeister.
Mit Polizeipferd Goldstern sammelte Balkenhol seine größten Erfolge.
1981 entdeckte der nun dressurreitende Polizeireiter Goldstern, bildete ihn sorgsam aus, wurde 1991 Mannschafts- Europameister und Vizemeister in der Kür und feierte 1992 in Barcelona Mannschaftsgold und Einzelbronze bei den Olympischen Spielen. Viermal gewann das Paar den deutschen Meistertitel, sicherte sich 1996 erneut olympisches Teamgold, hinzu kamen 1994 Teamgold und Silber in der Kür bei den Weltreiterspielen in Den Haag sowie EM-Teamgold 1993 und 1995.
Gemeinsam mit Dressurqueen Isabell Werth, der heutigen Bundestrainerin Monica Theodorescu und Martin Schaudt holte Klaus Balkenhol (links) Teamgold bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996.
(Bundes-)Trainer
Nach den Olympischen Spielen 1996 übernahm Klaus Balkenhol, der sich längst auch als Trainer einen internationalen Ruf gemacht hatte, das Amt des deutschen Bundestrainers. Während seiner vierjährigen Amtszeit gewann die deutsche Equipe vier Goldmedaillen bei Championaten sowie zweimal Einzelgold und zweimal Einzelsilber. Von 2001 bis 2008 sammelte Balkenhol anschließend auch als Nationaltrainer des US-Dressurteams Medaillen.
Zu seinen bekanntesten Schülerinnen gehörten Nadine Capellmann, Helen Langehanenberg, Laura Bechtolsheimer/GBR, Therese Nilshagen/ SWE und bis heute seine Tochter Anabel Balkenhol.
Immer pro Pferd
Als Reiter, Ausbilder und Trainer wurde Klaus Balkenhol nie müde, die Bedeutung der richtigen Basisausbildung zu betonen. „Dass sich klassische, pferdegerechte Ausbildung und Erfolg im Leistungssport nicht ausschließen müssen, dafür stehe ich seit dem Ende meiner aktiven Laufbahn im Sattel auch mit meiner Arbeit als Trainer”. 2011 wurde er mit dem Titel „Reitmeister“ ausgezeichnet – die logische Folge einer großartigen, filmreifen Karriere.
Kim Kreling
Klaus Balkenhols Ausbildungstipp: Die Piaffe
Die Voraussetzung zum Erarbeiten der Piaffe ist die Grundausbildung und Basisarbeit der Pferde. Wenn ein einziges Puzzleteil aus der Ausbildungsskala fehlt, kann es mit einer korrekten Piaffe oder Passage nicht klappen. Die Ausbildungsskala ist das Fundament und ich achte sehr darauf, dass das Fundament stimmt. Bevor ich mit der Piaffe beginne, prüfe ich, ob mein Pferd den richtigen Nerv hat, eine so hohe Versammlung einzugehen. Auf die entsprechende Hilfe des Reiters muss das Pferd reagieren. Wenn die Hilfen zu grob sein müssen, damit das Pferd reagiert, dann wird die Piaffe nicht schön.
Vorwärtsreiten!
Ich erarbeite zuerst einen guten, versammelten Trab. Das bedeutet: Ich nehme das Pferd zurück und wenn es die Versammlung gut annimmt, verstärke ich die Hilfen, damit das Pferd sie in ein verstärktes diagonales Abfußen umsetzt. Das ist wichtig. Meistens mache ich diese Übung zuerst im freien Raum, nicht an der Bande, damit die Pferde Platz haben, sich seitlich auszubalancieren. Wenn sie sich gut stabilisiert haben, gehe ich an die Bande. Und dann muss man aufpassen, dass die Pferde nicht anfangen zu ballotieren, also von einem Vorderbein aufs andere hin- und herspringen. Das kann man nur korrigieren, indem man immer wieder im Vorwärts arbeitet. Alle Fehler, die entstehen, weil den Pferden die Balance oder das Gleichgewicht fehlt, kann man nur durch Vorwärtsreiten beheben – so ist das auch in der Piaffe.
Nicht zu kurz
Passage gemacht wird, ist das „Zu-kurz- Reiten“. Man darf nie zu stark mit der Hand einwirken und versuchen, die Pferde rückwärtszureiten. In den Paraden müssen die Pferde immer aus der Hinterhand heranschieben und die Einwirkung der Zügel dort annehmen. Anlehnung muss gegeben sein, ganz ohne Anlehnung geht es nicht, doch sie sollte ganz leicht sein.
Dablino, mit Balkenhols Tochter Anabel im Sattel, ist hier in London 2012 anzusehen, wie anstregend piaffieren für das Pferd ist.
Das ist gerade in der Piaffe sehr wichtig, sonst lässt man den Pferden keinen Raum, sich nach vorne zu entwickeln. Merke: Je höher die Versammlung, desto weniger Anlehnung darf man haben. Und noch ein Tipp: Es ist wichtig, dass man in der Piaffe den Rücken des Pferdes etwas entlastet und mehr über das Knie agiert. Knie und natürlich Unterschenkel geben den Impuls, aber nie fest. In der Piaffe muss immer das gewisse Maß an Losgelassenheit gegeben sein, sonst fangen die Pferde an zu schaukeln oder machen ungleiche Tritte und so weiter. Eine positive Grundspannung ist notwendig, doch es darf keine Verspannung sein.
Diagonale Fußfolge
Wenn ich mit dem Piaffe-Training beginne, reichen ein bis zwei Tritte völlig aus. Im Grunde brauchen die Pferde gar keine richtigen Piaffe-Tritte machen, es reicht, wenn sie die Beine in einer diagonalen Abfolge heben und senken. Wie schnell ist egal, Hauptsache ist erstmal die diagonale Fußfolge. Außerdem setze ich eine Piaffe oder Passage nie für sich allein an, sondern immer im Zusammenhang: versammelter Trab, Passage, die muss auch gar nicht zu kadenziert sein, Übergang zur Piaffe und wieder nach vorne raus aus der Piaffe. Dabei muss man immer das Vorwärts im Pferd spüren. Und wieder liegt die Betonung darauf, dass man nicht das Pferd mit der festen Hand zurückhalten darf, sondern das Vorwärts unterstützen sollte, um die Hinterbeine weiter zu aktivieren. Aus meiner Sicht ist die Piaffe erst dann korrekt und gelungen, wenn auch der Übergang danach in die Passage stimmt. Machen die Pferde einen großen Schritt heraus aus der Piaffe, dann ist das für mich keine korrekte Versammlung in der Piaffe gewesen.
Feine Hilfen
Der häufigste Fehler, der in der Piaffe gemacht wird: zu viel Hand und zu viel Schenkel. Die Pferde müssen selbstständig agieren, dann wird die Piaffe auch schön und richtig. Deshalb ist es in der Ausbildung wichtig, dass man die Sensibilität eines Pferdes schult. Pferde sind unglaublich gelehrig und leben aus der Erinnerung. Man muss Hilfengebung konditionieren. Das heißt: Man gibt eine Hilfe und das Pferd reagiert – das ist das, was man fördern und schulen muss. Wichtig ist, dass die Konditionierung der Hilfe immer in einer feinen Art geschieht. Wenn die Pferde nicht sofort reagieren, dann muss ich mit Spore oder Gerte auch mal helfen. Sobald sie darauf antworten, werden sie sofort gelobt. Loben ist das wichtigste Element in der Ausbildung – auch gezielt während der Piaffe oder der Passage. Sonst hören die Pferde auf und fangen an, die Hilfen zu ignorieren. Je besser das Pferd reagiert, umso feiner kann die Hilfengebung werden und diese feine Hilfe wiederhole ich immer wieder – das bedeutet Konditionierung. Ich reite Piaffen auch immer mit einer kleinen Vorbereitung, mit einem kleinen Schnalzen beispielsweise. Ich gebe ihnen sozusagen ein Zeichen, dass ich jetzt piaffieren möchte, und dann wissen sie Bescheid.
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