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Pferd mit Job

Über den roten Teppich in die Seniorenresidenz

Wega, Ehrenamt im Pflegeheim

Kontakt: Auf Instagram unter @neleplx.

Bestaunen, berühren, streicheln oder gar striegeln, von eigenen Erinnerungen erzählen: Das sind die Reaktionen der Senioren, wenn Haflinger Wega auf Besuch in Pflegeheimen ist. Pferdebesitzerin und Sonderpädagogik-Studentin Nele Plaßmeier, 23, aus Porta Westfalica hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrer Haflingerstute Wega Abwechslung in den Alltag der Heimbewohner zu bringen. Noch ist der „Job“ für sie und Wega ein Ehrenamt. Für die Zukunft plant sie, daraus ein nebenberufliches Standbein zu entwickeln. Zur therapeutischen Wirkung von tierischem Einsatz in Pflegeheimen gibt es bereits mehrere wissenschaftliche Studien. Unter anderem eine Arbeit eines australischen Forscherteams: Sie analysierten veröffentlichte Studien aus den Jahren zwischen 2014 und 2023, die sich mit pferdegestützten Angeboten für demenzkranke Menschen befassten. Das Ergebnis: Die Begegnung mit Therapiepferden beeinflusst auf positive Weise Wohlbefinden, soziale Teilhabe, Kommunikation sowie neuropsychiatrische Symptome der Betroffenen.

Dürfen wir vorstellen? Wega, 24 Jahre alt, eine sportliche Haflingerstute, Fuchs mit weißem Langhaar, geboren am 24. April 2002, eingetragen im Pferdezuchtverband Sachsen. Vater ist der Haflingerhengst Star – er stand eine Zeit lang im Landgestüt Moritzburg. Wegas Mutterstute heißt Wenke, und stammt von Nautilus (bayerischer Haflinger). Züchter ist Otto Schulz aus Nuthe-Urstromtal in Brandenburg, Besitzerin Nele Plaßmeier.

Berufsbezeichnung: Wega ist von Hauptberuf Nele Plaßmeiers „Herzenspferd“. Die Stute ist zudem im „Ehrenamt“-Einsatz beim Voltigieren im Reitverein Bad Oeynhausen sowie als Therapiepferd in Kindergärten und Pflegeeinrichtungen für Senioren. Außerdem ist Wega Show- und Fahrpferd sowie privates Reitpferd.

Kurzcharakteristik: Nele Plaßmeier beschreibt Wega als einfühlsam, als Fels in der Brandung und als unerschütterlich. „Privat kann sie zu mir auch sehr zickig sein – aber niemals im Job“, erklärt die Pferdebesitzerin. „Wega ist herzlich, aufmerksam und gleichzeitig abgeklärt. Eine gute Mischung, um einfach alles mit ihr machen zu können.“

Aktuelle Tätigkeit 

Wenn es um das Ehrenamt als vierbeiniger Besuch in Pflegeheimen geht, so ist Wega bisher regelmäßig im Haus Sophienhof in Porta Westfalica, im MediCare Minden sowie in der Stadtresidenz Hyggegarten in Bückeburg – und in der KiTa in Bad Oeynhausen anzutreffen.

Besondere Kenntnisse und Fähigkeiten

„Für den Besuch im Pflegeheim ist es gut, dass Wega von Natur aus eine gewisse Ruhe mitbringt. Das Wichtigste ist, dass wir uns so gut kennen und vertrauen – dass sie sich an mir als Herdenchefin orientiert“, erklärt Nele Plaßmeier. „Wenn ich an ihrer Seite bin, lässt sie sich in vollem Vertrauen von fremden Menschen anfassen, obwohl sie wechselnde Bezugspersonen nicht so gernhat.“

Lebenslauf

Nele Plaßmeiers und Wegas Wege kreuzten sich vor über zehn Jahren – damals war Wega Schulpferd im Reitverein Großer Weserbogen und Nele noch Teenagerin. Über die Zeit zuvor weiß Nele Plaßmeier nichts. Jedoch: „Wechselnde Menschen um sie herum waren nicht ihr Ding“, erinnert sie sich. Wega wurde ihr Pflegepferd: „Ich habe sie so genommen, wie sie war. Sie mochte keine Sättel, also bin ich ohne Sattel geritten.“ Dann verletzte sich Wega an der Sehne, und Nele übernahm das Pferd. Sie ließ sie operieren, ohne Garantie, dass der Haflinger je wieder reitbar würde – das Ziel war vor allem ein schmerzfreies Leben. Ein Jahr baute Nele die Stute behutsam wieder auf. Heute, mit 24 Jahren, ist Wega topfit: Sie springt über Hindernisse, die beiden starteten mit Halsring-Reiten, spezialisierten sich auf Showauftritte, ritten am Strand in Cuxhaven und schwammen im Meer. Ihr erster größerer Auftritt war 2023 im Rahmen des Deutschen Championats der Berufsreiter – Springen in Bad Oeynhausen. Mit Halsring über ein weißes Tuch und darunter hindurch galoppieren, ungarische Post – all diese vertrauensbildenden Übungen bereiten die beiden auf Besuche in Heimen vor.

Der normale Alltag

Weil Wega ein Tausendsassa ist, gibt es keinen normalen Alltag. Wenn jedoch das Ehrenamt „Pflegeheimbesuch“ (seit 2022) ansteht, dann wird sie geputzt, gewienert und gewaschen. Das dauert etwa zwei Stunden, danach folgt eine etwa 20-minütige Anhängerfahrt. Im Sommer geht Nele Plaßmeier mit der Stute in den Garten der Pflegeheime, im Winter ins Gebäude – die Besuche nehmen etwa eine dreiviertel Stunde ein. Dann sitzen die Bewohner im Sitzkreis, Wega geht in die Mitte – manchmal über einen Teppich, manchmal ohne. „Wichtig ist, dass Wega als Fluchttier um die große Öffnung weiß, sie darf sich nicht eingeengt fühlen. Zur Vorstellung erzähle ich ein wenig über uns. Die Bewohner schauen mit großen Augen das Pferd an. Dann lasse ich Wega entscheiden, zu welchem Menschen sie geht.“ Wer mag, darf Wega streicheln oder sogar mit einer weichen Bürste putzen. „Wenn dann mancher mit seinem Rollstuhl an sie heranfährt, steht sie ganz still. Die Heimbewohner haben oft Erinnerungen an ihre Jugend und fangen teils an zu erzählen. Nach meiner Beobachtung mobilisiert die Begegnung mit dem Pferd Körper und Geist“, sagt Nele Plaßmeier.

Freizeitausgleich und Sonntagsarbeit

Weil Wega ein Pferd mit „Ehrenamt“ ist, findet die Freizeit mit Ausritten oder dem Leben im Offenstall mit zwei Mitbewohnern eher im Alltag statt, und die „Sonntagsarbeit“ sind dann die ehrenamtlichen Einsätze als Show-, Voltigier- oder Heimbesuchspferd.

 

Wega macht Menschen glücklich und genießt selbst ihre Auszeiten auf der Weide. Fotos: Nele Plaßmeier/privat

Ausbildungsleiterin

Nele Plaßmeier hat einen großen Teil ihrer Kindheit bei ihren Großeltern verbracht und das hat sie geprägt. „Mir war klar, dass ich eines Tages auch für sie da sein werde“, erklärt sie. So hat sie während des Studiums (Bachelor und Master Lehramt Sport und Deutsch, aktuell Master in der Sonderpädagogik) immer wieder Teilzeitjobs als Pflegekraft angenommen. Zudem pflegt sie ihren Großvater zuhause. Darüber hinaus ist Nele im Reitverein engagiert, etwa seit 15 Jahren als Co-Trainerin für die Voltigierer. Auf die Idee, Pferd und ältere Menschen zusammenzubringen, kam sie, als sie früher öfters den Großvater in den Stall zu Wega mitnahm. „Seine Augen leuchteten so auf!“, erinnert sie sich.

Wie würde das Zwischenzeugnis lauten?

„Wega erreicht die Herzen der Menschen, wie es Worte nie können. Sie überrascht mich jeden Tag wieder aufs Neue – obwohl sie mich manchmal wahnsinnig machen kann. Ein Beispiel: Wenn ich sie putze, hält sie kaum still – und beim Heimbesuch steht sie wie eine Statue da.“

Arbeit im Alter – Rentenversicherung

Wega hat ihren Platz bei Nele Plaßmeier auf Lebenszeit. Deshalb wurde eigens für die Haflingerstute ein Offenstall errichtet und zwei weitere Pferde als Gesellschafter angeschafft. Keine Frage: Wega ist die Chefin – auch auf Lebenszeit.

Cornelia Höchstetter

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