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Mauke: Multifaktorielle Erkrankung
Pferde sicher transportieren
Vier Hufe auf Rädern
Mobilität per Kraftfahrzeug gehört heute zum Alltag, auch für viele Pferde. Dabei hat das Thema viele Perspektiven und Klippen: die psycho- und physiologische Sicht, jede Menge Paragraphen und amtliche Papiere, Sicherheits- und organisatorische Fragen.
Wer mit Pferden losfährt, muss einiges beachten. Foto: Jana Gerstenkorn/FN-Archiv
Bevor Pferde auf große Fahrt gehen, gibt es für die begleitenden Menschen zwei Geräusche, die für Erleichterung sorgen: Der satte „Rumms“, wenn der Pferdeanhänger sauber, sicher und ohne zu klemmen über dem Kupplungskopf am Auto einschnappt. Und das „Klock, Klock, Klock“ der Hufe, wenn das Pferd, ohne zu zögern, über die Rampe in den Anhänger einsteigt. Wenn eine Fahrt so beginnt, ist der Rest – fast – ein Kinderspiel.
Der Check vor dem Start
Bevor die Fahrt mit Pferd beginnt, sollte jedes Mal routinemäßig ein Sicherheits-Check stattfinden. „Prüfen Sie beim Ankuppeln, ob der Sicherheitsstift ein korrektes Einrasten zeigt“, rät Fahrlehrerin Katja Prohl. Außerdem gibt sie das Motto aus: „Dreimal Gelb, zweimal Rot und einmal Weiß“. Der Fahrer schaltet den linken, den rechten Blinker und die Warnblinklichtanlage ein. Eine zweite Person prüft von hinten, ob die Lichter wirklich leuchten. Ebenso Fuß auf die Bremse für das rote Licht, die Nebelschlussleuchte ebenfalls in Rot und den Rückwärtsgang für weißes Licht. Außerdem sollten die Reifen mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe haben, den Luftdruck per Sichtprüfung checken (und zweimal im Jahr an der Tankstelle, rät die Fahrlehrerin), ein Blick auf das TÜV-Schild werfen, auf eine gelöste Handbremse, eventuelle äußere Beschädigungen und auf Bremsgestänge und Abreißseil achten. Die Reifen dürfen beim Anfahren nicht blockieren.
Vor der ersten Fahrt
Fast ein Kinderspiel – denn bis zur ersten Fahrt kreisen viele verschiedene Fragen um das Thema Transport: um das Pferdeverhalten und das richtige Verladen, wie die Fahrt möglichst angenehm fürs Pferd wird, um die Wahl des Transportmittels – vom Einpferd- Anhänger bis zu Kleintransporter oder gar Lkw –, um gesetzliche Bestimmungen, um die Verkehrsordnung, um Papiere von Führerschein bis Fahrzeugpapier und um das richtige Fahren mit Pferdeanhänger.
Verladen am besten immer zu zweit – und natürlich mit viel Ruhe. Foto: Jana Gerstenkorn/FN-Archiv
In der Fahrschule
Bis 1998 durften die Inhaber der alten Führerscheinklasse 3 ohne extra Prüfung und ohne Übung einfach so mit Auto und Pferd hinten dran losdüsen. Heute lernen die Fahrschüler für die Führerscheinklasse BE und B96 den Umgang mit Anhängern. Fahrlehrerin Katja Prohl aus Bayreuth in Oberfranken reitet selbst bis zur Klasse S und hat häufig Reiter in ihrer Fahrschule. Auf dem Stundenplan stehen Vor- und Rückwärtsfahren sowie das richtige gefühlvolle Bremsen. „Allerdings ist das mit einem leeren Anhänger immer etwas anderes als mit einem lebendigen Wesen. Das Pferd ist keine starre Masse, sondern bewegt sich. Darauf muss man sich einstellen und entsprechend vorsichtig fahren.“ Katja Prohl rät zu aufmerksam vorausschauendem Fahren: Ampeln schon von weitem beobachten und bei langer Grünphase auf das Umschalten auf Rot vorbereitet sein, anstatt im letzten Moment eine Vollbremsung hinzulegen. Behutsam bremsen heißt es, wenn man langsam in die Kurven einfährt. Dann hat das Pferd Zeit, sich darauf einzustellen und auszugleichen. Eine besonders tückische Kurve ist zum Beispiel die Autobahnausfahrt, nachdem es lange Zeit nur geradeaus ging. Die muss dann besonders sensibel angesteuert werden.
Gefühl vor Technik
„Reitern mit eigenem Pferd biete ich auch an, die ein oder andere Fahrstunde mit ihren Pferden zu machen“, erzählt Katja Prohl. Dann gibt es weitere Praxistipps: Fährt nur ein Pferd auf dem Anhänger, empfiehlt die Fahrlehrerin die linke Seite zum Stehen. Die Straßen neigen sich üblicherweise zum Fahrbahnrand hin ab. „Wenn man doch mal aufs Bankett kommt, liegt der Anhänger sicherer auf der Straße, wenn das Hauptgewicht links ist.“ Ganz klar: Wenn es hinten rumpelt, hat sich der Fahrer als gefühlvoller Pferde-Chauffeur disqualifiziert. „Wenn Pferde nicht mehr gerne in den Anhänger gehen, liegt das meines Erachtens sehr oft an der Fahrweise der Fahrer“, beobachtet Katja Prohl. Der Spediteur und Profi im Pferdetransportwesen, Friedrich Johannsmann aus Steinhagen, stimmt ihr zu: „Der entscheidende Faktor beim Pferdetransport ist der Fahrer – ob das Fahrzeug 30 Jahre alt ist oder ob das Pferd in einem modernen Transporter steht: Wichtiger als die Technik ist die gefühlvolle Art, Pferde zu fahren.“
Die Maut
Seit Dezember 2023 haben sich die Fahrten für Lkw über 7,5 Tonnen durch die Einführung von CO2-Emissionsklassen als neues Tarifmerkmal verteuert. Ab 1. Juli 2024 sind zusätzlich Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen technisch zulässiger Gesamtmasse von der Mautpflicht betroffen, das kann auch die Kleintransporter betreffen.
Tipp der Fahrlehrerin: Bei Fahrt mit nur einem Pferd im Zweipferde-Anhänger immer links verladen. Foto: Böckmann Fahrzeug
Alles für den Vierbeiner
Das sieht auch die Pferdewirtschaftsmeisterin Waltraud Böhmke aus dem niedersächsischen Belum: „Jeder, der einen Pferdeanhänger fährt, sollte sich einmal freihändig auf den Anhänger stellen – natürlich nur auf einem Privatgelände, nicht im Straßenverkehr. Dann spürt man selbst einmal, wie unangenehm Kurven und das Abbremsen sich anfühlen, wenn der Fahrer die letzten Meter das Gespann nicht auslaufen lässt“, sagt sie.
Ein- und Ausladen
Damit die Pferde zu zuverlässigen Mitfahrern werden, achtet Waltraud Böhmke auf die Lernphase: Das Verladen sollte eingeübt werden, eine bestimmte Methode möchte Waltraud Böhmke nicht empfehlen, das sei individuell und komme auf das Pferd an. „Am Ende ist das Verladen zum wirklichen Wegfahren dann doch etwas anderes als das reine Verladetraining. Deshalb gilt: Je selbstverständlicher und souveräner der Mensch ist, desto eher vertraut ihm das Pferd.“ Ist der Pferdebesitzer selbst zu nervös, ist es keine schlechte Idee, eine erfahrene Person um Hilfe zu bitten, die das Pferd dann in den Anhänger führt. Außerdem sollten beim Verladen immer zwei Personen dabei sein: Die eine Person führt das Pferd auf den Anhänger, die andere schließt die Stange. Manchmal macht die Wahl des Fahrzeugs den Pferden Probleme, etwa wenn die Einstiegshöhe aus Sicht sehr großer Pferde eher niedrig wirkt. „Wenn die Tiere darüber hinwegsehen können, macht das dem ein oder anderen Pferd Angst. Deshalb bevorzugen einige eher einen steileren Einstieg, gerade wenn es auf einen LKW geht“, beobachtet Friedrich Johannsmann. Auch die Kleintransporter haben eine großzügigere Eingangssituation.
Durchdacht abladen
Das Thema Verladen sollte immer zu Ende gedacht werden – bis zum sicheren Aussteigen. „Ich rate dazu, am Ziel nicht sofort auszuladen – die Pferde sollen von Anfang an lernen, dass sie auch ruhig bleiben, wenn das Fahrzeug steht“, sagt Waltraud Böhmke. Beim Ausladen ist die Reihenfolge wichtig: Das Pferd wird erst vorne losgebunden, die Person, die das Pferd locker hält, lässt es noch einen Schritt, soweit möglich, nach vorne treten. Hier zahlt sich gute Bodenarbeit im Vorfeld aus. Dann macht die zweite Person nach freundlicher Ansprache die Klappe auf und löst die hintere Stange. Fatal ist es, die Stange zu öffnen, wenn das Pferd noch angebunden ist. Für noch mehr Sicherheit beim Abladen hilft es, auch die vordere Boxenstange zu lösen. Dann braucht der Mensch nicht akrobatisch unter der Stange durchzutauchen, wenn das Pferd sich rückwärts bewegt. Bis das Pferd zum Routinier wird, fährt es besser mit einem zweiten Pferd im Anhänger. „Letztlich sind es Herdentiere – sie fühlen sich zu zweit wohler und der Neuling kann sich vom erfahrenen Pferd die Selbstverständlichkeit abschauen“, sagt Waltraud Böhmke.
Funktionieren alle Lichter? Das sollte vor Fahrtbeginn jedes Mal überprüft werden.
Wichtige Dokumente wie Pferdepass und Fahrzeugpapiere am besten immer griffbereit haben. Fotos (2): Jana Gerstenkorn/FN-Archiv
Fakten aus dem Fahrzeugschein
Im Zulassungsbescheinigung II, auch Fahrzeugschein genannt, stehen die entscheidenden Zahlen für einen Anhängerbetrieb.
- Buchstabe G: Leergewicht – Achtung, wie auch beim Anhänger ist das Leergewicht nicht das reale Gewicht, denn je nach Ausstattung und Inneneinrichtung wird das Fahrzeug schwerer.
- Buchstabe O.1: technisch zulässige Anhängelast gebremst in Kilogramm (Pferdeanhänger sind immer gebremste Anhänger). Achtung! Es gilt das reale Gewicht des Anhängers und der geladenen Pferde.
- Buchstabe F12: technisch zulässige Gesamtmasse in Kilogramm, also das zulässige Gesamtgewicht des Wagens (Leergewicht plus Zuladung). Das spielt bei Kleintransportern eine Rolle: Je
nach Eigengewicht des Wagens ist die Zuladung limitiert, das klärt die Frage, ob ein oder zwei Pferde mitfahren können. Außerdem ist es eine Frage der Mautpflicht: bis 3500 Kilogramm ist
das Fahrzeug mautfrei. - Zahl 13: maximale Stützlast. Die Stützlast des Zugfahrzeuges ist das Gewicht, das von oben auf die Anhängekupplung wirkt, messbar mit einer speziellen Waage. Die maximale Stützlast des
Anhängers steht auf dem kleinen Typenschild, meist vorne am Aufbau.
Wohlbefinden
Heunetz – ja oder nein? Ja, unbedingt – sagt Waltraud Böhmke: „Ist das Heunetz am Ende der Fahrt leer, habe ich ein gutes Gefühl und weiß, das Pferd fühlt sich auch wohl.“ Wenn Pferde Heu fressen, speicheln sie ein. Das dämpft die Magensäureproduktion und schützt vor Magengeschwüren. Oder einfach gesagt: Fressen entspannt. Nur wenn Pferde im Anhänger toben, könnte das Heunetz zur Gefahr werden – deshalb nie zu tief hängen. Manche moderne Pferdeanhänger haben eine Öse an der Decke und eine zweite auf dem Vorbau der Sattelkammer. So befestigt, verhindert es das Baumeln der Netze.
Einstreu und Erholung
Die Transporter sollten eingestreut sein, das fordert die Viehverkehrsordnung, Urin und Mist dürfen nicht auf die Straße gelangen. „Außerdem trauen sich Pferde eher Wasser zu lassen, wenn gut eingestreut ist“, findet Friedrich Johannsmann, der im Oktober 2024 50-jähriges Firmenjubiläum feierte. Seine Spedition transportiert Renn- und Sportpferde durch ganz Europa, aber auch Privatpferde auf Sammeltransporten durch Deutschland oder in Zweipferdeanhängern für Fahrten zur Pferdeklinik oder Ähnliches. Der Profi empfiehlt, Turnierpferde einen Tag vorher zum Wettkampfort zu fahren, wenn die Tour länger als vier Stunden dauert. Seine Faustregel lautet: „Je höher Pferde in ihrer Sportlichkeit trainiert sind, also beispielsweise Spitzensportpferde, desto kürzer setzen wir die Transportzeit an. Maximal zehn oder zwölf Stunden fahren wir an einem Tag, und das mit mehreren Pausen, damit die Pferde entspannen können.“ Die Fahrten selbst seien eine große körperliche Anstrengung, das solle man nicht unterschätzen. Auch bei kürzerer Anfahrt, zum Beispiel aufs Turnier, tut man den Pferden Gutes, etwa eine halbe bis ganze Stunde Erholungszeit bis zur ersten Prüfung einzuplanen.
Studien zeigen: Darf sich das Pferd aussuchen, wie es fährt, fährt es bevorzugt rückwärts. Foto: Böckmann Fahrzeug
LKW über 7,5 Tonnen sind mautpflichtig – dasselbe gilt seit 2024 auch für fahrzeuge ab 3,5 Tonnen technisch zulässiger Gesamtmasse. Foto: Arnd Bronkhorst
Mit Hinterteil voran
Welche Position während der Fahrt für Pferde am komfortabelsten ist, haben verschiedene wissenschaftliche Studien untersucht – wie es überhaupt zum Thema Transport zahlreiche Arbeiten gibt. Friedrich Johannsmann erzählt von der Untersuchung der Universität Bologna in Italien aus dem Jahr 2020: Die Blutwerte der Pferde, die rückwärts gefahren sind, haben sich nach der Fahrt am schnellsten wieder im Normalbereich eingefunden. „So reisen übrigens die Pferde in den Kleintransportern schon aus Gründen der Radkonstruktion: Für die beste Gewichtsverteilung stehen sie mit dem Hals und Kopf über den Hinterrädern“, beschreibt der Spediteur.
Ausrüstung für Unterwegs
Die Pferde tragen unterwegs ein gutsitzendes und angenehmes Halfter, sind weder zu lang noch zu kurz angebunden – je nach Pferdevorliebe doppelseitig oder an der jeweiligen Außenseite. Pferde sollten den Kopf in Maßen frei bewegen können, sonst versuchen sie möglicherweise sich loszureißen.
Der Strick sollte einen Panikhaken haben. Die hintere Stange ist unter dem Sitzbeinhöcker platziert – moderne Anhänger haben eine variable Einhängemöglichkeit in Höhe und Weite für unterschiedliche Pferdegrößen. Das Pferd soll nicht eingezwängt stehen, etwas Abstand darf sein. Der Schweif wird übrigens nicht über die Stange gelegt – wenn sich Pferde gegen die Stange lehnen, hilft ein Schweifschutz. An den seitlichen Transportwänden kann man Polster nachrüsten, als Trittschutz und zum Komfort. Der Vorteil ist auch: Wird der Anhänger eines Tages verkauft, kann man diese austauschen und der Innenraum sieht aus wie neu.
Decke und Beinschutz
Eine Transportdecke sollte je nach Wetter eine Stufe dünner sein als die Stall- oder Weidedecke. Bei Transportgamaschen gibt es unterschiedliche Meinungen: Waltraud Böhmke entscheidet je nach Pferd und empfiehlt bei Stollen zumindest Hufglocken. Sie hat beobachtet, dass manche Pferde ohne Gamaschen ruhiger stehen, da rutschende oder zu feste Gamaschen die Ausgleichsbewegung während der Fahrt beeinträchtigen können. Justus Böckmann hält sie dennoch für wichtigen Beinschutz, auch wenn an heißen Tagen eine Überhitzung bedacht werden muss. Die Technik überwacht die Pferde hinten – erfahrene Fahrer erkennen unruhige Pferde am Geräusch, zunehmend kommen jedoch Kameras im Anhänger zum Einsatz.
Führerschein-Kontrolle
- Klasse B: reicht aus, wenn der Anhänger leichter als 750 Kilogramm ist – was mit Pferd nicht realistisch ist. B reicht aus, wenn das zulässige Gesamtgewicht (Pkw und Anhänger plus Pferd) in Kombination maximal 3,5 Tonnen beträgt.
- Klasse B96: für schwerere Anhänger, solange die Kombination von Auto, Anhänger und Pferd zwischen 3500 und 4250 Kilogramm bleibt. Für die Klasse B96 ist in der Fahrschule ein zusätzlicher Kurs, aber keine Prüfung nötig, in der Regel also einfacher zu erwerben als der komplette BE-Führerschein.
- Klasse BE: Wer diesen Führerschein ablegt, darf ein Zugfahrzeug bis 3,5 Tonnen und einen Anhänger plus Pferd bis 3,5 Tonnen fahren. Achtung: Realistisch gewogen, je nach Anhänger, Sattelkammereinrichtung, mit Gummimatten, Zubehör und Pferden ist diese Grenze schnell erreicht.
- Klasse C1: für kleine Pferdetransporter mit zwei Pferden, Fahrzeuge zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen.
- Klasse C: für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen.
Fahrlehrerin Katja Pohl rät: „Überlegen Sie sich genau, was Sie ziehen wollen. Der BE-Führerschein ist etwa doppelt so teuer wie der Zusatz B96, allerdings sind Sie damit eher in der Lage, auch zwei Pferde fahren zu dürfen.“
Achtung TEMPOLIMIT: Ihren Führerschein behalten Sie, wenn Sie sich an das Tempolimit halten: Ein Pkw mit Anhänger darf auf Landstraßen maximal 80 Stundenkilometer
fahren, mit einer Sondergenehmigung auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen kann das auf 100 Stundenkilometer erhöht werden.
Plane und Papiere
Ein Diskussionspunkt betrifft die Plane hinten: Waltraud Böhmke fürchtet, dass der Wind in den Innenraum wirbelt und die Kruppen auskühlt. Oder, dass die Pferde auf der Autobahn die LKWs hinter sich nicht mögen. Sie schließt die Plane – die es auch als eine Art Windschutznetz gibt. Die Belüftung ist wichtig: Friedrich Johannsmann bevorzugt etwa klug durchdachte Dachluken, durch die im Sommer die Hitze nach oben verschwinden kann.
Essenziell für jede Fahrt: Ein gutsitzendes Halfter und weder zu kurz noch zu lang angebunden. Foto: Böckmann Fahrzeug
Im Zweipferdeanhänger sollen die vorderen Fensterluken nach vorne hin geschlossen und nach hinten aufgeklappt sein, damit kein Luftzug entsteht. Was muss noch mit auf große Fahrt? In jedem Fall Ersatzhalfter und Ersatzstrick, ein Eimer, um dem Pferd unterwegs in den Pausen Wasser anzubieten – und Pferdepass, Führerschein, Fahrzeugscheine von Zugfahrzeug und Anhänger.
Eins oder zwei?
Der Einpferd-Anhänger ist ein Nischenprodukt. Vom Gewicht ist er etwas leichter als ein Zweipferdeanhänger und ist für das ein oder andere schwächere Zugfahrzeug gerade noch passend. Doch auch die, die nur ein Pferd transportieren, wählen häufig doch das Zweipferdemodell – auch, weil der Wiederverkaufswert besser ist. Im Gegensatz zu Autos haben die meisten Zweipferde-Anhänger so gut wie keinen Wertverlust. Gefühlt immer häufiger sieht man die Kleintransporter. Friedrich Johannsmann sagt: „Der Vorteil ist, dass bei den Kleintransportern, die nicht schwerer sind als 3,5 Tonnen, der Pkw-Status gilt, also passend zum Führerschein Klasse B. Dann passt aber maximal ein Pferd zur erlaubten Nutzlast. Täuschen Sie sich nicht, wie viel schwerer die Dressurpferde sind! Dagegen wiegen zum Beispiel die Rennpferde nur um die 450 Kilogramm.“ Merke: Wer sein Pferd transportiert, sollte sein genaues Gewicht kennen.
Großraumlimousinen
Die Entwicklung der Pferdeanhänger kennt Justus Böckmann aus Lastrup in Niedersachsen aus der eigenen Firmengeschichte. Sein Vater ist der Springreiter Gilbert Böckmann, dessen Vater Anton Böckmann 1956 die „Böckmann Fahrzeugwerke“ gründete. „Was sich in den letzten Jahren im Pferdeanhängerbau völlig geändert hat, sind die Dimensionen der Anhänger“, erzählt Justus Böckmann. Aus den Sattelkammerfächern, an denen die Sättel beim Einladen knapp reinpassten, sind begehbare Sattelräume geworden. Die Gummitrennwand wird ergänzt von einem Mittelpfosten, damit die halbe Trennwand entweder vorne oder hinten zur Seite geschwenkt werden kann: Vorne hat man dann Platz, um das Pferd auf dem Anhänger zu satteln. Hinten zur Seite geschwenkt, ist der Einstieg fürs Pferd breiter. Auch die Materialien haben sich geändert: Holz wird immer seltener, ist eher im unteren Preissegment vertreten. Holzböden bedürfen einer regelmäßigen Kontrolle. Polyester kam später auf, heute ist Alu sehr beliebt. „Ein Alu-Hänger ist fast für die Ewigkeit“, meint Justus Böckmann.
Die Gefahr mit dem Überladen
Logistik-Experte Johannes Rennebaum von der Loggut GmbH aus dem westfälischen Halle weist auf die Gefahrensituation des Überladens von Kleintransportern im Pferdebereich hin – das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) habe ihn um Aufklärung eines verbreiteten Problems gebeten: die Überladung von Pferdetransportern bis 3500 kg Gesamtmasse (GM). Viele Besitzer würden die zulässige Gewichtsgrenze ignorieren, um Mautgebühren für schwerere Fahrzeuge zu umgehen. Das hat jedoch versicherungstechnische Konsequenzen:
- erhöhtes Unfallrisiko: Überladung verlängert den Bremsweg und verschlechtert das Lenkverhalten, was ein Mitverschulden bei Unfällen bedeuten kann (OLG Hamm).
- Haftungsrisiko: Wenn die Überladung nachweislich unfallursächlich ist, kann die Kaskoversicherung die Leistung verweigern.
- Strafen im Ausland: In vielen EU-Ländern drohen hohe Bußgelder und das sofortige Abladen überladener Transporter. Ähnliche Maßnahmen werden in Deutschland geprüft.
Fahrtenschreiber für Pferde-LKWs und Anhänger
Seit 1. Januar 2025 gilt, dass Wohnmobile mit einem Gesamtgewicht von über 7,5 Tonnen mit einem digitalen Fahrtenschreiber ausgestattet sein müssen, sofern sie einen Anhänger ziehen. Das bedeutet gleichzeitig, dass sich der Fahrer nach aktuell geltendem Recht an Ruheund Lenkzeiten halten muss. Zudem benötigt jeder Fahrer eine Fahrerkarte, um die Nutzung des Fahrtenschreibers zu dokumentieren. Von der Neuerung betroffen sind auch Pferdesportler, die in großen Linern mit Pferdeanhängern unterwegs sind.
Ruhe und Gelassenheit der handelnden Personen ist beim Transport von Pferden wie beim generellen Umgang essenziell. Foto: Böckmann Fahrzeug
Mit Köpfchen fahren
Gefahrensituationen sind für Pferdetransporte das Wetter – Fahrlehrerin Katja Prohl rät, bei Schnee nach Möglichkeit auf Fahrten zu verzichten. Zum Problem kann der Bremsweg werden; voll beladen, verhalten sich Transporter und Pferdeanhänger anders, der Bremsweg verlängert sich. Mit einer heftigen Bremsaktion kann man dem Pferd das Vertrauen am Fahren nehmen. Justus Böckmann erzählt: „Wir bieten ab und an in Kooperation mit dem ADAC ein Sicherheitstraining an.“
Sicherheit bringt auch eine gute Vorbereitung. Böckmann empfiehlt gerade für längere Fahrten: „Planen Sie die Route in Ruhe am Vortag und nehmen Sie sich einen großzügigen Zeitplan vor.“ Lieber morgens eine halbe Stunde eher am Stall sein. „Denken Sie auch daran, dass das Verladen in der Morgendämmerung wieder eine neue Situation für das Pferd ist.“
Der siebte Sinn
Zahlen, Fakten, Technik – der Pferdetransport ist eine komplexe Sache. Für die Pferde zählen vor allem Souveränität und Vertrauen zu ihren Menschen und Fahr-Routine. Dann wissen die Vierbeiner Bescheid, wenn der Wagen vorfährt, im besten Fall spitzen sie die Ohren. Manche kennen sogar die Routen. Friedrich Johannsmann erzählt gerne die Geschichte der Lipizzaner Hengste der Wiener Hofreitschule. Seine Spedition fährt die Pferde auf ihre Tourneen. „Wenn die Lipizzaner von ihrer Reise zurück nach Wien kommen, der LKW die Stadtautobahn verlässt, am Tiergarten Schönbrunn die Kurve nimmt, erkennen die Hengste, dass sie bald zuhause sind und fangen an zu wiehern!“
Cornelia Höchstetter
Der Befähigungsnachweis
Laut Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) braucht jeder Tierhalter, der ein Nutztier über mehr als 65 Kilometer in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Tätigkeit transportiert, den „Tiertransporte-Befähigungsnachweis“. Johannes Rennebaum von der Loggut GmbH aus dem westfälischen Halle ist Logistikberater und gefragter Experte bei der FN. Er sagt: „Sogenannte Hobbypferdehalter und Amateurreiter, die ihre eigenen Pferde in eigenen Fahrzeugen befördern, benötigen keinen Befähigungsnachweis. Dies gilt ebenfalls für Fahrten bis 65 Kilometer und für Fahrten zu einer Tierarztpraxis oder Tierklinik. Allerdings sind die Grenzen zwischen Hobby- und gewerblichem Transport nicht klar geregelt, Genaues wird in Lehrgängen zum Nachweis besprochen.“ Lehrgänge bieten u.a. Landwirtschaftskammern an.
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