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Young-PM: Wer macht was auf dem Turnier (Teil 3): Die Meldestelle

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Wer macht was auf dem Turnier (Teil 3)

Die Meldestelle

Turnierreiten ist spannend. Man muss trainieren, sein Pferd hübsch machen, zum Turnier fahren, sich vorbereiten und in der Prüfung die Nerven behalten. Aber habt ihr in der ganzen Aufregung schon mal darüber nachgedacht, wer alles dazu beiträgt, dass ihr auf dem Turnier direkt losreiten könnt? Es braucht jede Menge Fachleute und Helfer, um ein Turnier auf die Beine zu stellen. Dazu gehören auch die Meldestellenmitarbeiter, die alles rund um die Nennungen managen und vor Ort erste Ansprechpartner für die Reiter sind.

Telefonieren, Ergebnisse eingeben, Auskünfte erteilen: Alles kein Problem für die erfahrene Melde­stellen-Leiterin Carmen Bartels. Foto: privat

Die Meldestelle ist das Herzstück des Turniers, denn hier laufen alle Fäden der Turnier-Organisation zusammen. Neben Starter- und Ergebnislisten, Zeiteinteilungen und Auskünften aller Art, gibt es hier auch oft „Nervennahrung“ in Form von Süßigkeiten und ein freundliches Wort für aufgeregte Reiter und ihre Begleiter. Aber wie wird man eigentlich Meldestellenmitarbeiter, und was gehört zu den wichtigsten Aufgaben? „Grundsätzlich sollte man gerne mit Menschen zu tun haben, ausdauernd, konzentriert und IT-affin, sprich fit in Sachen Computer, sein“, so Sven Kiefer, der wie seine anderen Kollegen, mit denen wir gesprochen haben, einen Meldestellen-Service anbietet. „Die Arbeit in der Meldestelle ist kein Lehrberuf, sondern eher ein Lernprozess, für den man entsprechende Lehrgänge, die der jeweilige Landesverband anbietet, besucht. Außerdem sollte man am Anfang eine erfahrene Meldestelle begleiten und unterstützen, um Erfahrung zu sammeln.“

Je nach Anzahl der Prüfungsplätze und der Nennungszahlen sind Meldestellen in der Regel mit mindestens zwei Mitarbeitern besetzt. Zu ihrer Grundausstattung gehören Computer, meistens in Form von Notebooks, die mit dem Meldestellenprogramm TORIS ausgestattet sind. Dieses Programm kann übrigens kostenfrei auf der FN-Internetseite heruntergeladen werden. Außerdem braucht man einen Drucker und Ersatzpatronen sowie möglichst einen Internetzugang.

„Meldestellenmitarbeiter wird man, wenn man Lust und Interesse am Turniersport hat. Meldestellenleiter kann man werden, wenn man mit den Inhalten der LPO (Leistungsprüfungs-Ordnung) bestens vertraut ist und nicht nur die Meldestelle im Blick hat, sondern die gesamte Organisation des Turniers. Dazu muss man natürlich auch vertrauensvoll mit dem veranstaltenden Verein zusammenarbeiten“, erzählt Carmen Bartels, die einen professionellen Meldestellen-Service anbietet und dafür eine Selbstständigkeit angemeldet hat.

Ein netter Umgangston zwischen Reiter und Meldestellenmitarbeiter ist das A und O. Fotos (3): Stroscher

Daten-Profis

Wie so ein typischer Tag in der Meldestelle abläuft, haben wir Beate Greifenberg von der Geschäftsstelle des Pferdesportverbandes Hannover gefragt, die neben ihrem Hauptberuf schon viele Jahre Meldestellen leitet: „Am besten baut man bereits am Vorabend die Technik auf und schaut, dass alles reibungslos funktioniert. Außerdem kann man schon die Startbereitschaft für die ersten Prüfungen des Folgetages annehmen. Nach Nennungsschluss lädt man die in Nennung-Online bereitgestellten Daten in TORIS und richtet die Daten gemäß der Ausschreibung ein. Für die Dressurprüfungen müssen die Richterprotokolle vorab bestellt und gesichtet werden. Weiter geht es mit der Annahme der Startbereitschaften der Reiter. Anschließend erstellen wir die Starterlisten, geben die Ergebnisse der einzelnen Prüfungen ein. Manchmal steht auch auf dem Richterturm ein Laptop, wo die Ergebnisse direkt nach jedem Ritt eingegeben werden. Am Ende des Turniertages rechnen wir mit dem Reiter ab.“ Wichtig ist dabei, dass die Technik zuverlässig läuft. „Denn nichts ist störender als abstürzende Rechner oder Netzwerkabbrüche“, so Sven Kiefer.

In den letzten zehn Jahren hat sich vor allem die Technik in der Meldestelle weiterentwickelt. „Die größte Revolution der letzten Jahre war die Einführung des Online-Nennsystems, was unsere Arbeit immens erleichtert hat, denn durch das Internet ist das Nennen schneller und flexibler geworden. Die Veröffentlichung von Start- und Ergebnislisten online ist der nächste große Meilenstein gewesen.“

Viele Reiter haben ihr Smartphone selbst während des Rittes in der Reithosentasche und sind immer auf dem Laufenden, weil sie ständig die Starter- und Ergebnislisten mit dem Handy abrufen können. Diesen Service nutzen natürlich auch die „TT’s“, wie die Turnierbegleiter genannt werden, Zuschauer und Journalisten, die über das Turnier berichten. So spart man sich nicht nur Papier, sondern auch einige Wege zur Meldestelle. Für die Darstellung der Starter- und Ergebnislisten im Internet gibt es inzwischen diverse Programme, allen voran FN-Erfolgsdaten. FN-Erfolgsdaten bietet darüber hinaus auch die Darstellung von Live-Ergebnissen an.

Warten auf die nächste Prüfung: Inzwischen können die Reiter Starter- und Ergebnislisten auch direkt auf dem Handy abrufen.
Wann beginnt meine Prüfung? Kann ich etwas später starten? Meldestellenmitarbeiter müssen jede Menge Fragen beantworten.

Das könnte Sie auch interessieren: Die weiteren Teile zur Serie „Wer macht was auf dem Turnier?“ – Teil 1 „Der Parcourschef“ und Teil 2 „Der Richter“

Haribo hilft immer

Neben Technik-Know-how ist es aber auch wichtig, gerne Umgang mit anderen Menschen zu haben, zu wissen, wie man mit ungeduldigen Teilnehmern umgeht und Stress-Situationen diplomatisch löst.

„Eine Kiste Süßigkeiten hilft immer“, sind sich die Meldestellen-Experten alle einig und wünschen sich von den Reitern vor allem einen netten Umgangston, Respekt und Höflichkeit. Dabei ist natürlich Geduld auf beiden Seiten gefragt. „Man sollte sich nicht so schnell unter Druck setzen lassen, und die Wünsche der Reiter nach und nach abarbeiten sowie flexible Lösungen finden.“ Am meisten Spaß an ihrem Job machen den Turnierfachleuten in der Meldestelle der Umgang mit den Reitern, Richtern und allen Helfern sowie die Verantwortung für viele verschiedene Abläufe.

In der Regel erhalten die Meldestellenmitarbeiter eine Aufwandspauschale wie die Richter und Parcours­chefs. Profi-Meldestellen bieten meis­tens Komplett-Preise an. In der Branche gibt es Dienstleister, die sich auf den Meldestellen-Service spezialisiert haben. „Dabei sollte man aber einkalkulieren, dass es im Winter weniger Veranstaltungen gibt. Häufig wird der Service mit einem anderen Gewerbe oder weiteren beruflichen Tätigkeit kombiniert. Hier sollte man kaufmännisch und technisch fit sein. Ein sicherer Umgang mit dem Notebook ist unerlässlich. Bei größeren Turnieren sind Erfahrungen mit Netzwerktechnik sehr von Vorteil“, berichtet Sven Kiefer.

Tina Pantel

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