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200 Jahre Berittene Polizei Hannover

Sympathieträger auf vier Beinen

Unzählige Extra-Streicheleinheiten gab es Ende Mai für die 31 Polizeipferde der Reiterstaffel Hannover. Mitten im Stadtgebiet am Welfenplatz ist die Reiter- und Diensthundeführerstaffel untergebracht und feierte mit einem großen Showprogramm für die ganze Familie ihren 200. Geburtstag bei einem Tag der offenen Tür. Etwa 15.000 Besucher ließen sich die spektakulären Auftritte der Polizeireiter nicht entgehen.

Vielseitig und bei Radau gelassen: Das kennzeichnet Polizeipferde.
Polizeihauptkommissar Norbert Rabe, Leiter des Reiterzuges: „Die Reiterstaffel ist in der Substanz das Pferd. Und da können wir uns nur mit Demut bedanken bei den Pferden, für das, was sie in den letzten 200 Jahren geleistet haben. Die wirklichen Jubilare sind die Pferde.“ Seit 1976 ist Rabe bei der Reiterstaffel und hat in zahlreichen PM-Seminaren den interessierten Besuchern die besondere Arbeit mit den Polizeipferden und deren Ausbildung näher gebracht: „Im Gefühl habe ich, dass das meine zweite Familie ist.“

Dienstpferd zum Anfassen

Der Besucherandrang war bei perfektem Frühsommerwetter immens. Mehrere Straßenzüge entlang standen die Gäste und warteten auf Einlass. Und die, die einen guten Platz rund um den Reitplatz ergattert hatten – zum Beispiel auf Papas Schultern – verfolgten die kurzweilig und spannend inszenierten Auftritte der vierbeinigen Sympathieträger von den ersten Schritten der Polizeipferdeausbildung bis zum Einsatz bei Großveranstaltungen. Da knallte und rauchte es auch schon mal, wenn die coolen Dienstpferde bewiesen, dass sie keine Angst vor Motorsägen, Luftballons, Pistolenschüssen, Feuer und lärmenden Demonstranten haben. Viel Applaus bekam auch die Dressurquadrille, obwohl die Polizisten im normalen Arbeitsalltag kaum Zeit zum Üben dafür hatten. In der Reithalle gab es das „Dienstpferd zum Anfassen“. Geduldig ließen sich Polizeipferde streicheln. Besonders genoss Rappwallach Werther die Extra- Liebkosungen. Mit geschlossenen Augen senkte er seinen großen Kopf herunter zu den Kindern und ließ sich verwöhnen. Bessere Werbeträger als ihn und seine Kollegen kann es für die Polizeireiterstaffel gar nicht geben

Historischer Rückblick

Kein Wunder, dass die Jungen und Mädchen nach der Veranstaltung noch von den Pferden schwärmten, gerne selbst reiten lernen möchten oder ab sofort als Traumberuf angeben: Polizeireiter. Selbstverständlich hatte die Polizei auch einen Berufsinformationsstand aufgebaut mit jeder Menge Broschüren zum Mitnehmen. Die gesamte Veranstaltung war auf Familien ausgerichtet. In der großen Fahrzeughalle gab es ein Kinderprogramm mit Steckenpferd-Reiten über einen Geschicklichkeits-Parcours, Hufeisen-Werfen, Schminken, Basteln und eine Fotoaktion, bei der man sich Polizeihelme und Mützen aufsetzen und das Sofortbild gleich mitnehmen konnte, genau wie den Ausweis als Kinder-Kommissar.

In den Stallungen mit historischem Gewölbe drängten sich zahlreiche Besucher, um die Pferde in ihren Boxen in Augenschein zu nehmen. Rau-, Kraft- und Saftfutter war auf Strohballen mit entsprechenden Schildern beschriftet, genauso wie verschiedene Putzutensilien und Halfter und Trensen. Dieses praxisnahe und professionelle Infotainment kam sehr gut an. Der historisch interessierte Besucher fand zahlreiche Infos zur Geschichte der berittenen Polizei von 1815 bis 2015 in der Futterhalle. Auf einer großen Leinwand gab es auch filmische Einblicke aus den vergangenen Jahrzehnten aus den Archiven des NDR. Eine Reiterstaffel Hannover gibt es unter diesem Namen übrigens seit 1920. Berittene Ordnungshüter existieren jedoch schon seit mehr als 750 Jahren. Die Männer, die um das Jahr 1250 als Unterbeamte dem Landvogt dienten, nannten sich Landreiter. Später sicherten Landjäger oder Knechte die Straßen.

Als Geburtsstunde der berittenen Polizei in Hannover ist der 1. Mai 1815 angegeben. Vor 200 Jahren wurde nach dem Vorbild der französischen Gendarmerie ein Landdragoner-Korps gegründet, das Wegelagerer und Landstreicher in Schach hielt. „Die Aufnahme in das Einsatzkonzept der Polizei bei Fußballspielen 1985 und erfolgreiche Bewältigung von Großeinsätzen wie der Fußball-WM, die G8-Gipfel oder die Castor-Einsätze, unterstreichen, dass die niedersächsischen Dienstpferde sehr wirksam bei der Polizei zum Einsatz kommen. Sie sind ein nicht zu übersehender Sympathieträger und ein Aushängeschild der niedersächsischen Polizei“, so Boris Pistorius, niedersächsischer Minister für Inneres und Sport in seinem Grußwort der Jubiläums-Broschüre.

Tina Pantel

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