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Pferd mit Job: Museumsbahnpferd auf Spiekeroog

Lernen vom Fahrmeister: Dieter Lauterbach

„Fahrsport ist Teamgeist“

„Das Wichtigste ist, genau wie beim Reiten, dass Fahrpferde gut, professionell und korrekt ausgebildet werden – und dafür muss man sich gerade am Anfang viel Zeit lassen.“ Dafür steht sein Name: Dieter Lauterbach.

Volle Kraft voraus! „Fahrsport ist Teamsport“, sagt Dieter Lauterbach und meint damit Pferd, Beifahrer und Helfer. Fotos (3): Brigitte Gfeller/hippoevent.at

Dieter Lauterbach ist als Bundestrainer verantwortlich für den Jugend-Fahrsport und die Einspänner. Seit mehr als 30 Jahren ist er im Fahrsport aktiv – zunächst zwei- und vierspännig. Doch schnell merkte Lauterbach, dass seine Leidenschaft und Passion den Einspännern gilt – aus dem Zweispänner wurden zwei Einspänner mit Rheinprinz und Rheingold gemacht. So ging es los.

Viele Erfolge

Dieter Lauterbach war jahrelang Mitglied im Championatskader der Einspännerfahrer, war mehrfach Deutscher Meister, nahm zehnmal an Weltmeisterschaften teil und hat insgesamt in seiner Karriere mehr als 190 Siege in der schweren Klasse eingefahren. Nach Team-Bronze bei der WM 2006, Team- Silber 2008 und Mannschaftsgold 2012 und 2014 feierte er 2016 seinen größten Erfolg. Bei der WM im österreichischen Köflach holte er nicht nur mit dem Team Gold, sondern sicherte sich auch noch in der Einzelwertung den WM-Titel. WM-Doppelgold! Als Trainer betreut er bereits seit 2013 den Jugend- Fahrsport. Nach seiner aktiven Karriere übernahm er 2023 auch das Amt des Bundestrainers der Einspänner.

Vielfältig unterwegs

Pferdewirtschaftsmeister Dieter Lauterbach war Hauptsattelmeister am hessischen Landgestüt Dillenburg, hat dort die hessische Landesreit- und Fahrschule geleitet und war für die Trainerausbildung Fahren zuständig.

Mit Erfolgspferd Dirigent in der Dressur.

Große Freude über Doppel-Gold bei der WM 2016. Foto: Ann-Kathrin Drumm/hippoevent.at

 Seit 2015 arbeitet er in der Verwaltung des Regierungspräsidiums Gießen. Außerdem ist er als Referent für die Persönlichen Mitglieder deutschlandweit tätig. Für den hessischen Pferdesportverband arbeitet er seit vielen Jahren als Landestrainer. Darüber hinaus ist er Trainer A Fahren – mit der Zusatzqualifikation Bodenarbeit –, sowie Richter und Parcourschef bis zur Klasse M und Inhaber des Goldenen Fahrabzeichens. „Mein Ziel ist es, die engagierten und motivierten Jugendlichen in allen Anspannungsarten bis in den Spitzensport zu fördern, aber genauso wichtig sind mir der Teamgeist und der faire Umgang mit dem Pferd und den Sportkollegen“, so Lauterbach. Weg vom Turniersport empfiehlt Lauterbach den Fahrsport nicht zuletzt auch älteren Menschen, die vielleicht nicht mehr in den Sattel steigen wollen. „Fahrsport ist Teamsport – mit dem Pferd, den Beifahrern, häufig mit der Familie – das macht einfach Spaß und es ist unglaublich schön, mit einem Gefährt seine Freizeit in der Natur zu verbringen.“

Ausgezeichnet!

Im Rahmen der Deutschen Einspänner- Meisterschaften und der DM Para-Fahren in München-Riem 2024 wurde ihm der Ehrentitel „Fahrmeister“ verliehen. 2024 wurde er außerdem vom Deutschen Reiter- und Fahrerverband (DRFV) mit dem „Bronzenen Wagenrad“ für seinen Einsatz für den Fahrsport ausgezeichnet.

Kim Kreling

Dieter Lauterbachs Ausbildungstipp: Tempounterschiede und Übergänge

Tempounterschiede und Übergänge von einer zur anderen Gangart sind ein zentrales Thema in den Fahrdressuren. Häufig beobachtet man, dass die Unterschiede oder Übergänge sehr verschwommen oder teilweise kaum sichtbar sind, dabei sind sie in der Ausbildung von Fahrpferden ebenso wichtig wie bei Reitpferden. Deswegen lege ich auf dieses Thema im Training größten Wert.

Gehfreudige Pferde

Gehen wir beispielsweise von einem Gespann aus, bei dem das Pferd mit großem Vorwärtsdrang ausgestattet ist. Dann würde ich immer die Grundgangart des Trabs ruhig wählen und viele Trab-Schritt-Übergänge fahren. Im Schritt entspannen sich Pferde mehr und der Fahrer kommt so vermehrt zum Nachgeben. Ich würde damit auf großer gebogener Linie beginnen: Zur offen Zirkelseite hin antraben und zur geschlossen hin durchparieren zum Schritt. So hilft auch die Vierecksbegrenzung als optische „Bremse“ beim Durchparieren. Man wird relativ schnell merken, dass die Pferde durch die Trab-Schritt-Übergänge losgelassener werden. Wenn das gut gelingt, würde ich aus dem ruhigen Trabtempo beispielsweise auch an der offenen Zirkelseite den Trab etwas zulegen – noch keinen Mitteloder starken Trab, nur die Tritte verlängern – und zur geschlossenen Seite wieder zurücknehmen. Eine schöne, daran anschließende Übung sind außerdem die Schlangenlinien durch die ganze Bahn mit drei oder vier Bögen. Da habe ich die Möglichkeit, die Wendungen im ruhigen Tempo zu fahren und die kurzen Seiten auf die andere Seite lasse ich das Pferd wieder etwas antreten und nehme es für die Wendung wieder zurück. Das Ziel ist klar: Der Fahrer soll immer besser zum Nachgeben kommen und sich gerade bei den sehr fleißigen Pferden“ nicht vorne festziehen. Erst wenn die Pferde im Trab sicher an den Hilfen, sie ruhig sind und nicht wegeilen, dann nehme ich die Übergänge zum Galopp hinzu. Es ist absolut wichtig, dass die Pferde beim Angaloppieren auf die Stimme reagieren – ich habe als Fahrer natürlich weder eine Gewichts- noch eine Schenkelhilfe. Das Reagieren auf die Stimme muss ich im Vorfeld beim Reiten oder an der Doppellonge gut geübt haben. Und auch mit dem Angaloppieren würde ich auf der gebogenen Linie beginnen.

Weniger fleißige Pferde 

Drehen wir den Gedankengang jetzt einmal um und gehen von etwas „gemütlicheren“ Pferden aus. Die Fahrer, die sehr engagierte Pferde haben, fahren meist ein zu hohes Grundtempo, die mit den etwas weniger gehfreudigen häufig zu ruhig. Mit diesen muss man genau umgedreht trainieren. Man muss zunächst Schwung und Ganglust in die Pferde bringen. Bei diesen Pferden muss ich mit den Übergängen und Tempounterschieden mehr Betonung auf das Vorwärts legen. Ich warne etwas davor, zu viele Trab-Galopp-Übergänge ins Training einzubauen. Beim Reiten würde man die Pferde durch das häufige Angaloppieren aufmuntern und motivieren, beim Fahren besteht aber die Gefahr, dass die Pferde während der Prüfung dann in der Trabtour angaloppieren. Ich habe als Fahrer nicht die konkreten Hilfen, die ein Reiter hat. Deshalb würde ich bei ruhigeren Pferden eher zu motivierenden Tempounterschieden im Trab raten: Zulegen, aus dem Zulegen zurücknehmen, die Versammlung oder das zurückgenommene Tempo nur ein kurzes Stück, um die Pferde kurz aufs Hinterbein zu holen, und dann durch Nachgeben und Treiben die Pferde wieder zum Antreten auffordern.

Tempounterschiede und Übergänge sind in der Fahrdressur essenzielle Knackpunkte.

Videos als Hilfe

Ein wichtiges Hilfsmittel, gerade im Fahrtraining, sind Videoaufnahmen, die Trainer und Fahrer im Nachgang besprechen. Es ist durchaus auch mal lehrreich, einen Fahrer unbemerkt beim Abfahren zu filmen, damit er sieht und sich bewusst wird, dass er gegebenenfalls ein zu hohes oder zu niedriges Tempo gewählt hat. Fahrer und Gespann haben oft ein gewisses Wohlfühltempo gefunden, in dem sich die Pferde entspannen, biegen und stellen lassen, doch der Fahrer fährt keine Tempounterschiede oder Übergänge. 

Das müssen die Fahrer selbst sehen und verstehen. Jede Runde, die ich in einem 40 x 80 Fahrviereck mit einem erfahrenen Pferd außerherum fahre, ohne Übergänge oder Tempounterschiede, ist eine verlorene Runde. Dasselbe gilt für jede Ecke. Nehmen wir mal an, der Fahrer fährt im Gebrauchstrab mit 10 km/h, dann sollte er die Ecke mit 9,5 km/h fahren. Er soll lernen vor jeder Ecke sein Pferd zu stellen und das Tempo minimal herauszunehmen.

Vorbereitung ist alles

Übergänge und Tempounterschiede sind in der Ausbildung und für eine gute Fahrdressur immens wichtig. Aber: Jede Lektion ist nur so gut wie ihre Vorbereitung. Deshalb ist es sehr wichtig, beispielsweise den Mitteltrab auf der Diagonalen schon an der kurzen Seite vorzubereiten – wie eine Feder. An der kurzen Seite versucht man das Pferd positiv zu spannen, damit sich dann der Mitteltrab entfalten kann. Positiv spannen bedeutet: Das Pferd mehr an die Hilfen stellen, mehr durchtreiben und die Hinterhand aktivieren. Wie intensiv ich diese Vorbereitung machen muss, das ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich. All diese Übungen mit Tempounterschieden und Übergängen sind für das Gelände und das Kegelfahren ebenso bedeutsam. Gerade im Kegelfahren brauche ich durchlässige und zufriedene Pferde, um den Parcours möglichst schnell und fehlerfrei absolvieren zu können. Tempounterschiede und Übergänge sind also nicht nur ein zentrales Thema in den Fahrdressuren, sondern in allen Bereichen des Fahrens.

 

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