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FEI Sports Forum tagte in Lausanne

Weichen für Dreierteams gestellt

„Sportfachlicher Quatsch“ – deutliche Worte findet DOKR-Chef Dr. Dennis Peiler für die geplante Reduzierung auf drei Mannschaftsreiter und die damit einhergehende Abschaffung des Streichergebnisses bei Olympischen Spielen. Aber die deutsche Ablehnung der geplanten Reglementänderung findet keine Mehrheit. Beim FEI-Sports Forum sprach sich breite Mehrheit für die Dreierregel aus.

In London durften sie noch zu Fünft starten, in Rio sind nur vier Mannschaftsreiter dabei und ab 2020 soll es lediglich Dreierteams geben. Das Foto zeigt (v.l.) Peter Thomsen, Dirk Schrade, Sandra Auffarth, Ingrid Klimke und Michael Jung. Foto: Stefan Lafrentz

Mehr Nationen, mehr Spannung, mehr Unterhaltungswert und eine bessere Eignung für die Kommunikation über die sozialen Netzwerke: So wünscht sich das IOC die olympischen Sportarten der Zukunft. Auch der Reitsport muss sein Reglement renovieren, wenn er in der olympischen Familie bleiben will. Darüber diskutierten über 130 Vertreter der nationalen Verbände, Trainer und Aktive beim FEI Sports Forum in Lausanne. Im Vordergrund stand allerdings ein ganz zentraler Punkt: die Reduzierung der Teamstärke von vier auf drei Reiter in den klassischen Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeit sowie bei den Paralympics ab den Spielen 2020 in Tokio.

FEI Vize-Präsident John Madden (USA), Ehemann der Weltklasse-Springreiterin Beezie Madden, rechnete vor, dass sich die Zahl der teilnehmenden Nationen von 40 auf 55 erhöhen könnte, wenn die Mannschaften nur noch aus drei Aktiven bestünden. Auch FEI-Vorstandsmitglied und Aachens Turnierchef Frank Kemperman sieht den großen Vorteil, dass dann Nationen Reiter zu Olympischen Spielen entsenden könnten, die bislang den Qualifikationshürden gescheitert sind.

Kritiker befürchten hingegen, dass die Erhöhung der Quantität zu Lasten der Qualität geht. „Wir sind offen für Veränderungen und stehen hinter vielen der Vorschläge zum Wettbewerbsformat“, sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach. „Wir sind aber klar gegen die Reduzierung auf drei Reiter, weil wir glauben, dass das in die falsche Richtung führt und negative Folgen für die Qualität des Sports hat und auf das Wohlergehen der Pferde haben könnte. Deshalb glauben wir, dass diese Änderung das Risiko eher steigert, den olympischen Status zu verlieren.“

Besonders für die Disziplin Vielseitigkeit ist die Änderung problematisch. Bundestrainer Hans Melzer erklärte: „In der Vielseitigkeit ist das Streichergebnis besonders wichtig, weil bei drei Teilprüfungen immer mal etwas passieren kann. Man geht davon aus, dass das neue System mehr Nationen bringt. Aber eigentlich will man doch die Besten der Welt sehen. Wenn irgendwelche Reiter aus Timbuktu an den Start gehen, weiß ich nicht, ob das für unseren Sport förderlich ist.“

Auch die Trainer und Reiter der Disziplinen Springen und Dressur sprechen sich für den Erhalt des vierten Teamreiters aus. Ludger Beerbaum sagte: „Ich war bei den Gesprächen mit dem Verband dabei und ich habe die Verantwortlichen gebeten, sich vehement dafür einzusetzen, dass die Zahl der Teamreiter nicht reduziert wird. Bei dieser Frage geht es um die Identität unseres Sports. Leider bin ich nach den Gesprächen etwas resigniert. Unsere Argumente ziehen nicht so richtig. Wir stoßen bei der FEI an Grenzen.“

So sieht es auch Dennis Peiler: „Die Position der FN ist, dass eine Reduzierung sportfachlicher Quatsch ist. Das ist die deutsche Sicht. Leider bröckeln uns die Unterstützer weg.“ Zwar sind auch die Schweiz, Niederlande, USA, Australien und Neuseeland gegen die Streichung des vierten Teamreiters, aber gegen die breite Mehrheit der FEI-Mitgliedsverbände haben sie wenig Chancen.

Im November bei der FEI-Mitgliederversammlung soll förmlich abgestimmt werden. Dann geht es auch um den Einsatz von Reservisten während des laufenden Wettbewerbs und um weitere Reglementänderung. In der wichtigen Frage aber nach dem vierten Teamreiter sagt Peiler: „Der Drops ist so gut wie gelutscht.“

hen/jbc

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